Von Ressourcen zu Reserven
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 27. Juni 2008, 17:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser,
in meiner letzten Ausgabe des Nebenwerte Daily habe ich Ihnen einen Überblick über die Bohrergebnisse und deren Interpretation gegeben. Sie sind die entscheidende Grundlage für die Einschätzung eines Rohstoffvorkommens. Auf Basis dieser akribisch aufbereiteten Daten kann nun nämlich die Größe der Ressource berechnet werden.
Aus Bohrergebnissen wird ein definiertes Vorkommen
Dafür werden alle während der Bohrungen gesammelten Daten an ein unabhängiges Labor übergeben. Hier sitzen spezialisierte Geologen und Ingenieure, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als aus diesen Bohrergebnissen die Größe und Lage eines Rohstoffvorkommens zu berechnen. Das ist gar nicht so einfach. Denn aus den im Gelände im Abstand von 50, 100 oder mehr Metern gewonnenen Daten müssen nun Hochrechnungen erstellt werden, welche die Größe und Lage des Vorkommens zeigen. Dabei gilt: Je größer der Abstand des Bohrrasters, also je weiter voneinander entfernt die Bohrungen durchgeführt wurden, desto höher ist die Unsicherheit bei der Berechnung der Ressource.
Nur moderne Berechnungen sind wirklich verlässlich
Ferner kommt es darauf an, ob die Bohrungen erst in den letzten Jahren mit modernen Methoden durchgeführt wurden oder ob auf alte Daten zurückgegriffen wird, die evtl. ungenauer waren. Wirklich aussagefähig sind nur moderne Ressourcenschätzungen nach dem kanadischen Standard NI (National Instrument) oder dem australischen namens JORC (Joint Ore Reserves Committee). Der kanadische Standard erhält die Nummer NI 43-101 für Feststoffe oder NI 51-101 für Öl und Gas. Ihre Erstellung erfolgt nach einem strengen Normensystem, daher sind sie sehr verlässlich. Manchmal finden Sie auch den Begriff der historischen Ressource. Das sind alte Hochrechnungen aus der Zeit vor der Entwicklung der modernen Normen. Sie geben zwar Hinweise auf Art und Größe eines Vorkommens, sind aber mit Vorsicht zu behandeln, da bei einer Umwandlung in eine moderne Schätzung oft nicht alle Ergebnisse anerkannt werden.