Vorbild Japan?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. Januar 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Die Zentralbank hat die Zinsen gesenkt. Zentralbanken haben überall auf der Welt „Liquidität in das System gespritzt.“ Aber Aktien und Häuser fallen immer noch im Preis… und genauso die Zahlen des Arbeitsmarktes. Die Bullen verbluten.
"Tall Paul" Volcker sprach zur Presse und erklärte das Problem. Die Zentralbank hatte zu viele Blasen zugelassen, sagte er. Die Blasen haben zu viele Leute ermutigt, zu viel Geld zu leihen und auszugeben.
Heute gibt es zu viele Schulden… und keine gute Möglichkeit, sie zurückzuzahlen.
Die Preise für die Anlagewerte fallen. Die Carry Trades werden abgewickelt (der Yen und der Schweizer Franken steigen… und führen zu ernsten Verlusten für diejenigen, die einen günstigen Yen und Schweizer Zinsen geliehen haben, um mit dem Geld Aktien zu kaufen.)
Also, wer will noch mehr Geld leihen? Nur diejenigen, die das Geld nicht zurückzahlen können… und das ist der Grund, warum die Kreditgeber nach Garantien verlangen.
Die Blasen hätten von der Zentralbank verhindert werden können, ganz einfach indem man es schwerer macht, den Kredit zu bekommen. Und das ist eine Möglichkeit, die Qualität einer Währung zu schützen… und die Stabilität der Wirtschaft. Aber wer würde das wollen?
„Es ist nicht lustig, die Zinssätze anzuheben“, sagt Volcker.
Und jetzt, bei einem großen Bärenmarkt und einer großen Rezession… die unmittelbar bevorstehen, sitzt Ben Bernanke, der einstige Wirtschaftswissenschaftler aus Princeton, in der Klemme. Der Bulle wird geschlachtet. Seine Reputation steht zur Debatte. Und die geringeren Zinssätze scheinen zu gering auszufallen und zu spät zu kommen.
Als Öl Ende der Woche noch bei 90 Dollar lag und der Rohstoffindex sich bei über 490 Dollar hielt und Gold um 1,50 Dollar fiel und am Tag zuvor schon 20 Dollar einbüßen musste, fragte ich mich, wo die Inflation steckt, wenn man sie braucht.
“Die fiskalische Aktion wäre nützlich, weil ein fiskalischer und monetärer Stimulus zusammen eine breitere Unterstützung der Wirtschaft bedeuten würden, als ausschließlich geldpolitische Maßnahmen“, sagte Ben Bernanke, als er vor dem Haushaltsauschuss sprach.
Er hätte auch sagen können: ‚Gebt uns mehr Helikopter.’ Er billigt den Plan eines „fiskalischen Stimulus“ von 150 Milliarden Dollar, zusätzlich zum monetären Stimulus. Man wird nicht nur die Zinsen senken und es leichter machen, Geld zu leihen, die Regierung wird auch einschreiten und Geld ausgeben, das sie nicht hat – vermutlich indem sie Steuernachlässe gewährt.
Mir ist bislang noch kein Steuernachlass begegnet, der mir nicht gefallen hätte. Aber hier ist was faul.
Kein Land hat es je mit so vielen Steuernachlässen probiert wie Japan.
Nachdem man die Zinssätze auf „effektiv Null“ gesetzt hat, ließen sich die Japaner auf das größte Programm der unnötigen Regierungsausgaben ein.
Neue Schnellstraßen führten ins Nichts… neue Brücken… neue Eisenbahnlinien, bis in die späten Neunziger wurde in Japan mehr Zement gegossen als in allen fünfzig Staaten der USA. Das war für die Zementverkäufer sehr stimulierend.
Aber für die Wirtschaft… hat es nichts gebracht. Hier stehen wir heute… und der Nikkei-Index liegt immer noch um zwei Drittel niedriger.