Wachstum ohne neue Arbeitsplätze
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Investors Daily
vom 08. März 2004 18:00 Uhr
ENL5462
Letzte Woche passierte – bis auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag – eigentlich nicht besonders viel. Die EZB ließ die Leitzinsen unverändert. Die Bank of England ließ die Leitzinsen auch unverändert. Der Dow Jones bewegte sich kaum. Niemand sagte etwas besonders Erheiterndes oder Lächerliches.
Ich war ja vor kurzem in Mexiko, in Puerto Vallerta. Dieses verschlafene kleine Nest in der mexikanischen Sonne ist weit entfernt von den kühlen regnerischen Straßen Europas. Aber ich bin nicht wegen der Sonne dorthin geflogen; ich war da beim Treffen eines Investment-Clubs.
Dort wurde eine Gesellschaft in Gründung vorgestellt, die eine nach eigenen Angaben innovative Software-Plattform entwickelt hat. Ich erspare Ihnen in Details; jedenfalls stellten Vertreter der Firma uns das Geschäftskonzept vor, und demnach wird die Gesellschaft noch zwei Jahre Verluste machen; und am Ende des fünften Jahres würde sie ungefähr 20 Millionen Bruttogewinn einfahren.
Die Anwesenden diskutierten, ob das realistische Zahlen sind oder nicht. Nun, jedenfalls beschäftigt dieses Unternehmen 6 Leute ... darunter den Vorstandsvorsitzenden, den Finanzvorstand und die Marketing-Chefin. Diese Drei waren anwesend, da sie auf Investitionen der Anwesenden hofften. Die ersten beiden waren klassische Finanz-Typen, ziemlich bewandert in der Sprache, die man im Sektor "Venture Capital" so draufhat. Die dritte war eine Spezialistin in allen Dingen, die das Marketing betrafen. (Ich saß beim Abendessen neben ihr ... wenn ich noch einmal so etwas wie "maßgeschneiderte Systemlösungen" höre, dann werde ich mir die Ohren zuhalten).
Der Informatiker, der die Software entwickelt hatte, blieb zu Hause, in seinem Büro. Und die restlichen beiden Angestellten verrichten weniger anspruchsvolle Arbeiten. 6 Leute insgesamt. Aber laut ihrem Finanzplan planen sie, ohne einen einzigen weiteren Angestellten zu wachsen, zu einem Unternehmen mit 21 Millionen Dollar Gewinn. Sie haben bereits jetzt Programmierarbeiten nach Indien verlagert ... und der Kundendienst ist als nächstes dran. Mit anderen Worten: In den nächsten 3–5 Jahren könnte dieses Unternehmen das Bruttoinlandsprodukt um 20–35 Millionen Dollar erhöhen, ohne einen einzigen Job zu schaffen.
Bitte erinnern Sie sich daran, dass "Easy Al" (Alan Greenspan) und sein Fed-Team der Superhelden versichert haben: Jobs werden kommen, Jobs werden kommen! Greenspan teilte der amerikanischen Nation mit, dass die Arbeiter der Nation sich auf anspruchsvollere Arbeiten vorbereiten müssten, aber der Lohn dafür würden höhere Löhne sein.
Die Gesellschaft, die sich auf dem Treffen in Mexiko vorstellte, könnte uns einen Vorgeschmack von der Art von Wirtschaft gegeben haben, die sich Greenspan vorstellt. Jeder der Angestellten dieser Gesellschaft hat eine Fähigkeit, die man nicht ins Ausland verlagern kann. Hauptsächlich agieren sie auf der "finanziellen" Ebene. Einer von ihnen meinte, dass sie es sich nicht leisten könnten, die grundlegende "Architektur" der Software ins Ausland zu verlagern. Aber der Rest, das weitere Programmieren, ist viel, viel billiger im Land von Curry und Reis (Indien) zu haben.
Es wurden weitere Unternehmen vorgestellt. Darunter zum Beispiel eine Gruppe von Rechtsanwälten, die mit dem Finanzieren von Prozessen viel Geld machen wollen ... und das ist kein sehr Arbeitskraft-intensives Unternehmen.
Und dann gab es eine Firma, die in Puerto Vallerta in Land investieren will ... da kostet ein Morgen Land 5.000 Dollar. Versuchen Sie mal, einen solchen Preis in Kalifornien zu erhalten! Es ist nicht nur die Arbeit, die in Amerika teuer ist; es ist auch das Land, das teuer ist.
Das waren also ein paar typische "Wachstumsunternehmen". Meine pedantische Frage des Tages: Was passiert, wenn man kein hoch qualifizierter Informatiker oder Finanzdienstleister ist und seinen Job verliert? Eins ist sicher ... man wird kein Statist auf der fiktiven Jobsliste sein, die durch den großen aktuellen Boom geschaffen wurde.
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