Von Stopp-loss und Abstauberlimit - Teil 2
Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 12. September 2007 17:00 Uhr
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Da komme ich übrigens noch zum gestrigen Thema „wie Sie von Fehlern anderer Anleger profitieren können“. Anders herum kann man es auch folgendermaßen formulieren: „Was Sie bei Small Caps vermeiden sollten.“
Konkret geht es mir hier um das Setzen von Stopp-loss-Marken. Mit diesen Stopps wollen sich Anleger vor starken Verlusten schützen. Denn beim Stopp erfolgt der Verkauf einer Aktie bei Unterschreiten einer bestimmten – durch den Stopp festgelegten – Kursschwelle. Wird diese erreicht, wird die Aktie automatisch verkauft. Klingt auf den ersten Blick vernünftig. Doch so ein Stopp kann ganz böse ins Auge gehen!
Ich fürchte nämlich, viele Anleger unterschätzen bei Nebenwerten die Folgen eines Stopp-loss. Nehmen wir einmal an, Sie setzen bei einer Aktie einen Stopp bei 35 Euro. Das heißt dann allerdings leider noch lange nicht, dass Sie beim Verkauf der Aktie tatsächlich 35 Euro bekommen. Wird der Stopp ausgelöst, fliegt Ihre Aktie vielmehr zum nächsten Kurs aus dem Depot. Und gerade bei kleineren Nebenwerten kann es da gnadenlos nach unten gehen. Ich habe schon Kurseinbrüche, die durch Stopp-loss-Verkaufswellen ausgelöst wurden, erlebt, bei denen Aktien in wenigen Minuten um 20, 30 Prozent und mehr wegknickten.
Das passiert vor allem dann, wenn viele Anleger bei psychologischen oder charttechnisch bestimmten Kursmarken ihre Stopp-Order platzieren. Das ist wie beim Lotto: Wenn alle beispielsweise irgendwelche Strickmuster auf dem Schein ausfüllen und ausgerechnet diese Zahlen kommen dann, dann gibt es mit dem 6er eben kaum etwas zu gewinnen.
Stopp-loss-Ergebnis: Kursdebakel bei Schaltbau
Nehmen wir als Beispiel einen kleineren Nebenwert: Schaltbau (WKN 717030). Vor wenigen Wochen brach der Kurs der Aktie an 3 Tagen um 20 Prozent weg. Intraday, an einem einzigen Tag, gab es einen Verlust von 10 Prozent. Es gab keine Meldung, keine Gewinnwarnung oder sonst irgend etwas. Vielmehr hatte der Vorstand sogar erst kurze Zeit vorher phantastische Halbjahreszahlen präsentiert. Trotzdem schmissen genau im Tief Anleger wie wild Schaltbau auf den Markt. Der Handelsumsatz war rund zehnmal so hoch wie an gewöhnlichen Tagen. Da wurden eben bei unterschreiten einer psychologischen Kursmarke massenhaft Stopp-loss-Verkaufsorders ausgelöst.
Wer cool blieb und sich mit Abstauberlimits auf die Lauer gelegt hatte, konnte von den Fehler der Stopp-loss-Anleger profitieren, die Aktie günstig einsammeln und sich nach nur einer Woche über ein Kursplus von 20 Prozent freuen. Wenn Sie sich jetzt noch vor Beginn der Quartalssaison bei kleineren Nebenwerten mit einem Abstauberlimit bereit machen, können Sie vielleicht noch die eine oder andere solide Aktie billig abgreifen.
Ihr
Georg Pröbstl