Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom
Trader´s Daily-Leser Gerhard S. schrieb mir:
"Ich beschäftige mich (als Rohstoffbulle) gerade mit dem Papier DB6DHV. Ein Zertifikat der DB, dessen Entwicklung von einem Index der DB abhängt. Dieser Index muss sich immer wieder ändern, weil ja die kurzfristigen Kontrakte gerollt werden. (...) Warum muss es wohl Großbritannien sein? Die Währungssicherung kostet doch auch Geld. Die Zusammensetzung erscheint mir sehr willkürlich, wobei ich auch Ihre Bedenken wegen Spekulation mit Getreide teile. Sie merken, dass ich bei diesem Papier ziemlich skeptisch bin. Glauben Sie zu Recht?"
Meine Antwort:
Gefällt mir erstmal, dass der Leser kritisch an die Sache = besagten Rohstoff-Schein herangeht. Die kritische Hinterfragung von Funktionsweise und Gebühren ist die angebrachte Vorgehensweise in solchen Fällen.
Konkret zum Schein.
Erster Überblick bei Onvista nennt diese Information:
"Underlying ist der FX Hedged Deutsche Bank Liquid Commodity Index - Mean Reversion Excess Return Index, mit einem Bezugsverhältnis von 0,1."
Da hielt ich erstmal inne. Auch wenn man sich jeden Tag mit diesen Begriffen befasst - was für eine Formulierung. Muss man erstmal drauf kommen. So schön unverständlich, herrlich.
Ich beschreibe den Schein (WKN: DB6DHV) lieber in der Sprache, in der Lutherbibel und Bürgerliches Gesetzbuch verfasst sind. Also: Jeder einzelne Schein hat als Wert ein Zehntel des besagten Indexstandes. (Dies ist etwas vereinfacht, denn im Fall der Ausübung werden nicht 100%, sondern 99,25% dieses Wertes ausbezahlt.)
Dieser Index ist selbst abgekürzt noch ein Ungetüm: "DBLCI MR ER Hedged EUR"-Index. Ich belasse es in diesem Beitrag bei "der Index".
Die Gewichtung der im Index enthaltenen Rohstoffe ist variabel. Und zwar verfolgt der Index die Strategie, relativ günstige Rohstoffe tendenziell zu kaufen und relativ teure tendenziell zu verkaufen. Basis ist eine "reverse to the mean"-Strategie. Die geht davon aus, dass Rohstoffe um ihren Mittelwert schwanken, und unter diesem kann man entsprechend kaufen, darüber verkaufen.
Kann man natürlich so sehen, ist eine Strategie. Halte ich persönlich aber nicht unbedingt für sinnvoll. Was ist z.B. in einem jahrelangen Bullenmarkt wie bei Gold? Wo hat denn Gold seinen "Mittelwert"? Hätte der Fonds dann seit Jahren bei Gold short sein müssen? (Und Gold ist in dem Index enthalten!)
Die "Roll"-Thematik besteht bei diesem Schein ebenso wie bei den meisten Rohstoff-Scheinen. Und natürlich muss auch die Währungssicherung bezahlt werden.
Mein Fazit: Der Schein lief bis Anfang 2011 nicht schlecht. Es ist ein reines "1:1-Zertifikat", ohne Risikopuffer und Bonuszahlung oder sonstige Bonbons. Wenn Sie den Schein kaufen, sollten Sie von der "reverse to the mean"-Strategie überzeugt sein. Ich denke, damit ist alles gesagt bzw. geschrieben.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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- Kommentar von Jürgen
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