Wachsam bleiben
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 18. Oktober 2011, 20:30 Uhr
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Klar, noch ist es nicht so weit und schließlich gab es auch schon Bedenken wegen Deutschlands Schuldenlast und der Möglichkeit eines negativen Ausblicks.
Fakt ist aber: auch Frankreich und Deutschland sind angreifbar und alles was die Politik bisher getan hat, erhöht das Risiko der Angreifbarkeit.
Die Franzosen werden wohl keine Schuldenbremse einführen und es ist mehr als fraglich, dass sie ihr Defizitziel von 3% vom BIP im kommenden Jahr erreichen werden - und das sogar ohne die anstehenden "Bankenrettungen", falls man sich jemals einigen wird, wie man mit Griechenland weiter verfährt.
Und jetzt mal ganz ehrlich und unter uns: Sind wir (Deutschen) denn wirklich in einer besseren Verfassung? Klar wir haben lange Jahre gespart, doch unsere Schuldenlast wächst - schließlich schütteln wir ja auch nicht mal eben "Rettungsgelder" für Staaten und Banken, Transferleistungen und den ganz normalen Haushalt aus dem Ärmel.
Auch wenn die "Millimeterarbeit" der Kanzlerin und die ewige Uneinigkeit der Eurozone auf Dauer schläfrig machen....wir müssen wachsam bleiben.
Denn auch wenn die Politik uns weis machen will, man hätte Schritte zur Lösung der Krise unternommen, sind alle diese Schritte leider auch dazu angetan sich ganz schnell ins Gegenteil zu verkehren.
Ausweitung des EFSF?
Wir wollen es ja nicht hoffen, aber wenn wir Pech haben, könnte gerade auch diese Mehrbelastung dazu führen, dass noch mehr Staatsfinanzen in die Schieflage geraten und weitere Staaten eine Abstufung riskieren, höhere Refinanzierungskosten bezahlen müssen usw. Und am Ende wären wir alle vielleicht sogar noch mit Eurobonds billiger weg gekommen.
Bankenrekapitalisierungen?
Auch hier besteht die Gefahr, dass die Politik die Risiken eher noch erhöht. Die Forderung nach höheren Eigenkapitalquoten ist schon richtig und wichtig. Aber das ganze muss auch an die Realität angepasst sein. Überzogene Forderungen können viele Banken in der aktuellen Marktlage einfach nicht erfüllen, weshalb sie, ob sie nun wollen oder nicht, mit Staatsgeldern aufgepumpt werden müssten, was wiederum die Risiken für die Staaten erhöht. Generell wäre es wohl vernünftiger darauf zu achten, welche Banken, tatsächlich wie stark gefährdet sind (soll heißen, welche Bank noch so blöd ist und Staatsanleihen als Sicherheiten bezeichnet ;-)) und individuell zu reagieren, anstatt immer nur Pauschalforderungen zu stellen.
Aber was rede ich...ich rede mich noch in Rage und höre deshalb an dieser Stelle lieber auf...
So long liebe Leser...ich frage mich allerdings schon, wie lange es noch dauern wird, bis die Banker offiziell zu Vogelfreien erklärt und zum Abschuss freigegeben werden...die Bösen aber auch, wie können die es wagen schrottige Staatsanleihen zu halten und sich damit selbst in Gefahr zu bringen...;-)...nein, ganz im Ernst, auch wenn es lustig ist, auf die Banker zu schimpfen (und ich das auch immer wieder gerne tue), in der Realität ist es die Politik (nicht nur die aktuelle), welche mit Unwissenheit, Naivität und Fehlentscheidungen schlussendlich die Verantwortung für und die Schuld an alle(n) Probleme(n) trägt...und zwar in jedem Land...bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Warum man Frankreich nicht ignorieren darf!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (18.10. 2011 23:55 Uhr):
Die Parlamente in 17 Euro-Ländern haben ja mittlerweile entschieden, die Währungsgemeinschaft in ihrer jetzigen Form zu retten. Dabei geht es im Kern nicht nur um Griechenland oder die Pleitebank Dexia. Es geht ja darum, dass viele westliche Staaten mehr (beispielsweise USA oder Italien) oder weniger (Deutschland) über ihre Verhältnisse gelebt haben. Abzulesen an der jeweiligen Staatsschuldenquote. Wegen der Bankenkrise und den damit verbundenen Konjunktur- und Rettungsprogramme ist der Zahltag für einige Länder nun plötzlich und früher gekommen. Einen Aufschub gibt es nicht mehr, viele Staaten müssen sich jetzt fast wöchentlich am Kapitalmarkt frische Milliarden leihen, um ihre Ausgaben bestreiten zu können. Griechenland, Portugal und Irland, die es nicht mehr können wird vom ESFS geholfen, Wackelkandidaten wie Italien und Spanien hilft die EZB und demnächst auch wiederum der Europäische Rettungsschirm, indem er deren Schuldtitel aufkauft. Das sind die Fakten, auf die sich die 320 Millionen Bürger in Euro-Land einstellen müssen. Übrigens: Fakt ist aber auch, wenn eine Bank Staatsanleihen kauft, muss sie Restrisiken einkalkulieren. Wenn die Bank die Staatsanleihen blind ohne Risikoprüfung gekauft hat, müssen die Verantwortlichen die Konsequenzen ziehen. Da muss ich deswegen, werte Frau Kraus, die Banker noch lange nicht zu "Vogelfreien" erklären, wie Sie es ironisch geschrieben haben. Ich wünsche Ihnen noch eine gute Nacht. Gruß, Albert Karl
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