Von Niedrigzinsen und Liquidität
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 17. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
also, haben zwei Notenbanken mal wieder dazu beigetragen, die Stimmung an den Märkten nicht kippen zu lassen! Hach ja, wie manche Dinge sich doch einfach nicht ändern, es erstaunlicherweise aber dennoch vermögen den Markt immer wieder aufs Neue in Spannung zu versetzen.
Erstaunlich...lustig...aber nun genug, was ist denn eigentlich passiert?!
Zunächst mal haben wir da die Bank of Japan...
..die weiter aktiv gegen den deflationären Druck ankämpft. Nun ist die Deflation in Japan zwar nix Neues - denn sie hält das Land bereits seit zwei Jahrzehnten im Griff - aber die Situation wird eben nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Im Januar zeigten sich die japanischen Verbraucherpreise den elften Monat in Folge rückläufig.
Und, na ja, aus Deflation entstehen eben Probleme: zum Beispiel erhöht sich die reale Schuldenlast, die Unternehmensgewinne sinken und vor allem, die Banken halten sich bei der Kreditvergabe zurück.
Dementsprechend stellt die Bank of Japan - wie erwartet - den japanischen Geschäftsbanken nun ein höheres Kreditvolumen zur Verfügung. Bereits im März hatte die Notenbank eine qualitative Lockerung beschlossen. Nun wurde das Volumen für die Kreditvergabe an die Banken (3 Monate) auf 20 Billionen JPY verdoppelt. Zwei der Notenbanker hatten gegen die Maßnahme gestimmt. Die Bank of Japan behält - ebenfalls nicht überraschend - ihren Leitzinssatz bei 0,1% bei.
Aber natürlich schauen wir ja alle noch viel lieber rüber zu den Amis...
Und auch die FED bleibt natürlich bei ihrer lockeren Geldpolitik
Was auch nicht anders zu erwarten war: nach dem gestrigen FOMC-Meeting beschließt die FED - oh Wunder - keine Änderung der Geldpolitik. Weiterhin wird man die Niedrigzinspolitik auf unbestimmte Zeit fortsetzen. Der Leitzinssatz bleibt zwischen 0 und 0,25% bestehen - allerdings wurde das Aufkaufprogramm von Hypothekenpapieren nicht ausgeweitet (immerhin).
Bei den Aussichten hat man einen leicht verbesserten, aber immer noch verhaltenen Ton angeschlagen. (Oder anders gesagt, irgendwie quetschten die FED-Mannen etwas raus, dass so ähnlich klang wie: eigentlich ist ja vieles besser geworden, aber noch viel eigentlicher, ist eigentlich alles doch immer noch recht übel. [Anm.: meine persönliche Übersetzung aus dem Zentralbankischen; wenn Sie wirklich Wert auf den genauen Wortlaut legen, dann schauen Sie mal unter federalreserve.gov nach. Obwohl...etwas Lustiges muss ich doch zitieren: die schreiben nämlich, dass sich der "Arbeitsmarkt stabilisiert" hätte. Im nächsten Satz schreiben sie dann, dass die Konsumausgaben nach wie vor hinterherhinken, weil - und jetzt kommt es - die "hohe Arbeitslosigkeit" belastet. :-) Den Schreibern da fällt auch nichts Neues mehr ein, so dass sie wohl vor lauter Langeweile langsam wegdämmern.])
Zur Inflation gab es weiterhin nichts Neues zu sagen. Nur FED-Mann Hoenig hatte sich - wie immer - gegen die Fortsetzung der Niedrigzinspolitik ausgesprochen.
Wie lange wird die FED wohl ihre Niedrigzinspolitik beibehalten?!
Nun ja, ich kann zwar nicht in die Zukunft blicken, dafür aber in die Vergangenheit! Und in der Vergangenheit zeigt sich, dass die FED im Durchschnitt 33 Monate nach Ende einer Rezession abwartet, bevor sie ihre Zinsen wieder anhebt. Zumindest war das 1990/91 und 2001 so.
Da die Amis offiziell das Ende ihrer Rezession auf Ende letzten Jahres gesetzt haben, müssen wir wohl - unter der Annahme, dass zwar Zeit vergeht, der Mensch sich aber grundsätzlich nicht ändert; oder anders: unter der Annahme, dass wir von der Vergangenheit auf die Gegenwart und Zukunft schließen könnten - noch bis 2012 die etwas holprigen FED-Aussagen als Begründung für die Beibehaltung der Niedrigzinspolitik ertragen.
Tja, was will man denn auch erwarten, so lange Binnenkonsum und Arbeitsmarkt im Trüben fischen?!
Doch genug davon, ich fang gleich an zu gähnen...widmen wir uns lieber den Marktteilnehmern, die weiterhin freudig den Fluss der Liquidität genießen und...
...die Risikomärkte pushen
Was ich darunter verstehe?! Na ja, Aktienmärkte und Rohstoffpreise steigen, ebenso wie Rohstoffwährungen und der Euro, während USD und JPY leicht einen auf den Deckel kriegen. So weit auch nichts Ungewöhnliches! Jetzt wo Griechenland langweilig geworden ist, schrammte EUR/USD heute an der 1,38er Marke herum, während ZAR (südafrikanischer Rand), AUD (australischer Dollar) und NZD (neuseeländischer Dollar) gestern zu den größten Gewinnern gegenüber USD gehörten. Dabei stieg der Kiwi (NZD/USD) auf ein 6-Monats-Hoch und der Aussie (AUD/USD) auf das höchste Level seit 2 Monaten.
So schaut es aus...schauen wir uns im 2.Teil noch an, was meine Lieblingswährung Gold so macht!
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