Vorhang auf für die FED!

in Rohstoff Daily
vom


Morgen gibt's großes Theater...besorgen Sie sich unbedingt Tickets. Denn morgen wird Ben, großer Häuptling der US-Notenbank FED, eine Premiere vollziehen. Zum ersten Mal in der Geschichte der FED wird ein Häuptling im Anschluss an die Zinssitzung zum Volk sprechen und die weisen Entscheidungen des Pow Wows der Notenbank-Häuptlinge in einer Pressekonferenz erläutern.


Transparenzoffensive wird das genannt, was die EZB seit jeher macht...aber dennoch, welche Ehre, die FED will mit uns kommunizieren. Ja, ich meine uns, denn wenn die FED irgendetwas beschließt, dann betrifft das im Endeffekt nicht nur den US-Bürger, sondern leider auch alle anderen Staaten. Was man im Übrigen sehr schön an den Auswirkungen der aktuellen FED-Politik sehen kann, welche so schön den Rest der Welt inflationiert und nur mit zögerlicher Verspätung zurück in die USA schwappt. Was natürlich weder die FED, noch die US-Politik wahr haben wollen und stattdessen die Gründe für steigende Preise lieber in der ausländischen Nachfrage suchen...aber sei's drum, die Hüter der Weltleitwährung dürfen sich ja gerne ab und an in ein wenig Selbsttäuschung verlieren.

Kommen wir also zurück zu der großen Show, die für morgen angekündigt ist. Ja, was hat der liebe Ben denn da bloß für uns vorbereitet?!

Die FED in der Zwickmühle

Sie wissen, die FED betreibt eine Nullzinspolitik und aktuell ein 600 Milliarden US-Dollar schweres Anleihen-Aufkaufprogramm, auch QE 2 genannt.

Und die FED befindet sich in einer Zwickmühle. Ihre Inflationspolitik unterstützt bereits steigende Rohstoffpreise und Aktienkurse. Deshalb wurden in letzter Zeit häufiger auch einmal Stimmen seitens einiger FED-Häuptlinge laut, die ein Ende der Nullzinspolitik fordern.

Ben mag das allerdings nicht so ganz einsehen und er hat zumindest insofern Recht, dass in den USA jegliche Zweitrundeneffekte sofort im Keim erstickt werden. Das liegt an der anhaltend maroden Lage des US-Arbeitsmarktes. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: auch in den USA beginnen langsam die Preise für Güter zu steigen. Da die Arbeitslosigkeit in den USA aber nach wie vor hoch ist und somit das Angebot am Gut Arbeit, die Nachfrage übersteigt, ist auch nicht mit höheren Preisen für das Gut Arbeit, also höheren Löhnen zu rechnen. Die Amerikaner sitzen also (noch nicht ganz so schlimm wie die Griechen, aber immerhin in ähnlicher Situation) vor steigenden Preisen und gleichzeitig eher stagnierenden Löhnen.

Das wiederum dämpft die Konsumfreude. Die aber ist enorm wichtig für die US-Wirtschaft, die größtenteils auf dem Binnenkonsum aufbaut. Hinzu kommen dann auch noch die hohen Privatschulden der Amerikaner und (vielleicht zum Teil auch angesichts der maroden Staatsschuldenlage und ihrer vom Parteienkampf beseelten politischen Zwei-Parteien-Führung) die eher mäßigen Aussichten, welche die Amerikaner selbst ihrer wirtschaftlichen Entwicklung einräumen. Soll heißen, dass ein großer Teil der Amerikaner, die dann vielleicht tatsächlich noch einen Bonus von ihrem Arbeitgeber bekommen, diesen lieber dazu nutzen um ihre Schulden abzubezahlen, oder sogar mal was auf die hohe Kante zu legen (trotz der nicht vorhandenen Zinsen), oder auch Gold und Aktien zu kaufen.

Was wiederum dazu führt, dass die Konsumfreude eher gebremst bleibt, die US-Unternehmen nach wie vor eher zögerlich bei Investitionen (und Neueinstellungen) bleiben, die Situation im Arbeitsmarkt sich nicht sonderlich verbessert, dafür aber die Aktienkurse und Rohstoffpreise steigen und angesichts der Schwäche des Schlabber-Dollar, wenigstens die US-Exporteure ein wenig frohlocken können (leider sind das zu wenige, um die gesamte US-Wirtschaft auf neue Höhen zu stemmen). Der übliche Circulus Vitiosus eben...

Aber zurück zur FED...und zwar im 2.Teil...

von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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