Von großen Erwartungen und bitterer Enttäuschung
Katja Kram in Insider Daily
vom 10. Februar 2009, 14:30 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir kommen heute nicht umhin, unseren Blick weit über den Großen Teich zu richten. Denn das aktuelle Marktgeschehen ist nach wie vor von den Meldungen aus Übersee abhängig. Was uns von dort erwartet, sind die genauen Angaben zum Bankenrettungsprogramm der USA. Diese Entscheidung wird heute vermutlich richtungweisend sein für die deutschen Aktienmärkte.
Die Stunde der Wahrheit für US-Banken
Heute Nachmittag um 16.00 Uhr schlägt die Stunde der Wahrheit. Dann wird uns US-Finanzminister Timothy Geithner die Details des neuen Bankenrettungsplans vorstellen. Nach dem die Pläne für die "Bad Bank" gekippt wurden, kursieren nun Gerüchte von einer zentralen "Sammelbank" für Ramschpapiere. Diese Bank soll jedoch nicht allein aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Bankenrettungsfonds vom Staat sondern auch mit Geldern von privaten Investoren finanziert werden. Doch bevor es so weit ist, werden Investoren wieder einmal von Meldungen aus der Finanzbranche auf Trab gehalten.
UBS im roten Zahlengewand
Es ist Quartalssaison, auch für Banken! So nach und nach plaudern die Vorstände der Geldinstitute entweder über die Jahreszahlen für 2008 oder darüber wie sich das Schlussquartal im abgelaufenen Geschäftsjahr darstellt. Und wie sich jeder aufmerksame Börsenbeobachter bereits denken kann, erscheinen diese Zahlen meist in einem roten Gewand.
So ist es auch heute geschehen, als der Schweizer Finanzdienstleister UBS die Zahlen für das vierte Quartal 2008 bekannt gab. Demnach verbucht das weltweit tätige Geldinstitut in diesem Zeitraum einen Verlust von 8,1 Mrd. Franken, was etwa 5,4 Mrd. Euro entspricht. Mit diesem Ergebnis topt die UBS sogar den Verlust des Branchenprimus Deutsche Bank, welche im Schlussquartal des vergangenen Jahres 4,8 Mrd. Euro verlor. Auf das Gesamtjahr betrachtet summiert sich der Verlust der UBS auf einen Rekordwert von 19,7 Mrd. Franken. Das übertraf die Erwartungen der Analysten, die eigentlich mit einem Verlust von 18,7 Mrd. Franken gerechnet hatten.
Das Zauberwort heißt Konzerumbau
Der Konzern kündigte heute auch einige Umstrukturierungsmaßnahmen an. Im Investment-Banking sollen 2000 Stellen abgebaut werden und die Abteilung Vermögensverwaltung soll in zwei Bereiche gegliedert werden. "Mit der neuen Struktur konzentriert sich UBS wieder auf ihre Schweizer Kerngeschäfte sowie auf die Stärken im internationalen Wealth Management und das Wachstumspotenzial auf den weltweiten Onshore-Märkten", teilte die Bank mit.
Die Lage sei weiterhin instabil und "der Ausblick von UBS bleibt für die absehbare Zukunft von Vorsicht geprägt", hieß es. Aber es bestehen Hoffnungen im Bereich Vermögensverwaltungsgeschäft, wo sich im Verlauf des vierten Quartals die Entwicklung bei Neugeldern zunehmend verbessert. Im Januar konnte die UBS hier bereits wieder über einen positiven Zufluss berichten. Ob diese Zuversicht das Vertrauen der Anleger zurückbringt, bleibt abzuwarten.
Schlechte Zahlen lassen die Anleger kalt
Wer dachte, dass Banktitel nun kein Thema mehr für Anleger sind, hat weit gefehlt. Die UBS-Aktie kletterte an der Schweizer Börse zwischenzeitlich bis 5% nach oben. Heute Vormittag musste die UBS-Aktie zunächst einmal wieder Federn lassen und rutschte kurzzeitig in den Minusbereich. Aber dann legte die Aktie wieder zu. Doch bevor man dem Freudentaumel verfällt - muss man sich als Anleger bewusst sein, dass der Markt nach wie vor einer hohen Volatilität unterliegt. Bei Banktiteln Sie bitte weiterhin sehr aufmerksam sein.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Dienstag.
Ihre
Katja Kram