Von Staaten und Banken
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 8. November 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Und besonders lustig ist auch nach wie vor zu sehen, wie sehr die Häuptlinge doch dafür sorgen, dass die Gesamtsituation eher schlimmer als besser wird. Zum Beispiel in ihrem Umgang mit den Banken.
Ich hatte ja schon am 26.Oktober berichtet, warum die Forderung nach noch höheren Eigenkapitalquoten für die Banken (die vor allem noch schneller umgesetzt werden sollen), die Probleme in Europa noch vergrößern wird.
Damals schrieb ich, wenn die Banken, wie in der aktuellen Marktlage realistisch anzunehmen, kaum Kapital bei den Investoren bekommen, dann bleibt ihnen nur die Kreditvergabe zu drosseln (was vermutlich mit zu den schwachen Wachstumsprognosen für das kommende Jahr geführt hat) oder in letzter Instanz der Gang zum Staat (was aber niemand will). Eine weitere Möglichkeit (von der die Häuptlinge wohl gehofft hatten, sie würde nicht zu deutlich Realität) ist der Bilanzabbau...
...und offensichtlich haben sich die Banken für diesen einfachsten und realistisch betrachtet, richtigen Weg entschieden: sie stoßen in nicht geringem Umfang die Risiken aus ihren Bilanzen!
..und das sogar mit Verlust, wie die französische BNP Paribas, die einen Verlust von 812 Millionen durch die Reduzierung ihrer Wackel-Staatsanleihen verbucht hat. (Kein Wunder, immerhin musste sie schon Abschreibungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro auf Griechen- und andere Bonds hinnehmen). Insgesamt hat die Bank ihre Staatsanleihen-Position um 23% reduziert.
Die Commerzbank hat ihre Positionen in Griechen-, Iren-, Portugiesen-, Spanien-, und Italien-Bonds um 22% reduziert. SocGen hält nun nicht mehr, wie noch Ende Juni, rund 5,6 Milliarden Euro in Staatsanleihen der genannten Länder, sondern nur noch 3,4 Milliarden. Die britische RBS reduzierte ihre Staatsanleihen-Position in diesen Ländern von 4,6 Milliarden GBP Ende letzten Jahres auf jetzt 1,1 Milliarden GBP. Barclays schmiss allein in den letzten 3 Monaten über 31% dieser Anleihen aus dem Portfolio.
Und all das ist nur eine Antwort auf Basel III. Dementsprechend kann ich mir gut vorstellen, wie sich die jüngste Forderung nach noch höheren Eigenkapitalquoten auswirkt.
Kann man es ihnen verdenken?
Nein, warum auch? Banken sind Unternehmen und müssen auch so handeln, sprich vorhandene Risiken reduzieren, wenn auch, wie aktuell, mit hohen Verlusten.
Man kann ihnen höchstens vorwerfen, viel zu lange, viel zu naiv gewesen zu sein und auf die Scheinsicherheit von Staatsanleihen gesetzt zu haben.
Abgesehen davon passen sich die Banken nicht nur langsam der Marktrealität an, sondern vor allem auch den Vorgaben der Politik, denn diese ist es, die nun endlich die Abschreibung auf den Marktwert gutheißt (was ich auch gutheiße), aber zwingende allgemein höhere Eigenkapitalforderungen stellt (anstatt die Banken individuell zu betrachten), die eben irgendwie erfüllt werden müssen.
Und wieder geht ein Schuss nach hinten los...
...ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen, denn ich schätze, dass die Häuptlinge mit ihren Pauschalforderungen, dieses nun gerade nicht gewollt hatten: schließlich sind die Banken nun in einer Lage, in der sie fast schon überstürzt aus den Staatsanleihen fliehen müssen.
Anstatt Stabilität herzustellen, sorgen die Häuptlinge nun so, nicht nur für sinkende Anleihenkurse der Wackelstaaten, sondern auch dafür, dass die Schulden dieser Staaten (und dann die der nächsten in der Reihe) zu einem zunehmend unsicheren Vermögenswert werden.
Toll Häuptlinge, aber hey, wenn ihr unbedingt die Schuldenkrise anfeuern wollt, dann hättet ihr und das doch auch gleich sagen können...
So long liebe Leser....verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe absolut nichts dagegen, wenn eine Bank ein hohes Eigenkapital vorweisen kann und grundsätzlich finde ich es richtig, den Banken dieses abzufordern....aber, es kommt auch zwingend darauf an, wann diese Forderungen gestellt werden und wie rasch sie umgesetzt werden sollen...mitten in der Krise und mit einem 1-Jahres-Ultimatum, hätte den Häuptlingen eigentlich klar sein sollen, dass der Schuss auch nach hinten los gehen kann...bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
Zum ersten Teil von: Politspiele