Vorsicht: Front Running, Pushen und Scalping!

in Traders Daily
vom


Trader´s Daily-Leser Anders W. schrieb mir:

"Bitte erklären Sie auch was Front Running ist."

Meine Antwort:

"Front Running", das ist das illegale Ausnutzen von vertraulichem Wissen zur Erlangung eines wirtschaftlichen Vorteils. Und zwar ist das mir bekannt in Form von Aktienkäufen oder - verkäufen. Der Übergang zum "Aktien pushen" ist meiner Ansicht nach fließend.

Ein Beispiel:

Ein Kursmakler erhält einen riesigen Kaufauftrag für eine sehr marktenge Aktie, z.B. eine chinesische Aktie, welche am betreffenden Börsenplatz (z.B. Berlin) kaum gehandelt wird. Der Kaufauftrag ist unlimitiert, d.h. "billigst". Wenn nun dieser Kursmakler zuvor selber diese Aktie kauft (oder das seine Großmutter tun lässt), und danach den Großauftrag ausführt und selber seine Position zu höherem Kurs dabei verkauft, dann ist das Front Running.

Ein anderes Beispiel. Dieses kann auch als "Pushen" oder "Scalping" bezeichnet werden:

Der Redakteur eines Börsenbriefs empfiehlt eine marktenge Aktie, z.B. einen kleinen Rohstoff-Explorer. Er oder sie geht davon aus, dass durch die Käufe der eigenen Leser(innen) der Kurs der betreffenden Aktie kurzfristig deutlich nach oben schießen wird.

Vor dem Zeitpunkt der Empfehlung kauft der Redakteur bzw. die Redakteurin die Aktie selber (bzw. es läuft wieder über die berühmte Großmutter). Wenn dann "die Massen" aufgrund der Empfehlung kaufen und der Kurs - kurzfristig - nach oben springt, steht der Redakteur selber auf der Verkäuferseite. Für ihn bzw. sie gibt das so normalerweise einen nahezu risikolosen Gewinn.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur moralisch höchst fragwürdig, sondern auch illegal. Zu Recht, wie ich finde.

Wenn darauf hingewiesen wird, kann es legal sein. Das ist ein Grund dafür, dass ich mir so "gerne" die Disclaimer von Börsendiensten oder Newslettern anschaue.

Da finden sich Formulierungen wie diese hier:

Disclaimer eines kostenlosen Börseninformations-Newsletters

„Die Hintergrundinformationen, Markteinschätzungen und Wertpapieranalysen, die xxx auf seinen Webseiten veröffentlicht, stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelten Notierungen, noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Den Ausführungen liegen Quellen zugrunde, die der Herausgeber für vertrauenswürdig erachtet. ... Jeglicher Haftungsanspruch auch für ausländische Aktienempfehlungen, Derivate und Fondsempfehlungen wird daher grundsätzlich ausgeschlossen. Sie sollten sich vor jeder Anlageentscheidung (z.B. durch Ihre Hausbank oder einen Berater Ihres Vertrauens) weitergehend beraten lassen. Der Herausgeber kann Short- oder Long-Positionen in der/den behandelte(n) Aktie(n) halten. Obwohl die in den Analysen und Markteinschätzungen von xxx enthaltenen Wertungen und Aussagen mit der angemessenen Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keinerlei Verantwortung oder Haftung für Fehler, Versäumnisse oder falsche Angaben. ...Offenlegung der Interessen:


Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in Einzelfällen die auf den Webseiten von xxx veröffentlichten Interviews von den jeweiligen Unternehmen in Auftrag gegeben und bezahlt worden sind. Für den Versand unserer Information hat uns das Unternehmen eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Aus diesem Grund kann allerdings die Unabhängigkeit der Analyse in Zweifel gezogen werden. Diese ist deshalb per definitionem nur eine Information. Auch wenn wir jede Analyse nach bestem Wissen und Gewissen sowie fachmännischen Standards erstellen, raten wir Ihnen in solchen Fällen, bezüglich Ihrer Anlageentscheidung noch eine externe unabhängige Quelle hinzuzuziehen...."

Quelle: Disclaimer aus einem kostenlosen Newsletter

Da bleiben doch keine Fragen offen. Wer Augen hat, der lese.

Also: Front Running, Pushen und Scalping - miese Dinge auf Kosten der Kleinanleger. Doch nur auf Kosten derjenigen, die nicht gewarnt sind und leichte Opfer sind. Gehören Sie bitte nicht dazu!

Bleiben Sie wachsam.

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von Jusa

Lieber Herr Vaupel, bitte nennen Sie doch an dieser Stelle den zitierten Newsletter beim Namen. Sie wissen ja: Heutzutage werden beim Abschreiben erhöhte Anforderungen an exakte Quellenangaben gestellt ... (Oder muss ich selbst einen Plagiatesucher einsetzen?). Mit freundlichen Grüßen Jusa

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Kommentar von Rainer Seifert

Es lohnt sich, solche Dinger mal ein paar Monate oder auch länger liegen zu lassen und dann auf die betreffenden Kurse zu schauen. Fast immer wird man sich dann selbst für die ertragene Enthaltsamkeit beglückwünschen. Ich habe so schon einige Dutzend Totalverluste vermeiden können. Wunderschöne, leider nur scheinbare Erfolgsstorys lesen sich im farbigen Prospekt durchaus überzeugend. Schade, dass die Wahrheit da fast immer auf der Strecke bleibt. Ich hatte mit kleinen Summen 2009 zwei Versuche gewagt. Einer ging voll in die Hose, der zweite war Nevada Copper, damals mit 17c gehandelt. Bei 3€ verkauft, später stieg die Aktie auf fast 5€ um jetzt im Zuge der Unterbewertung der Minenwerte 60 zurück zu kommen. Übrigens gab es so ein front running auch bei einem konkurierenden bezahlten Börsendienst, mit dem ich aus diesem Grund nichts mehr zu tun haben will. Die Aktie der ALf AG wurde in einem Sonderdruck als billigste Aktie der Welt in einem Sonderdruck vorgestellt. Da stand sie bei 6c. Heute so bei 0,03c. wären ja nur 95% Verlust; ach so es gab außerdem auch noch einen reverse split 1:1000. Das mag ich aber nicht mehr ausrechnen.

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