Wachstumsdelle oder Rezession?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 16. November 2007 08:30 Uhr
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Wachstumsdelle oder Rezession?
Liebe DaxDaily Leser,
der kräftige Kursknick der Aktienindizes führt sich vordergründig auf die Befürchtungen der Markteilnehmer vor einer ausgeprägten Wachstumsdelle oder einer Rezession in den USA zurück.
Die Annahme dass es sich vielleicht doch um ein größeres Problem im Wachstumsmotor USA handelt vollziehen seit kurzem sowohl die Rohstoffpreise mit einem deutlich fallenden Ölpreis und einem korrigierenden Goldpreis nach.
Der sinkende Ölpreis gründet sich auf kaum mehr abnehmende Öllagerbestände in den USA und einer reduzierten Prognose der Weltenergieagentur (IAE) hinsichtlich des Ölweltverbrauchs im Jahr 2008. Gleichzeitig nimmt der Markt die Inflationsprämie teilweise aus dem Goldpreis, die er wegen der sinkenden Zinsen zuvor noch eingepreist hatte. Bei einer unterstellten Rezession hätte sich dieses Thema nämlich erledigt. Wie so oft sind diese Entwicklungen an den Kapitalmärkten aber mit Vorsicht zu genießen. Nichts schwankte in der jüngsten Vergangenheit so stark wie die US-Konjunkturindikatoren. Selbst vom stärksten Anstieg der Verbraucherpreise um 0,3 Prozent auf Monatsbasis seit einem halben Jahr ließ sich dieser aktuelle Marktkanon nicht beeindrucken.
Der weitere Verlauf der Indizes wird in den nächsten Wochen also von den Zinserwartungen hinsichtlich der zinspolitischen Sitzung der US-Notenbank am 11. Dezember und dem Verhalten der US-Verbraucher gekennzeichnet sein. Das in der nächsten Woche als Erntedankfest begangene Thanksgiving-Fest in den USA markiert dabei immer den Auftakt in die Weihnachtssaison. Die zu Beginn der übernächsten Woche von den Einzelhandelsverbänden veröffentlichten Umsatzstatistiken gelten dabei als Fieberbarometer und Indikator auf den möglichen Verlauf der Saison.
Noch haben die Märkte in den USA, geschweige in Deutschland, keine Rezession sondern nur ein sehr niedriges Wachstum eingepreist. Ob auch eine zweite Bush-Präsidentschaft inmitten einer Rezession endet hängt nicht zuletzt von Tempo, Geschicklichkeit und ein wenig Glück der handelnden zentralen Institutionen Aufsichtsbehörden wie der US-Notenbank oder Börsenaufsichtsbehörde SEC ab. Neben der Kreativität der Amerikaner ihre Schulden über einige überraschende Aufweichungen von Vorschriften zu reduzieren (Insolvenzrecht, Kreditkarten) müsste dann aber auch die Politik den Auslandsinvestoren wieder mehr Bewegungsfreiheit zugestehen.
Gold: Größere Konsolidierung eingeleitet
