Von gut informierten Investoren
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 1. November 2010, 07:30 Uhr
ENL5454
Bestimmte gut informierte Investoren - für die ich einen enormen Mangel an Respekt habe - geben vor, dass die Aktienkurse langfristig" immer steigen. Diese Super-Bullen prognostizieren immer Dow Jones 36.000", oder Dow 100.000". Und sie werden wahrscheinlich Recht haben. Eines Tages wird der Dow Jones wahrscheinlich die Marke von 100.000 erreichen. Und man wird dann in einer Zeitung für 50 Dollar lesen können, während man einen Kaffee für 100 Dollar trinkt.
So hat Jeffrey Hirsch einen Dow Jones von über 38.000 Punkten bis 2025 prognostiziert. Das wäre ein Gewinn von rund 5% pro Jahr, ohne Dividenden. Vielleicht wird auch er richtig liegen.
Aber die Aktien steigen nicht wirklich immer. Im Gegenteil, jede Aktie, die Sie kaufen, wird schließlich auf Null fallen. Die einzige Hoffnung ist, dass man selber stirbt, bevor die Aktie wertlos sein wird. Denken Sie dran, dass die meisten Gewinne und Aktienkurs-Zuwächse eine Illusion sind. Nehmen wir einmal an, Sie kaufen den Markt". Zum Beispiel mit einem ETF, oder indem Sie alle im Index enthaltenen Aktien kaufen. Diese Unternehmen verdienen Geld. Ihre Kurse steigen.
Aber Moment. Wo kommen die Umsätze her? Wo kommen die Gewinne her? Nehmen sie nicht Geld von sich gegenseitig...und von anderen Unternehmen und Konsumenten (die auch ihre Angestellten sind)? Wie können denn ALLE Kurse steigen? Das können sie nicht wirklich. Sie können nur so schnell wachsen wie die Wirtschaft wächst. Wettbewerb hält die Gewinnmargen in einem ziemlich engen Band. Und da die Wirtschaft in Geld gemessen wird...können die Kurse der Unternehmen nicht stärker steigen als das Geld selber steigt. Sprich: Als das Wirtschaftswachstum.
Mit anderen Worten: Wenn es in einer Stadt nur 100 Dollar geben würde, und die Unternehmen dieser Stadt wären die Hälfte davon wert, dann wären sie 50 Dollar wert. Insgesamt. Egal, wie viel Fortschritt es gibt - solange der Geldbetrag konstant bleibt, würden die Unternehmen weiterhin nur 50 Dollar wert sein (obwohl das Geld mehr wert sein könnte, in Bezug auf die Kaufkraft).
Gold ist das stabile Geld. Das Angebot wächst, aber nur in etwa so viel, wie auch die Wirtschaft wächst. Deshalb ist der Preis" von Gold - gemessen daran, für was man es eintauschen kann - über Tausende von Jahren nahezu konstant geblieben.
Wenn Aktien wirklich wertvoller werden sollten, dann sollte man doch denken, dass man für ihren Gegenwert einen größeren Anteil realen Geldes - Gold - erhalten würde. Aber sehen Sie doch, was passiert ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand der Dow Jones bei 66 Punkten und eine Feinunze Gold kostete etwa 20 Dollar. Ein 20-Dollar-Gold-Stück" war die reale Werteinheit. Es kostete also drei Feinunzen Gold, um alle im Dow Jones enthaltenen Aktien zu kaufen. Dann, als in den 1930ern der Dow Jones auf ein Tief fiel, kostete es immer noch ca. 3 Feinunzen Gold, um alle im Dow Jones enthaltenen Aktien zu kaufen. Und dann konnte man wiederum am Tief des Aktien-Bärenmarktes des Jahres 1982 alle Aktien des Dow Jones für 3 Feinunzen Gold kaufen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt reichte dafür sogar nur eine Feinunze Gold.
Derzeit kostet es etwas mehr als 8 Feinunzen Gold, um alle Aktien des Dow Jones zu kaufen. Hmmmm....man konnte den Dow Jones zu diesem Preis ebenso in den 1910ern...dann in den 1920ern...den 1930ern...den 1940ern und den 1950ern...den 1970ern und den 1980ern kaufen. Und dann erneut im Jahr 2010.
Und diese Zahl 8" wird wahrscheinlich fallen. Der Bärenmarkt bei den Aktien hat seinen Boden noch nicht erreicht. Wenn er das tut, dann wird man alle Aktien des Dow Jones fast sicher für 3 Feinunzen Gold kaufen können.
Langfristig Aktien kaufen? Ha ha....
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von manfred helmut trauth (01.11. 2010 08:10 Uhr):
S. g. H. Bonner, interessante Betrachtungsweise der Relation Gold/Aktien. 1. Die Verhältniszahl 3 kann durch eine Aktienkursreduzierung, aber auch durch eine Goldpreiserhöhung erfolgen. Liege ich da richtig? 2. Können Sie einen Langfristchart generieren der diese Verhältniszahl über einen längeren Zeitraum darstellt? Kompliment für Ihren Artikel lesenswerten und verständlichen Artikel. Hochachtungsvoll Manfred H. Trauth
Antworten - Kommentar von Torsten (01.11. 2010 08:41 Uhr):
Meine teilweise Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Mal ein anderer Aspekt: Irgendwo habe ich gelesen, dass sich der Dow von 1919 bis heute ver26facht hat. Dann begann ich nachzurechnen. Gehälter haben sich ebenfalls ver26facht, Autos haben sich... richtig!!!, Häuser haben sich ... richtig!!!. Es wird kein Mehrwert geschaffen. Bestenfalls bleibt der Wert gleich! Bestenfalls... Meine Meinung mit einer rhetorischen Frage zu Gold: Sollte ich irgendwann tatsächlich Gold brauchen, ist es dann nicht besser eine Knarre zu haben?
Antworten - Kommentar von Tim Rohde (01.11. 2010 14:25 Uhr):
Sie finden interessante Analogien, die aber nicht schlüssig sind. Die Menge des Goldes ist nicht konstant. Theoretisch könnte mehr oder weniger Gold gefördert werden als die Wirtschaft wächst. Mir ist nicht bekannt, dass die Höhe der Förderung mit dem Wirtschaftswachstum korreliert. Der Preis für den Dow ist folglich Zufall. Auch wenn ich ihnen tendenziell zustimme, so wäre es besser, wenn sie mehr Wert auf Richtigkeit und weniger Wert auf Originalität ihrer Argumente legten. Darf ich ihnen eines meiner Denkmodelle zur Verfügung stellen. Sie dürfen es jederzeit benutzen oder verwerfen. Ich denke der Markt ist geteilt durch Wände die Diffusion zulassen. Die Höhe der Inflation in den Segmenten ist unterschiedlich hoch. Die Geschwindigkeit der Diffusion ist zur Zeit relativ gering. Im Bereich der Finanzmärkte ist die Inflationsrate wesentlich höher als auf den Warenmärkten. Da die Zentralbanken geldschöpfende Aktionen sich fast nur in die Finanzmärkte ergiesst ist dass auch so zu erwarten. Da in den Warenmärkten relativ geringe Inflation bzw. sogar Deflation herrscht, verbleibt der Überschuss an Geld in den Finanzmärkten. Es wird "angelegt" zu Kapital. Nur ab und zu wird Geld abgezweigt und für Lebensmitteleinkäufe genutz. Große Beträge fließen nur in die Luxusmärkte, wo demzufolge die Inflation höher ist. Das ist auch soziologisch nachvollziebar. Nur eine kleine Elite spielt auf dem Finanzmarkt. Diese ist wohlhabend. Wenn diese Leute Geld "verdienen" dann verwenden sie es nur für Luxusgüter. Sie kaufen nicht plötzlich mehr Brot und Butter. Grund dafür, dass die Inflation nicht überschwappt ist der, dass die Mittelschicht ihre Überschussliquidität aus dem Warenmarkt abzieht und am Kapitalmarkt anlegt. Es kommt zu keinem die Relation verändernden Abfluss, weil die Ersparnisse der Mittelschicht bei jeder Krise relativ entwertet werden. Sie trägt das Risiko. Es sind die Fleissigen und Sparsamen, die Blut in das sonst "blutleere" System pumpen. (Es verschwindet Geld aus der realen Nachfrage. Deshalb haben wir trotz starkem Geldmengenwachstum viel weniger Inflation als zu erwarten wäre.) Dazu kommt natürlich auch die Globalisierund, allen voran China, die deflationär wirkt.
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