Von Baumwollrekordernten und China
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 31. Mai 2007 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
an was denken Sie wenn sie das Wort Baumwolle lesen? Denken Sie an ihr T- Shirt, oder ihre Baumwollunterhose? Denken Sie an den US – amerikanischen Süden und die berühmt – berüchtigten Baumwollfelder, vielleicht haben Sie „Onkel Toms Hütte“ gelesen?
Vielleicht tragen Sie aber ein Polyesterhemd und einen Seidenslip! Und vielleicht ist für Sie die Geschichte eben bloß eine Geschichte unter Vielen!
Wie auch immer, die Baumwolle und der Handel mit Baumwolle trägt eine lange Geschichte in sich. Eine deren Schauplatz auf der Welt sich allerdings mit den Jahren verlagert hat und eine deren Bedeutung vielleicht auch im Begriff ist sich zu verschieben….
Aktuell – Rekordernte in der weltweiten Baumwollproduktion zu erwarten
Dass für dieses Jahr wieder einmal eine Baumwollrekordernte zu erwarten ist, ist ja nicht neu. Längst sind die Baumwollpreise in diesem Jahr bereits um 11 % gesunken.
Umso mehr greift der Markt nach jedem Strohhalm.
Am Freitag trug dieser Strohhalm noch den Namen Indien.
Was war geschehen?
Am Freitag steig der Preis für Baumwolle an der NYBOT auf ein vierwöchiges Hoch von 51,20 US Cent pro Pfund, nachdem die Preise für indische Baumwolle auf 62 US Cent pro Pfund geklettert waren.
Dieser signifikante Preisunterschied schürte die Hoffnung von steigenden US – Baumwollexporten.
Indien hat sich mittlerweile zu einem der größten Konkurrenten der US Pflanzer aufgeworfen.
Und obgleich China, weltweit größter Baumwollverbraucher und vor den USA größter Baumwollproduzent in der letzten Woche 118 000 Ballen ( Ein Ballen entspricht etwa 480 Pfund Baumwolle) US Baumwolle kaufte, griff am Montag die Realität wieder unerbittlich zu.
Am Montag wurde nicht nur den Anlegern bewusst, dass die USA ihr Exportlevel nicht erreichen konnten. Die USA müssten nämlich um den Bestimmungen der Regierung, die im Übrigen seit der Bush – Administration den heimischen Baumwollanbau subventioniert, pro Woche 425 000 Ballen exportieren.
Dies gestaltet sich allerdings schwierig, denn obgleich die USA nach wie vor der größte Baumwollexporteur sind ist der größte Abnehmer China, welches die USA wiederum den Konkurrenzdruck durch Indien deutlich spüren lässt.
Obgleich die indische Baumwolle teurer notiert , ist es für die chinesischen Importeure billiger in Indien Baumwolle zu kaufen, als die teuren Frachtkosten auf die US Baumwolle aufzuschlagen.
An der NYBOT gab Baumwolle am Montag folgerichtig wieder 2 % ab.
Gegenwärtig notiert der Julikontrakt an der NYBOT bei 50 US Cent pro Pfund.
Rekordernte in diesem Jahr, aber was geschieht 2008 ?
Die USA weisen in diesem Wirtschaftsjahr eine Rekordernte auf.
Pakistan, die weltweite Nummer 4 der Baumwollproduzenten hat seine Baumwollernte seit 2005 um 30 % auf gegenwärtig 13 Millionen Ballen gesteigert.
Indien hat seine Baumwollproduktion derartig gesteigert, dass das Land im vergangenen Jahr von der weltweiten Nummer 3 der Baumwollproduzenten, nicht nur zu einer Exportnation, sondern zu einer ernsthaften Konkurrenz der USA aufgestiegen ist.
Dies steht für die fallenden Preise in diesem Jahr.
Dagegen steht nun die australische Dürre. Sie, die schon für die Preisentwicklung anderer Agrarrohstoffe mit ausschlaggebend ist, macht natürlich auch nicht vor der Baumwolle halt.
Schon seit den letzten sechs Jahren ist die australische Baumwollproduktion rückläufig.
Die Baumwollpflanze ist ein aufwändiges „Kraut“, welches nicht nur viel Wärme sondern auch sehr viel Wasser benötigt.
Da die anhaltende australische Dürre Flüsse und Dämme austrocknet ist die Regierung dazu übergegangen die Bewässerung einzudämmen.
Tatsächlich will man nun die Bewässerung aus dem Murray – Darling – Wasserreservoir, durch welches 90 % der australischen Baumwollernte bewässert werden, bis auf weiteres einstellen. So lange zumindest bis es signifikante Regenfälle gibt.
Darauf wird man wohl allerdings noch länger warten müssen…
In Australien wird Baumwolle ab Oktober ausgesät. Sollte es bis dahin nicht über Wochen hinweg anhaltende Regengüsse gegeben haben, ist von einem weiteren Produktionsrückgang australischer Baumwolle im nächsten Jahr auszugehen.
Die Namoi Baumwoll Kooperative rechnet mit einem Rückgang auf lediglich 500 000 Ballen im kommenden Jahr.
Australien gehört zu den größten zehn Baumwollproduzenten der Welt.
Der Baumwollmarkt ist in den vergangenen 30 Jahren schon immer für extreme Kursschwankungen gut gewesen. Werte zwischen 30 und 100 US Cent wechseln wie Tag und Nacht. Gegenwärtig sehen wir uns mal wieder - wie nicht zum ersten Mal - in einem Jahr der Baumwollrekordernte. Der Markt wird förmlich mit Baumwolle überschwemmt, was nicht weiter tragisch ist, so lange die großen Abnehmer, allen voran China die Baumwolle aufsaugen wie ein Schwamm.
Doch würde gerade der Baumwolle eine rückläufige Produktion mit Sicherheit gut tun, vor allem im Hinblick auf die immer stärkeren Einzug haltende Polyesterfaser, welche als Hauptkonkurrent der Baumwolle im Jahr 2004 zum ersten Mal in größerer Menge verarbeitet wurde als Baumwolle und die Naturfaser damit auf Platz 2 verdrängte.
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