Von Trickkisten, negativen Überraschungen und einer einfachen Methode reich zu werden ...
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 12. Februar 2004 18:00 Uhr
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Da hat old Greeny aber mal wieder tief in die Trickkiste gegriffen. Nein, der schwache Dollar macht keine Sorge, da die Inflationsrate sehr gering sei, so Greenspan. Auch sei der konjunkturelle Aufschwung robust. Bei den Zinsen will Old Greeny geduldig abwarten. Na gut, ich habe sowieso nicht vor der Wahl mit einer Zinserhöhung gerechnet. Die Märkte feierten diese Aussage und sowohl Dow, als auch der S&P lieferten klassische Kaufsignale.
Man darf sich fragen, was soll nun noch eine weitere Aufwärtsbewegung aufhalten? Gut, die Aktienmärkte stehen sehr hoch. Gut, eine Konsolidierung hätte eine reinigende Wirkung. Na gut, wenn eine Inflationsrate trotz anziehender Wirtschaft und Dollarabwertung so gering bleibt, sollte man das böse Wort mit dem großen "D" wie Deflation oder euphemistischer Disinflation rauskramen. Na gut, auch der Arbeitsmarkt weist nicht auf eine stabile sich selbst tragende konjunkturelle Erholung hin. Ja, und wenn man es genau nimmt, ist die "Nicht-Zinserhöhung" allein schon Grund genug für die Annahme, dass nicht alles was das so wirtschaftlich glänzt auch wirklich Gold ist.
Übrigens Old Greeny hat im Prinzip mit dieser Rede alle auf dem G7 Treffen so "mühsam" erarbeiteten Ansätze dahin zurückgeworfen, wo sie herkamen: zu den Wunschvorstellungen der EU. Natürlich sprang nach der Rede von Greenspan der Euro wieder in Richtung der alten Hochs. Auch Gold hüpfte hinterher, nur etwas verhaltener. Denn eins scheint nun sicher: Die Märkte bleiben von einer Zinserhöhung bis zu Wahl verschont. Wie ich gestern schon betonte, ist damit aber auch ein weiterer Beweis dafür geliefert worden, dass diese konjunkturelle Erholung lediglich den niedrigen Zinsen zu verdanken ist. Steigende Zinsen werden ... aber ich wiederhole mich.
Heute morgen um 5 Uhr lag ich, wie so oft, im Bett und ein Satz kreiste durch meine Kopf: "Never fight the Fed" (stelle Dich niemals gegen die Fed). Ich glaube derart eindrucksvoll, wie in den letzten 4 Jahren, konnte man noch selten die Wahrheit dieser Börsenweisheit erfahren. Was nützen einem alle Indikatoren, fundamentale Betrachtungen, marktwirtschaftlichen Hintergründen, weltpolitischen Eskapaden ...
Nein, es ist viel einfacher. Hätte man in den letzen Jahren, einfach mit der Fed mitgespielt ... wir säßen alle auf unserer Südsee Insel, der wir dann sicherlich den wohlklingenden Namen "Federal Reserve Island" gegeben hätten, würden Bücher schreiben, die vielleicht ähnlich klingende Titel wie: "Die Kunst über Geld nachzudenken" tragen würden.
Ich verrate Ihnen nun das absolut todsichere Anlagekonzept, mit dem Sie als langfristig orientierter Anleger reich werden: Hebt die Fed die Zinsen an, am besten in mehreren Schritten – Ihrer Meinung nach überhastet und natürlich viel zu oft, verkaufen Sie und nehmen sich Shorts ins Depot. Senkt die Fed die Zinsen, am besten noch in mehreren Schritten, Ihrer Meinung nach überhastet und viel zu oft, kaufen Sie alles was sonst keiner mehr haben will (an den Börsen).
Es wäre doch schön, wenn Börse so einfach wäre. Ist sie aber nicht. Denn was ist zum Beispiel, wenn die Zinsen schon niedrig sind, die Wirtschaft lediglich liquiditätsgetrieben anzieht, aber die Kurse bereits hoch stehen? Und dann auch noch schlechte Nachrichten kommen, die zu fallenden Kursen führen, obwohl damit eine Zinserhöhung unwahrscheinlicher wird?
Damit kommen wir zu den heutigen Konjunkturdaten aus Amerika: