VW das teuerste Unternehmen der Welt?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Dax 30
vom 3. November 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Letzte Woche konnten Sie es an verschiedenen Stellen lesen - sinngemäß hieß es da: „Volkswagen teuerstes Unternehmen der Welt"
Nun, wie kam diese Aussage zustande?
Börsianer berechnen den Wert eines Unternehmens recht einfach: Anzahl der Aktien mal aktueller Aktienkurs.
Dies ergibt die Marktkapitalisierung. Und das wird als „Wert des Unternehmens" genommen.
(Hinweis: Anstelle des Begriffs „Marktkapitalisierung" wird auf Börsendeutsch auch gerne der Begriff „market cap" verwendet - das ist die Abkürzung von „market capitalisation".)
Ist dies eine gerechtfertigte Berechnung?
Natürlich.
Mit einer Einschränkung: Der „free float" ist groß genug.
Was das nun schon wieder ist:
Der „free float" (hier wird ausschließlich der englische Begriff verwendet) ist der Anteil der Aktien eines Unternehmens, welche frei handelbar sind. Also NICHT bei z.B. einer Familie oder einem strategischen Investor liegen.
Wenn der free float z.B. bei 70% oder 80% liegt, dann können Sie normalerweise sicher sein, dass Sie bei der Berechnung der Marktkapitalisierung zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.
Doch was ist bei einem sehr geringen free float? Da gilt dies nur noch eingeschränkt!
*** Nehmen wir einen Extremfall - völlig unrealistisch, aber es ist ja auch nur ein Beispiel:
Ein Unternehmen hat 1 Mio. Aktien herausgegeben. Davon liegen 999.999 in der Hand eines einzigen strategischen Investors. Eine einzige Aktie wird an der Börse gehandelt.
Und der Kurs dieser einen einzigen Aktie bestimmt folglich die „Marktkapitalisierung" des gesamten Unternehmens.
Wenn diese Aktie zu 100 Euro verkauft wird, liegt die Marktkapitalisierung folglich bei 100 Mio. Euro. (1 Mio. Aktien mal aktueller Kurs).
Wenn aber jemand bereit ist, für diese Aktie „aus Spaß" 1.000 Euro zu bezahlen, würde die Marktkapitalisierung des Unternehmens direkt bei 1.000 Mio. Euro = 1 Milliarde Euro liegen.
Sie sehen, was ich damit sagen möchte: Bei einem sehr geringen free float ist die Aussagekraft des Wertes „Marktkapitalisierung" meiner Ansicht nach recht gering!
Und jetzt kommen wir zu Volkswagen. Da waren vorletzte und letzte Woche, als der Kurs so sprang, zwischenzeitlich nur weniger als 6% der Stammaktien im free float.
Ausreichend für eine vernünftige Berechnung des Marktwertes? Also, ich weiß nicht!
Entsprechend bewertete ich die Aussagen über das „teuerste Unternehmen der Welt" mit Vorsicht.
Mittagspause!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche,
Ihr
Michael Vaupel