Vorsicht vor „Pushern“
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 4. Mai 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Trader´s Daily-Leser Wolfgang S. schrieb mir:
„Vielleicht können Sie mir bzgl. einer Frage weiterhelfen. Asiatische Aktien, die sogar an ihrer Heimatbörse nur sehr wenig, mit extrem geringen Umsätzen gehandelt werden, werden auch an deutschen Börsen mit extrem geringen Umsätzen, an machen Tagen sogar ohne Volumen gehandelt. Es ist mir aufgefallen, dass kurz nach Präsentation und Beschreibung der Aktien durch den Börsenbrief die Kurse der entsprechenden Aktien um ein Vielfaches bei explodierenden Umsätzen in die Höhe schossen. Anschließend sanken die Kurse bei stark fallenden Umsätzen wieder auf in etwa ihr altes Niveau vor der Publizierung durch den Börsenbrief. Auch die Umsätze erreichten dann wieder das alte Niveau. (ein flacher Chart, der wie eine Fontäne emporschießt...um dann wieder aufs alte Niveau zu fallen)."
Und weiter: „Wie ist das möglich? Wie funktioniert das technisch? Ist das nicht seltsam? (Wie werden z.B. chinesische Aktien, die normalerweise an der Börse Hongkong gehandelt werden, an einer deutschen Börse gehandelt, wer holt diese Aktien nach Deutschland?) Verdient sich da nicht jemand eine goldene Nase durch diese kurzfristigen Kursexplosionen?"
Meine Antwort:
Klingt nach der menschlichen Spezies, welche auf Neudeutsch in unserem Bereich „Pusher" genannt wird. So gehen die üblicherweise vor:
Wenn ein bestimmter Börsenbrief einen solchen marktengen asiatischen Titel empfiehlt, dann kommt es gelegentlich dazu, dass zahlreiche Leser(innen) dieses Börsenbriefs diesen Titel an einer deutschen Börse kaufen.
Es gehen deshalb relativ viele Kaufaufträge an den von dem Börsenbrief empfohlenen Börsenplatz, z.B. Frankfurt. Dort findet sich aber kaum jemand, der verkaufen will. In diesem Fall springt der zuständige Makler ein:
Solange an der asiatischen Heimatbörse noch gehandelt wird (bis ca. Mittag deutscher Zeit, je nach Börse), kann der Makler dort die entsprechenden Aktien kaufen und dann direkt an die Kaufwilligen der deutschen Börse weiterreichen. Natürlich mit einem Aufschlag, damit sich das Geschäft für ihn lohnt. Und wenn die Kaufaufträge an der deutschen Börse ohne Limit, also „bestens", in den Markt gelegt werden, dann kann sich dieser Makler auch einen ziemlich hohen Aufschlag genehmigen.
Dadurch kommt es zu den schlagartig explodierenden Kursen. Bereits am nächsten Handelstag schauen die Profis dann an die asiatische Heimatbörse: Zieht dort die Notierung der entsprechenden Aktie mit der deutschen Notierung gleich?
Das ist oft nicht der Fall, da es sich um einen „hausgemachten" Kurssprung an der deutschen Börse gehandelt hat. Die gleiche Aktie wird also in Asien deutlich niedriger als an der deutschen Börse gehandelt. Das kann nicht von Dauer sein, denn sogenannte Arbitrageure könnten in Asien kaufen und an der deutschen Börse verkaufen.
Und das geschieht natürlich auch. Und deshalb sackt der Kurs der entsprechenden Aktie an der deutschen Börse wieder durch.
Genau dieses Phänomen hat Herr Wolfgang S. beobachtet. Mein Rat ist klar: Solche Publikationen mit „Pusher-Verdacht" natürlich meiden.
Ich wünsche Wolfgang S. und Ihnen einen erfolgreichen Tag!
Ihr
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Harald Berger (04.05. 2010 12:20 Uhr):
Sehr geehrter Herr Vaupel, ein kleiner Hinweis: Sie schreiben in diesem Artikel von "bestens" wenn Kunden im Markt ohne Limit kaufen, das ist so hier in Deutschland nicht ganz richtig, hier nennt man unlimitierte Käufe "billigst" und unlimitierte Verkäufe "bestens". MfG Harald Berger
Antworten - Kommentar von Tom (04.05. 2010 13:14 Uhr):
Hallo, evtl. können Sie auch einen der Newsletter, bei denen so etwas auffällt, nennen? Ich kann mir da rechtliche Probleme vorstellen, aber evtl. kann man die mit einer guten Formulierung umgehen. Mich würde das sehr interessieren... Danke und Gruß Thomas Harthan
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