Vorbild Schweiz – Wege aus der Eurokrise
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 11. November 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
Kein Tag ohne eine schlechte Nachricht, so könnten Beobachter der Eurokrise meinen. Tatsächlich verhinderten alle Krisengipfel, alle Rettungsmaßnahmen und alle Sparpakete nicht, dass inzwischen auch Italien als die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone am Abgrund steht. Ein „Weiter so", also das Fortführen der zwei Jahre lang betriebenen Maßnahmen, wird das Problem kaum lösen. Zeit also, Alternativen zu diskutieren.
EZB kauft bereits seit 18 Monaten Anleihen auf
Schon seit Mai 2010 kauft die Europäische Zentralbank (EZB) in unregelmäßigen Abständen teils erheblichen Mengen Anleihen der Krisenstaaten auf. Ziel ist es, die Nachfrage nach den Anleihen zu erhöhen und damit die Preise zu stabilisieren oder sogar zu steigern. Stabile und steigende Preise signalisieren den Marktteilnehmern, dass es Grund zur Hoffnung gibt, dass es Gründe gibt, die Anleihen im eigenen Bestand zu behalten und nicht zu verkaufen.
Anleihekäufe sind im angelsächsischen Raum normal
Für die Ankäufe wurde die EZB viel gescholten. Dabei sind diese Maßnahmen in Großbritannien und den USA völlig normale Notenbankaktivitäten. In den angelsächsischen Ländern kauft die Notenbank die Anleihen ganz offiziell in großer Menge, um das Zinsniveau zu reduzieren. In den USA zeichnet die Notenbank sogar Neuemissionen des Staates - finanziert also Staatsausgaben direkt mit frisch gedrucktem Geld.
System krankt momentan an fehlendem Vertrauen
Derzeit krank das Eurosystem vor allem an mangelndem Vertrauen. Die Anleger vertrauen nicht mehr darauf, dass Länder wie Italien, Irland, Portugal oder Griechenland ihre Anleihen zum Fälligkeitstag tilgen können. Also werden Neuemissionen nicht mehr gezeichnet und Bestandspositionen verkauft. Die Kurse fallen und die Zinsen steigen sehr schnell. Schlussendlich werden die Staaten vom Kreditmarkt abgeschnitten. Das übliche Spiel - Neukredite werden zur Tilgung von Altkrediten aufgenommen - wird unterbrochen. Binnen weniger Monate werden die Befürchtungen des Marktes automatisch erfüllt, das Land geht pleite.
Die EZB kann Vertrauen gewinnen
Die EZB könnte sich ein Vorbild an der Schweizer Nationalbank nehmen. Die garantiert seit kurzem, dass der EURCHF-Kurs nicht mehr unter 1,20 fallen wird. Um diese Garantie zu erfüllen, kauft die Schweizer Zentralbank so viele Euro wie nötig auf.
Eine ähnliche Garantie könnte die EZB auch abgeben. Sie könnte garantieren, dass die Zinsen für alle europäischen Staaten niemals über 5% steigen und alle Anleihen zur Fälligkeit auch getilgt werden. Um die Garantie zu erfüllen, kauft die EZB künftig mit neuem Geld so viele Anleihen, bis die Zinsen wieder auf 5% sinken. Die Zins- und Tilgungsgarantie schafft Vertrauen. Anleger können ihre Anleihen behalten und sich an Neuemissionen beteiligen, so wie sie es auch in der Vergangenheit taten.
Kosten wären nicht zwingend höher als bei den bisherigen Versuchen
Kosten muss die Garantie nicht zwingend mehr als die bisherigen untauglichen Rettungsversuche. Denn eine Notenbankgarantie könnte den stotternden Motor wieder zum Rundlauf verhelfen und Stützungskäufe schon in Kürze unnötig werden.
Das ganze System wäre transparenter - denn die Krisenkosten würden einzig und allein in der Bilanz der EZB gebündelt werden. Bislang verteilen sich die Kosten auf zahllose Einzelakteure wie den Internationalen Währungsfonds, die Bundesbank, die EZB, die nationalen Staatshaushalte der Euromitglieder, die Banken, die Versicherungen und Privatanleger.
Leiden würde natürlich der ohnehin schon angekratzte Stabilitätsnimbus der EZB. Doch US-Dollar und britisches Pfund zeigen, dass ein Land auch ohne Stabilitätsphilosophie der Zentralbank gut leben kann.
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bern Schallter (11.11. 2011 18:36 Uhr):
Was für ein Unfug. Würde die EZB eine Garantie abgeben, daß die Zinsen für Staatsanleihen der Euro-Staaten niemals über 5% stiegen und durch entsprechende Käufe am Anleihenmarkt die Zinsen in dieser Richtung manipulieren, so wäre den Investoren natürlich klar, daß dies mit Inflation einher geht. Das bedeutet also, daß Sie zwar Ihr Geld am Ende der Laufzeit zurück bekommen, dieses aber weniger wert ist. Falls dieser Verlust dann nicht durch die Zinsen mindestens ausgeglichen werden kann, würde überhaupt niemand mehr Anleihen kaufen. Schon die Unsicherheit über die zu erwartende Inflationsentwicklung könnte zu einer Nichtabsetzbarkeit neuer Staatsanleihen am Aktienmarkt führen. Diese Idee ist ganz einfach Schwachsinn. Aber vieleicht findet man ja in der Politik Gehör. Die produzieren ja Schwachsinn den lieben langen Tag.
Antworten