Vorstand kämpft um Vertrauen
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. Juli 2008, 17:00 Uhr
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Das nenne ich einen rekordverdächtigen Vertrauens-Crash! Von über 14 in der Spitze auf unter 5 Euro im Tief! So etwas war auch am ehemaligen Neuen Markt nicht an der Tagesordnung.
Kein Wunder also, dass der Vorstand mit allen Mitteln um die Rückkehr des Vertrauens, bzw. der Investoren kämpft. Im Medienzeitalter gehört dazu nicht nur ein Trommelfeuer von Ad-Hoc-Meldungen, sondern natürlich auch Aktienkäufe von Unternehmens-Insidern. Deshalb hat auch der Wirecard-Chef, der Leerverkäufer und gezielt gestreute Gerüchte für den Kursverfall verantwortlich gemacht hat, kürzlich 50.000 eigene Aktien für etwa 380.000 Euro erworben.
Als weitere Maßnahme sollte den Marktteilnehmer durch die Veröffentlichung von vorläufigen Zahlen bewiesen werden, dass das operative Geschäft sehr zufrieden stellend verlaufe.
Das operative Geschäft brummt
Wirecard konnte demnach den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen von 13 auf 22 Mio. Euro steigern, allein im 2. Quartal um fast 70% auf 12 Mio. Euro. Auch der Umsatz verlief sehr erfreulich in den ersten sechs Monaten des Jahres und stieg auf 88 Mio. Euro!Damit wurden die Schätzungen vieler Banken übertroffen, was aber vor allem auch für die operative Marge gilt. So bezeichnete z.B. ein Analyst von Sal. Oppenheim die Zahlen als überzeugend.
Andere Banken und Marktteilnehmer sahen aber ganz offensichtlich ihre Bedenken noch nicht komplett beseitigt, denn der Aktienkurs konnte sich nach Bekanntgabe der Zahlen nur kaum erholen. Möglicherweise hängt dies auch mit dem schwachen Gesamtmarkt zusammen, trotzdem bleibt aber ein fader Beigeschmack. Denn vor allem für die Schutzgemeinschaft der Wertpapierbesitzer bleibt es "weitgehend unklar", wie und durch welche Geschäfte die Gewinne entstanden sind, weshalb sie Anlegern auch weiterhin von der Aktie abrät.
Was sagt der Chart?
Wie zu erwarten, verläuft die Aktie in einem extrem steilen Abwärtstrendkanal.
Sinnvolle Unterstützungen sind keine zu erkennen, bzw. liegen schon zu weit zurück, wie z.B. ein Polaritätenwechsel im Jahre 2005.
Gerade am jüngsten Kursverlauf erkennt man deutlich, warum man keine fallenden Messer auffangen soll. Ebenfalls, dass es nicht erfolg versprechend ist, jede kleine Erholung als Trendwende zu interpretieren. Langfristig empfehle ich Ihnen daher ganz deutlich, Aktien mit dieser Volatilität, sprich Risiko, zu meiden, bzw. etwas mehr Sicherheit zu kaufen.
Wer aber trotzdem sein GLÜCK herausfordern will, dem will ich gerne auch einige Punkte nennen, die für die Aktie sprechen. Da ist zum einen der Verlauf des Abwärtstrendkanals, dessen untere Begrenzung eine Unterstützung darstellt, die bisher gehalten hat. Da die Aktie extrem überverkauft ist, kann ich mir gut vorstellen, dass sie von der Unterseite des Kanals abprallt. Meistens wird dann die Mitte des Kursbandes getestet, hier als etwa das Niveau von 7 Euro!
Noch mehr Hoffnung aber versprüht die Markttechnik. Denn auch hier verhält sich sowohl der MACD als auch der RSI divergent zum Kurs, was für eine Erholung spricht. Aber bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante: Die bisherige Kurserholung ist so extrem, dass ich mich bei Signalen der Markttechnik lieber auf einen Wochenchart stütze. Zu groß ist sonst die Gefahr, mit den anderen vorwitzigen Bullen in eine klassische Bullenfalle zu geraten.
Viel eher sollte man hier eine Bodenbildung diszipliniert abwarten und einige Prozentpunkte des hoffentlich beginnenden Aufwärtstrends an die Hasardeure und Rechthaber verschenken. Denn immerhin bietet die Börse ja heutzutage schon genügend Risiken......
Viel Erfolg und herzliche Grüße wünscht Ihnen Ihr
Klaus Buhl