Von Feinden, Parteifreunden und Demokratie

Georg Pröbstl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien
vom


von Georg Pröbstl

Lieber Leser,

„Feind, Todfeind, Parteifreund“. An diese Steigerungsform des Wortes „Feind“, die der 1988 verstorbene ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß gebrauchte, musste ich gestern spontan denken. Und zwar im Zusammenhang mit dem Abgang von Edmund Stoiber, dem derzeit noch amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten. Wie Sie wissen, hat der Politiker gestern seinen Rücktritt von allen seinen Ämtern zum 30. September 2007 erklärt.


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir macht das Vorspiel und die wochenlangen Querelen um den Rückritt schon Sorgen. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass es dabei ausschließlich um persönliche Empfindungen der Betroffenen geht. Angefangen von der Fürther Landrätin Gabriele Pauli bis zu Stoibers Parteifreunden. Vom Wähler, als verfassungsmäßig bestimmtem Souverän im Land, sprach während der letzten 4 Wochen seit Beginn des Trubels niemand. Dabei wollten bei der letzten Landtagswahl 2003 immerhin mehr als 60 Prozent der bayerischen Wahlberechtigten Stoiber als Ministerpräsidenten.

Das ist auch kein Wunder. Seit Jahren läuft es für den Bürger in Bayern rund und geräuschlos. Die Wirtschaft ist top. Es gibt wenig Arbeitslose. Die Kriminalität ist auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Am liebsten würden viele Deutsche in München oder Oberbayern leben. Stoiber hat mit seiner Technologieinitiative Anfang der 90er-Jahre die Weichen richtig gestellt.

Aber viele Parteifreunde konnten Stoiber wohl nicht verzeihen, dass er nach dem Regierungswechsel 2005 nicht ins Berliner-Kabinett Merkel eingetreten ist und stattdessen lieber seinen Stuhl in der Münchner Staatskanzlei behalten wollte. Ich finde, der Mann hatte Recht. So wie sich sein mögliches Ministeramt nach Zusammengehen der beiden großen Parteien entwickelt hätte, wäre Stoiber zum kleinen Licht, zur Marionette, degradiert worden. Stellen Sie sich vor: Sie bewerben sich um eine Stelle mit bestimmten Konditionen. Etwa als Banker oder Lehrer. Beim Arbeitsantritt klärt Sie Ihr neuer Chef aber auf: Toilettenputzen, Schneeräumen und Abspülen gehören auch zu Ihren Aufgaben. Würden Sie so eine Stelle entgegen der ursprünglichen Vereinbarung antreten?

[Fortsetzung weiter unten]


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