Vom Versagen der Hedge Fonds

unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily zum Thema Fonds
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von unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street

Jedes Mal, wenn sich die Investoren ein bisschen freuen – so wie am Dienstag, als der Dow eine kleine Rallye hinlegte – kommt umgehend der Schlag in den Nacken. Am Mittwoch ging es direkt wieder um 183 Punkte nach unten, und auch der Nasdaq-Composite gab über 2 % ab. Das Gold hielt sich komfortabel über der Marke von 320 Dollar.


Versuchen wir, keine Tränen wegen Cisco Systems zu weinen. Die Aktien des einstigen Highflyers fielen unter die 10 Dollar-Marke. Ja, das ist die selbe Firma, die einmal mit spektakulären 575 Milliarden Dollar bewertet war. Aber lassen Sie mich nicht auf die heutige Firma Cisco blicken, sondern auf die der späten 1990er – die Gesellschaft, die uns alle zu großen Hoffnungen und großen Träumen inspirierte.

Erinnern Sie sich noch, wie Cisco uns mit Euphorie erfüllte? Hier in New York kann man sagen, dass Cisco eine ganze Nation von Investoren inspiriert hat – inspiriert dazu, Billionen von Dollar in überteuerte High Tech-Aktien zu investieren.

Und lassen Sie mich an die Zeit erinnern, als der immer weiter steigende Nasdaq-Composite uns alle in Hochstimmung versetzte – und sei es auch nur so lange, bis wir genügend Schulden zum Aktienkauf angesammelt hatten, die wir noch den Rest unseres Lebens spüren werden.

Ach ... das waren noch Zeiten!

Auch wenn die Cisco-Aktien in den nächsten Tagen wieder über die 10 Dollar-Marke steigen werden – der psychologische Schaden ist da: Cisco-Aktien wurden einstellig gehandelt!

Was fast genauso bemerkenswert wie Ciscos kolossaler Kurseinbruch von 87 % ist, ist die Tatsache, dass die Gesellschaft immer noch eine Marktkapitalisierung von 73 Milliarden Dollar vorzuweisen hat.

Es gibt vielleicht keine direkte Verbindung zwischen dem Kurseinbruch bei Cisco und der großen Zahl der Pleiten bei den Hedge Fonds, aber beide sind sicherlich die Opfer eines "Post-Hype" Bärenmarktes.

Einer meiner Bekannten in der Hedge Fonds Industrie hat mir erzählt, dass bis zum Jahresende Hunderte von Fondsmanagern ihre Fonds schließen werden. Diese Unglücklichen haben für ihre Kunden so viel Geld verloren, dass ihre Hedge Fonds nicht mehr tragbar sind.

Die meisten Stories in dieser Branche hören sich ziemlich gleich an, zum Beispiel so: Der "Acme Hedge Fund" begann 1994 mit 1 Million Dollar. In den 90ern hatte der Fonds erfolg damit, den Bullenmarkt voll auszureiten. Während dieser Zeit hedgte der Fonds fast gar nicht (Short-Selling schien damals dumm zu sein, bei explodierenden Kursen). Das verwaltete Vermögen stieg bis auf 75 Millionen Dollar im März 2000. Dann kam die Wende. Aber es ging noch. Denn 2000 waren die Kurse so überteuert, dass sogar unbelehrbare Bullen auf die Idee kamen, ein oder zwei Aktien zu shorten. Am Ende des Jahres blieb ein Verlust von 15 %. Acme verlor 2001 weitere 15 % – es wäre schlimmer gewesen, wenn die Rallye nach dem 11. September nicht die Performance verbessert hätte. Zu Jahresbeginn 2002 ging dann jeder davon aus, dass 1) die Wirtschaft bis Juni wieder auf einen schönen Wachstumspfad einschwenken würde und 2) der Aktienmarkt nach zwei schwachen Jahren nicht noch ein drittes fallen konnte – also, Zeit zu kaufen!

Wir wissen alle, wie es weiterging. Die Wirtschaft erholte sich nicht, und die Aktienkurse kollabierten. Der Acme Fund verlor weitere 18 % in den ersten neun Monaten des Jahres, damit haben sich die Verluste seit Dezember 1999 auf 41 % kumuliert. Und das ist für einen Hedge Fonds Manager ein sehr schlechtes Ergebnis.

Jetzt muss der Fonds um 70 % zulegen, damit der Verlust wieder reingeholt wird, und der Fonds Manager 20 % der Gewinne einstreichen kann. Vorher erhält er keine Gewinnbeteiligung. 70 % Plus zu machen, das dauert eine Weile. Viele Kunden haben deshalb die Reste ihres Investments zurückgeholt, damit sie z.B. in den "sicheren" Immobilienmarkt investieren können.

Die vom Acme Fund verwalteten Mittel belaufen sich noch auf 18 Millionen Dollar ... das bedeutet, dass der Fonds geschlossen wird.


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