Von Börsenpandemie kann keine Rede sein
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 27. Dezember 2005 16:00 Uhr
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2005 war ein gutes Jahr an der Börse. An den meisten Aktienmärkten gab es ein wahres Kursfeuerwerk. Seit Januar liegt beispielsweise der DAX 27,8 % im Plus, der MDAX brachte den Anlegern einen Gewinn von 36,1 %, der SDAX 34,5 %. Auch im Ausland gab es mit Aktien einiges zu verdienen. Mit dem Euro Stoxx 50 beispielsweise kassierten die Anleger seit Jahresanfang 22,5 %.
Vielleicht haben Sie 2005 selbst gut mit Aktien verdient und sich deswegen jetzt in den letzten Tagen des Jahres schon die eine oder andere Flasche Champus mit dem Gewinn gekauft.
Da sollte man eigentlich sollte glauben, dass immer mehr Anleger so richtig heiß auf Aktien sind und schon ungeduldig mit den Hufen scharren um gleich nach den Feiertagen einzusteigen.
Nur 12 % gehen auf Risiko
Weit gefehlt! Denn trotz der guten Performance an den Börsen sind die meisten Sparer in Deutschland noch nicht so richtig in Börsenlaune. Vom Börsenfieber beim breiten Publikum kann nämlich wirklich keine Rede sein. Das sagt auf jeden Fall das aktuelle IVG-Emnid Anlagebarometer. Nach der Studie wollen nämlich nur 11 % der Befragten ihr Geld hauptsächlich in risikoreiche Anlageformen, wie eben Aktien, stecken. Vor einem Jahr lag der Anteil bei 10 %.
1 % spekuliert wie schon vor einem Jahr nur mit risikoreichen Anlagen.
Laut Anlagebarometer setzen die meisten Sparer auf Sicherheit – und zwar mit steigender Tendenz. 44 % der Befragten wollen ihr Geld vollständig in sichere Anlagen investieren und dabei kein Risiko eingehen. Vor einem Jahr lag der Anteil nur bei 40 %.
Die Zurückhaltung der Sparer Aktien gegenüber zeigt sich auch an der Zahl der Fondsbesitzer und Aktionäre. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstitutes hatten zum Halbjahr nämlich nur 300000 mehr Menschen Fonds oder Aktien, als 2004. Insgesamt sind es 10,8 Millionen. Im Rekordjahr 2001 waren es dagegen 12,9 Millionen.
Und noch etwas ist interessant: Laut Anlagebarometer kümmern sich nämlich 61 % der Anleger selbst um die Aufteilung ihres Vermögens. Nur etwas mehr als ein Drittel überlässt das dem Bank- oder Vermögensberater.
Ich denke auf jeden Fall ist es wahrscheinlich ganz gut, dass sich nicht jedes Greenhorn wie vor ein paar Jahren vom Börsenfieber anstecken lässt und gleich vom ersten Tag an wie wild an der Börse mitmischt. Das spart uns die negativen Folgen: Einen kurzen Boom mit aberwitzigen Mondpreisen bei Aktien und einem nachfolgenden langen Crash über Monate und Jahre.
Tipp:
1) Wenn Sie Ihre Aktien selber aussuchen, sollten Sie auf die fundamentalen Kennziffern achten. Wichtig sind unter anderem ein im Branchenvergleich niedriges Kurs-Gewinn Verhältnis KGV, eine hohe Eigenkapitalquote von 25 % oder mehr und eine überdurchschnittlich hohe Dividendenrendite.
2) Ein niedriges erwartetes KGV für 2006 und eine hohe geschätzte Dividendenrendite für 2005 in den Indizes bieten zum Beispiel folgende Unternehmen:
Im DAX: DaimlerChrysler (06er KGV: 11,6, Dividendenrendite: 3,5 %), Deutsche Post (9,8/3,2 %), Deutsche Telekom (11,7/5 %), Thyssen Krupp (10,2/4,6 %), TUI (10,2/4,5 %).
Im MDAX: IKB (13,6/3,4 %), K+S (13,2/2,9 %), Norddeutsche Affinerie (13,3/4,7 %), Südzucker (11,8/2,9 %), Vossloh (10,9/3,1 %).
Im SDAX: Dt. Beteiligung (9,4/4,3 %), ElringKlinger (11,2/3,1 %), Grammer (10,9/4,2 %), HCI Capital (12,4/7,5 %), Schlott Gruppe (9,9/3,2 %).