Vor uns: Die Insel der wirtschaftlichen Erholung?

unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
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von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Die US-Wirtschaftszahlen vom letzten Donnerstag gaben der Hoffnung neue Inspiration. Die Einzelhandelsumsätze, die Produktivität, die Arbeitslosigkeit – alles sah ein bisschen besser aus. Eine weiße Taube mit einem grünen Zweig im Schnabel flog letzte Woche an die Wall Street. Der Dow Jones legte zu.


Nach drei Jahren auf See denken die Volkswirte, Analysten und Kommentatoren, dass sie die Insel der wirtschaftlichen Erholung am Horizont sehen können. Man kann sie noch nicht wirklich sehen ... aber mehr brauchen sie auch nicht.

Bis jetzt war diese Reise ins Ungewisse gar nicht so unangenehm; es war mehr wie eine Reise auf einem Luxusreiseschiff, und weniger wie die Reise auf einem der Schiffe von Kolumbus: Niña, the Pinta, oder Santa Maria. Die Passagiere genossen drei solide Mahlzeiten pro Tag, und eine reiche Vielfalt an Unterhaltung, jeden Abend.

Für die Liebhaber von "Action" gab es den Afghanistan-Krieg, auf den der zweite Teil, der Krieg gegen den Irak, folgte. Beide große Hits.

Und dann gab es da die Comic-Figuren ... Alan Greenspan, US-Finanzminister Paul O'Neill, Fed-Gouverneur Ben Bernanke, Star-Analystin Abby Cohen.

Wir haben gelacht und gelacht.

Und hier ist Ed Yardeni mit einem weiteren Witz:

"Der jüngste Rebound bei den Übernahmen zeigt, dass die Unternehmensmanager jetzt wieder positiver über die Zukunft denken. Und wenn die Unternehmensplaner für die Zukunft optimistischer werden, dann sollten sich die Aussichten sowohl für die Wirtschaft als auch für den Aktienmarkt verbessern."

Hahaha. Haben Sie es? Sein Fazit ist, das sich die Wirtschaft verbessern sollte, wenn die Unternehmen wieder andere Unternehmen übernehmen (anstatt in neue Fabriken und Maschinen zu investieren oder neue Arbeiter einzustellen). Haha – ich liebe diesen Typen. Und man kann sich so auf ihn verlassen! Egal, was Ed Yardeni sagt – man weiß genau, dass das genaue Gegenteil wahr ist. Von all den finanziellen Trends der letzten Jahre, über die er gesprochen hat, kann ich mich an keinen einzigen erinnern, bei dem er Recht gehabt hätte.

Und jetzt hat er wieder eine klare Aussage gemacht. Übernahmen sind kein Zeichen einer sich verbessernden Wirtschaft ... sondern nur ein Zeichen einer Wirtschaft, die durch künstlich niedrige Zinsen belebt wird.

Marc Faber erklärt das:

"Ein typisches Symptom von exzessiver Spekulation ist die Zunahme von Übernahmen, denn durch solche Aktivitäten kann schneller ein Gewinn erzielt werden als durch das Aufbauen des eigenen Geschäfts mittels großer Investitionen in neue Produktionskapazitäten."

Yardeni und die anderen Entertainer denken, dass sie gute Dinge sehen. Natürlich sehen sie immer gute Dinge; und gute Dinge treten immer nach Zinssenkungen ein, sagen sie. Wenn nicht nach der ersten Zinssenkung – nun gut, dann aber ganz bestimmt nach der dreizehnten.

Auch ich denke, dass gute Dinge immer passieren. Wenn ich mich umsehe, sehe ich allerdings nicht viele gute Dinge, die gerade passieren. Aber das macht mir keine Sorgen. Was mir Sorgen macht, ist die Tatsache, dass ich auch keine schlechten Dinge sehe.

Das menschliche Herz braucht von Zeit zu Zeit auch schlechte Dinge, um die guten Dinge als gut einordnen zu können. Ein Mann, der nie eine schlechte Frau gesehen hat, weiß eine schöne Frau nicht wirklich zu würdigen – denn er hat keine Vergleichsmöglichkeit. Und ein Mann, der sein ganzes Leben lang in den USA während der Periode des Dollarstandards verbracht hat, kann nicht wirklich verstehen, was Reichtum ist. Er müsste eine Zeitlang in Nigeria – oder West Virginia – leben, um Kalifornien wirklich zu schätzen.

Ich habe daraus kein Geheimnis gemacht, liebe(r) Leser(in); Ich würde gerne einige schlechte Dinge sehen – z.B. den Dow Jones bei 3.000 Punkten, durchschnittliche KGVs von 8 ... eine Dollarabwertung um 50 % ... zusammenbrechende Kurse bei den US-Anleihen! Dann würde ich mit größerer Freude am Horizont nach der Insel der wirtschaftlichen Erholung suchen. Dann könnte ich diese Insel mit klarem Bewusstsein genießen.

An dieser Stelle möchte ich den Titel einer aktuellen Studie von Andrew Smithers und Stephen Wright zitieren: "The Real Bear Market Hasn't Happened Yet"

Ich habe den Verdacht, dass uns hinter den nächsten Wellen nicht die Insel der wirtschaftlichen Erholung mit Früchten und barbusigen Jungfrauen erwartet, sondern Felsen, Riffe, Strudel und Sandbänke.


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