Von den Problemen der amerikanischen Leasing-Unternehmen
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York in Investors Daily
vom 30. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Der Dollar hat sich im Gegensatz zu den Aktienkursen in den letzten Wochen kaum verändert. Während die Aktienkurse in den letzten 3 Wochen um per saldo rund 20 % anstiegen, hat sich der Dollar kaum verändert. Es ist war, dass der überbewertete Dollar keine Rallye verdient – jedenfalls nicht mehr, als die überbewerteten US-Aktien. Trotzdem – normalerweise steigt der Dollar, wenn die US-Aktien steigen. Nicht so dieses Mal. Vielleicht sollte uns das etwas sagen.
"Man sollte den US-Dollar bewundern, aber nicht kaufen", so Jim Grant auf einer Konferenz in New York. Grant bezeichnet den Dollar sarkastisch als "Amerikas größte Erfolgsgeschichte." Der Grund: "Jeder Dollar benötigt nur einen Cent an Produktionskosten, und trotzdem wird er weltweit für einen Dollar pro Stück verkauft. Welcher andere amerikanische Export-Artikel kann dies sonst von sich sagen?" Es ist bemerkenswert, dass der Dollar sich trotz des großen US-Handelsbilanzdefizits – in Höhe von 5 % des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts – noch so gut halten kann. Die globale Dollar-Nachfrage bleibt bestehen – egal, wie viele Dollar gedruckt werden.
Grant glaubt, dass die Investoren sollten Folgendes nicht unterschätzen, nämlich die "Fähigkeit von souveränen Regierungen, eine Währung, die sie eigentlich unterstützen, abzuwerten. Die Regierungen haben genug Möglichkeiten ... und eine Regierung kann immer einen Weg finden, eine Währung abzuwerten, für die sie alleine das Recht zum Gelddrucken hat."
Wir Konsumenten haben nicht den Luxus, dass wir Geld drucken können, um unsere Schulden bezahlen zu können. Wir müssen Geld verdienen oder erben. Leider sind Jobs und alte, reiche Verwandte in diesen Tagen knapp geworden. Und deshalb steigen die unbezahlten Schulden.
"Die Schuldeneintreiber haben derzeit viel zu tun, angesichts Millionen von Konsumenten, die jede Menge Kreditkartenschulden, Bankschulden, unbezahlte Arztrechnungen und sonstige Schulden angesammelt haben", so ein Bericht der Arizona Republic. Es gibt mittlerweile ein Geschäft mit dem Aufkauf von Forderungen zu einem bestimmten Prozentsatz. "In den USA haben mehr als 6.500 Firmen Schulden, die im Jahr 2000 fällig waren, im Wert von 135 Milliarden Dollar gekauft. Vor einem Jahrzehnt lagen solche überfälligen Schulden erst bei 73 Milliarden Dollar." Das Positive daran: "Es gibt also auch Firmen, die von dieser Entwicklung profitieren. In dieser Branche soll die Zahl der Beschäftigten in den nächsten 6 Jahren um 35 % steigen – so die staatliche Arbeitsmarktstatistik-Behörde."
Die Botschaft ist klar: Wenn man wirklich helfen will, die Arbeitslosigkeit zu senken, sollte man einfach aufhören, seine Rechnungen zu bezahlen.
Dazu noch folgende Anekdote: In den letzten 3 Jahren habe ich mir ein Büro mit Jim Grant geteilt, in der Wall Street Nummer 30. Aber die Mieten sind so stark gestiegen, dass ich umgezogen bin – eine Ecke weiter, in die Broad Street 80. Bei den Umzugsvorbereitungen rief ein Kollege von mir bei der Gesellschaft an, von der wir die Möbel geleast hatten. Er sagte ihnen, dass sie die Möbel wieder abholen könnten. Am anderen Ende der Leitung gab es eine überraschende Antwort: "Uuuuh ... können Sie die Möbel noch ein bisschen behalten? Wir werden Ihnen auch selbstverständlich nichts dafür berechnen", so der Mitarbeiter der Gesellschaft am Telefon. "Wir haben nur keinen Platz, wo wir die Möbel lagern könnten. Unsere Lager sind überfüllt, da so viele Leute die Möbel zurückbringen. Wir müssten bezahlen, um die Möbel woanders zu lagern. Wäre es für Sie ok, wenn Sie die Möbel noch etwas behalten würden?"
"Kein Problem", sagten wir – und bedauerten es, dass wir nicht schon ein paar Monate vorher angerufen hatten.
Während des Booms der "dotcom"-Gesellschaften schossen diese ja wirklich wie Pilze aus dem Boden. Sie erhielten jede Menge Kapital, um damit weitere unnütze Geschäftsmodelle verwirklichen zu können. Jede neue Gesellschaft musste Büroräume, Möbel und Computer kaufen oder leasen, und gleichzeitig 100 oder mehr Mitarbeitern anheuern. Um diese zu erhalten, wurde oft das Doppelte gezahlt, was diese Leute bei etablierten Firmen erhalten würden – weil die alten, profitablen Firmen soviel niemals zahlen würden ...
Es hat Spaß gemacht, solange es andauerte. Aber irgendwann war das Geld aufgebraucht und die Startups mussten ihr Spielzeug zurückgeben. Das Problem ist – soviel Spielzeug wurde zurückgegeben, dass man damit nichts mehr anfangen konnte. Chefsessel, Computer, Telefon-Anlagen und all die anderen Dinge, die das Büro eines Startups im Jahre 2000 ausmachten, türmen sich in den Lagern der gesamten USA. Was machen die Leasing-Gesellschaften jetzt damit – auf den nächsten Boom warten?