Von Franzosen und Amerikanern
unserer Redaktion in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 4. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Frankreichs Präsident Sarkozy hält sich für ziemlich gerissen. Um genau zu sein, fühlen sich die Franzosen insgesamt ziemlich gerissen... Man könnte es fast als ein Gefühl der Schadenfreude bezeichnen, wenn sie dafür ein Wort hätten. Sie wussten, dass der Krieg im Irak eine Verschwendung von Zeit und Geld ist und sie haben sich deshalb rausgehalten; damit lagen sie richtig. Und sie wussten auch, dass ein Hyperkapitalismus im amerikanischen Stile nicht funktionieren kann. Und jetzt denken sie, dass sie auch damit richtig lagen.
Ich mag fast jeden, den ich treffe... wenn ich ihn erst einmal kennengelernt habe. Ich habe mehr als 10 Jahre lang unter den Franzosen gelebt. Ich habe ihre Sprache gelernt und habe ihre seltsamen Bräuche kennengelernt.
Während die Amerikaner z.B. so tun, als würden sie hart arbeiten, tun die Franzosen so, als würden sie gar nicht arbeiten. So sind die Parkplätze vor meinem Büro in den Vereinigten Staaten z.B. abends um halb sechs fast leer. Hier in Frankreich ist es so, dass ein Großteil der Belegschaft noch am Schreibtisch saß, als ich gestern das Büro verließ.
Französische Schulkinder prahlen damit, wie wenig Hausaufgaben sie gemacht haben... und dann schleichen sie sich davon, um bis in die frühen Morgenstunden zu lernen.
Genauso tun die Amerikaner so, als hätten sie viel Geld, und die Franzosen tun so, als hätten sie nicht viel Geld. Es gibt wenige schicke Autos auf den Straßen in Paris. Und wenn man einen hochklassigen Mercedes erblickt, gehört er meistens einem Ausländer. Niemand hat je Geld damit verdient, dass er schicke Vorstadthäuser für die Franzosen aus dem Boden stampft. Stattdessen dauert das Bauen länger. Die Häuser sind solide gebaut... und deutlich weniger protzig als die entsprechenden Häuser in den Vereinigten Staaten.
Die Franzosen tun auch so, als interessierten sie sich nicht für Geld, aber sie sind die größten Sparer in Europa. Die öffentlichen Schulden liegen in Frankreich bei 66% des Bruttoinlandsprodukts - und damit unter den Schulden der Vereinigten Staaten - mit 72% des Bruttoinlandsprodukt (und bald schon mit 100%) Und was die Privatschulden anbelangt, haben die Franzosen die Nase weit vorn... sie haben eine Privatverschuldung von 140% des Bruttoinlandsprodukts... das ist ungefähr der Wert, den Amerika vor der von der Zentralbank befeuerten Ausgabenwut zwischen 2002 und 2007 hatte. Heute liegt die Privatverschuldung in den Vereinigten Staaten bei 280% des Bruttoinlandsprodukts und damit doppelt so hoch wie in Frankreich.