Von Stimmungen und Hoffnungen!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. Oktober 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Das Wochenende verlief erwartungsgemäß langweilig. Alles was heute durchsickerte war: die Griechen bekommen wohl einen höheren Schuldenschnitt von bis zu 60%, die Banken müssen sich wohl auf eine höhere Eigenkapitalquote von 9% einstellen, weshalb sie mindestens 100 Milliarden Euro benötigen werden zur Rekapitalisierung und der EFSF soll irgendwie gehebelt werden (wie, das weiß man zwar noch nicht, aber gerüchteweise sollen die Teilkasko-Versicherungs-Variante der Bundesregierung und ein möglicher Hilfstopf, mit Mitteln von freundlich gesinnten Staaten wie China und Norwegen, diskutiert werden - na dann...arme Chinesen und Norweger...).
Nur, das wussten wir doch alles auch schon in der letzten Woche. Neu ist nur, dass jetzt der gesamte Bundestag über die Pläne abstimmen soll und nicht mehr nur der Haushaltsausschuss. (in der Hoffnung, dass dem Bundestag dann auch alle Pläne in jedweden Einzelheiten vorliegen). Alles weitere soll's dann am Mittwoch in Brüssel geben...
..somit ist bislang nichts passiert, aber die Hoffnung lässt sich nicht unterkriegen.
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 17.10.-24.10.2011
Energie
Die Ölpreise handelten in der vergangenen Woche auch weiterhin hauptsächlich entlang der Stimmung (die sich fast ausschließlich um die Euro-Schulden-Krise und das Hund Her der Politik gesellt) und damit auch in Korrelation zu den Aktienmärkten.
Auffällig ist nur, dass sich der Spread zwischen Brent und WTI wieder ein wenig einengen kann (besonders heute), was dann doch auch wieder auf den Einfluss der fundamentalen Gründe schließen lässt.
Zwar konnte der Tod des libyschen Ex-Diktators Gaddafi die Ölpreise nicht nachhaltig beeinflussen, dennoch spricht vieles dafür, dass die libysche Ölproduktion (die mittlerweile wieder angesprungen ist), wenn auch langsam, nun wieder zur Normalität zurückkehren wird. Was sich wiederum auf die Brent-Preise auswirken sollte.
Hinzu kommt die geplante Entlastung des Knotenpunktes Cushing in den USA (welcher deutlichen Ausschlag für die Preisung der NYMEX-Referenzöle gibt) durch eine Eisenbahnlinie.
Wie wichtig die Cushing-Bestände für die US-Rohölpreise sind, zeigt sich dann auch am heutigen Montag. So kann WTI im Dezember heute von unter 88 USD pro Barrel deutlich zulegen auf über 91 USD pro Barrel, nachdem ein Rückgang der Bestände in Cushing um 760.000 Barrel oder 2,6% auf 28,1 Millionen Barrel bekannt gegeben wurde. Dezember-Brent dagegen legt heute nur knapp 1 USD auf über 111 USD pro Barrel zu.
Zudem erhalten die Ölpreise heute noch zusätzliche Unterstützung durch positive Daten aus Japan und China.
Aktuell notiert WTI zur Lieferung im Dezember (Kontraktumstellung letzte Woche) bei 91,62 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Dezember notiert aktuell bei 111,32 US-Dollar pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Obwohl kurzfristig und grundsätzlich vor allem die Stimmung auch weiterhin der Taktgeber für die Ölpreise bleiben dürfte, könnte sich die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI langsam wieder einengen. Dafür spricht zum einen die langsame Rückkehr der libyschen Produktion auf Normalniveau, zum anderen aber auch die Terminkurve (WTI in Contango; Brent in Backwardation). Dennoch dürfte Brent auch weiterhin einen Aufschlag gegenüber WTI rechtfertigen.
Edelmetalle
Auch Gold bewegt sich weiterhin eher im Einklang mit den übrigen Rohstoffmärkten und den Aktienmärkten. Die fundamentale Ausgangslage, sowie die nach wie vor starke physische Nachfrage kommen hierbei noch nicht wirklich zum Tragen.
So gaben die Goldpreise in der vergangenen Woche zunächst ab und konnten dann zum Wochenende wieder ein wenig zulegen. Auch heute steigt der Goldpreis in USD weiter, während der Goldpreis in EUR zum Abend wieder ein wenig abgeben muss, entlang eines etwas stärkeren Euro.
Aktuell notiert Gold in USD bei 1.652 US-Dollar pro Feinunze.
Gold in EUR notiert aktuell bei 1.186 Euro pro Feinunze.
Ausblick
Das generell eher untypische Verhalten der Goldpreise, ist nach wie vor insbesondere auf die Futures-Märkte, bzw. die Positionierungen der spekulativen Marktteilnehmer zurück zu führen. So haben die Spekulanten an der COMEX in der vergangenen Woche (bis zum 18.10) erneut ihre Netto-Long-Position um weitere 4.100 Kontrakte reduziert. Dagegen verzeichneten die Gold-ETFs in den letzten 2 Wochen sogar Zuflüsse in Höhe von 11 Tonnen.
Die Korrelation zwischen Gold und den übrigen Märkten dürfte vorerst noch ein wenig Bestand haben, dennoch dürfte gerade die physische Nachfrage weiteren deutlichen Preisrückgängen entgegen stehen, bis das Gold seinem Status als Depotabsicherung wieder vollumfänglich gerecht werden kann.
Zum zweiten Teil von: Kaffee erhält Unterstützung