Vorzeigeprojekt oder Subventionsgrab?

Klaus Buhl in zum Thema Aktien
vom


Bereits kürzlich wollte ich hier etwas zu den hochfliegenden Plänen der Lobbyisten der Solartechnik schreiben. Doch dann habe ich mich dazu entschlossen, einige Tage abzuwarten, wie die Aktien der betreffenden Solarfirmen reagieren würden. Zu erwarten war ja ein lauter Jubelschrei, der den Solar-lastigen Tecdax um einige Prozente hätte in die Höhe schieben müssen. Doch die Euphorie war verhalten, legte sich nach einigen Stunden bereits wieder und teils konnte sogar der klassische Sell on good news" beobachtet werden. Wie Sie wahrscheinlich den Medien entnommen haben, sollen Für 400 Milliarden Euro riesige Solarkraftwerke in Afrika gebaut werden, um Europa mit Strom zu versorgen. Mit dieser enormen Investitionssumme könnte ab dem Jahre 2020 ca. 15 % des europäischen Strombedarfs gedeckt werden. Doch erste Kritiker treten schon auf den Plan und sehen in dem Projekt eine Investitionsruine oder befürchten, dass große Energieversorger wie Eon und RWE damit ihre Monopolstellungen verteidigen wollen.


Sehr frühe Kritik gab es von Hermann Scheer, dem Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energie und auch von Frank Asbeck, dem Chef der Bonner Solarworld. Die Kritik der beiden zielte auf die politische Instabilität in vielen afrikanischen Staaten und ist einfach nachvollziehbar. Es macht keinen Sinn, die heutigen Ängste um die Ölpipelines im irakischen Basra gegen zukünftige Ängste um die Solaranlagen in der Sahara zu tauschen.

Verteilungskampf um Subventionen

Auf der anderen Seite scheinen aber erneuerbare und nicht erneuere Energien mehr Gemeinsamkeiten zu haben, als ich angenommen habe. Während man das Öl an dem Ort gewinnt, an dem es bildlich ausgedrückt aus der Quelle sprudelt", gewinnt man Solarenergie dort, wo die Sonne zuverlässig scheint. (in diesem Sommer also eher nicht hier im Rheinland)

Möglicherweise hat die Kritik der beiden aber noch einen weiteren guten Grund: Beide propagieren eine Solarindustrie, die via Fotovoltaik dezentrale Anlagen auf Dächern und anderen Flächen anbietet. Ebenfalls wollen sie um fast jeden Preis verhindern, dass die großen Energieversorger, die ja maßgeblich an Desertec" beteiligt sind, ihre bestehende Monopolstellung erhalten. Dies würde geschehen, falls riesige Mengen an Solarstrom durch gewaltige solarthermische Kraftwerke produziert und flächendeckend verteilt würde!

Kurz und bündig ausgedrückt: Es geht um verdammt viel Geld! Denn wegen des Gesetzes für Erneuerbare Energien wird Solarstrom in Deutschland mit Milliardenbeträgen massiv gefördert. Das neue Projekt könnte wegen der erstarkenden Konkurrenz den Kampf und die Konkurrenz um die Fleischtöpfe" der staatlichen Subventionen verschärfen. Denn bisher ist es zweifelhaft, ob der Wüstenstrom ohne eine fixe Einspeisevergütung nach Europa geholt werden kann.

Solar Millenium

Die in Erlangen bei Nürnberg beheimatete Firma Solar Millennium könnte Hauptprofiteur der geplanten Anlage Desertec" werden und wurde als dieser sogleich an der Börse identifiziert. Solar Millennium hat sich zusammen mit seinen Tochterunternehmen auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisiert, eine bereits in Andalusien erprobte Technologie, in der die Firma weltweit eine Spitzenposition einnimmt. Insgesamt plant Solarmillenium neben dem Standort Spanien weitere Projekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 2.000 Megawatt weltweit. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Regionen Spanien, USA, China und Nordafrika.

Da es kaum weitere börsennotierte Firmen gibt, die über entsprechende Erfahrungen in der Parabolrinnen-Technologie verfügen, reagierte die Aktie von Solarmillenium auf die Pläne mit einem gewaltigen Kurssprung von bisher 50 % in der Spitze! Schwer zu sagen, ob der Anstieg nachhaltig ist. Ich würde da eher nicht nachspringen und mich stattdessen auf die hochwertigen Analysen vom Kollegen M. Schrader im NebenwerteInsider konzentrieren.

Obwohl die Branche hochinteressant ist, liegen die Tücken wie immer im Detail! Langwierige Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren führten in der Vergangenheit immer wieder zu Verzögerungen und teuren Wartezeiten. Ebenfalls könnte sich der Verkauf von Projektanteilen aufgrund der Finanzkrise als schwierig erweisen.

Mir kommt die Aktie bei einem geschätzten Umsatz von 200 Mio und einem Vorsteuergewinn von 43 Mio als hoch bewertet vor!

Ich wünsche Ihnen bereits heute ein schönes und erholsames Wochenende!

Mit sommerlichen Grüßen

Ihr Klaus Buhl


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