Vorsicht an den Emerging Markets
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 3. März 2011, 17:00 Uhr
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Aus aktuellem Anlass möchte ich heute das Thema Emerging Markets an dieser Stelle kurz aufgreifen.
Besonders letztes Jahr waren die Emerging Markets schwer in Mode.
Was wurde nicht alles geschrieben, wie die Emerging Markets die Weltwirtschaft aus dem "Tal der Tränen" reißen würden. Und in der Tat liefen die Aktienmärkte dort sehr gut.
Doch wie bei allem an der Börse kommt stets der Moment, wenn es Zeit ist abzuspringen bzw. vorübergehend umzuschichten und die Gewinne mitzunehmen. Bei den Emerging Markets war dies schon vor einigen Wochen der Fall, wie man sehen konnte, wenn man die relative Stärke der sich entwickelnden Märkte vs. der entwickelten Märkte verfolgte.
So verwundert es dann auch wenig, dass es sich inzwischen auch bis in die finanziellen Massenmedien herumgesprochen hat, dass die Emerging Markets als breites Anlagesegment im Augenblick nicht unbedingt mehr der wirklich beste Platz für das eigene Geld sind. In der Financial Times Deutschland etwa liest sich:
Während die Indizes MSCI Europe und MSCI USA seit Jahresbeginn deutlich zulegten, fielen an Schwellenländerbörsen die Kurse: Der Europaindex liegt seit Mitte Januar mit 5,5 Prozent im Plus, der US-Index mit 3,8 Prozent. Hingegen hat der Schwellenländerindex im gleichen Zeitraum 5,6 Prozent verloren. "Viele Investoren sind nach wie vor überzeugt, dass Schwellenländer langfristig attraktiv sind", sagt Dilek Capanoglu, beim Asset-Manager RCM für Schwellenländeraktien verantwortlich. "Aufkeimende Unsicherheit über die kurzfristige Entwicklung führte jedoch zu Gewinnmitnahmen."
Und diese Gewinnmitnahmen zeigen sich sehr deutlich als relativer Stärkeverlust (hier am Beispiel des ishares Emerging Market Index vs. dem S&P 500):
Quelle: Stockcharts.com
Die FTD schreibt weiter:
Die größte Gefahr geht momentan von einer weiter steigenden und langfristig anhaltenden hohen Inflation aus. Die Alarmzeichen sind unübersehbar: In China betrug die Geldentwertung Ende vergangenen Jahres bereits 4,6 Prozent, in Indien sogar 8,4 Prozent. Verantwortlich dafür waren vor allem Preissteigerungen bei landwirtschaftlichen Rohstoffen und Nahrungsmitteln. In Schwellenländern hat das besonders starke Auswirkungen auf die Inflation. Immerhin machen zum Beispiel in China Nahrungsmittel rund 30 Prozent des Warenkorbs aus. Die steigenden Lebensmittelpreise senken die Kaufkraft und gehen damit zulasten der Binnennachfrage. Die Folge könnten höhere Lohnforderungen sein, die die Inflation weiter anheizen würden.
Und genau hier sehe auch ich ein Hauptproblem, denn angesichts solcher Entwicklungen wird keine Zentralbank dauerhaft stillhalten, was das Zinslevel angeht. Somit folgert m.E. der Artikel der FTD auch völlig richtig:
Um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, könnten Zentralbanken in Schwellenländern die Zinsen merklich anheben. Damit würden Investitionen für Unternehmen deutlich teurer, das Wirtschaftswachstum merklich abflauen. "Das schlägt auf die Aktienkurse der Emerging Markets durch", warnt Klaus Kaldemorgen , Fondsmanager bei DWS.
Als Fazit möchte ich Sie daher nochmals zur Vorsicht mahnen mit Emerging Markets Positionen. Hier würde ich im Zweifel bei Schwäche eher die Gewinne mitnehmen, als das Glück zu sehr herauszufordern. Es wird sicher auch wieder die Zeit kommen, die für die Emerging Markets spricht, aber momentan bin ich dem Anlagesegment als ganzem eher skeptisch eingestellt (tolle Ausnahmewerte gibt es natürlich stets überall; mir geht es hier nur um die gesamte Anlageklasse relativ zum Gesamtmarkt).
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend.
Herzliche Grüße, Ihr
Klaus Buhl
