Vom Ökosystem der Märkte zur Ökoaktie mit erster Dividende
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 28. Mai 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
weiterhin ist die Nervosität an den Märkten extrem hoch - solche Angst-Werte wie jüngst sahen wir zuletzt Anfang 2009. Trotz einiger Stunden des Schrecks für europäische Anleger konnten die von mir zuletzt erwähnten wichtigen Unterstützungen im Laufe des Dienstags wieder zurück erobert werden. Die Kapitalströme der Profis drehten das Bild, sie setzten bereits vor dem eigentlichen Tief auf eine Erholung. Schon am Montag sah ich hier in den USA erste Käufe in schweren Titeln. Doch dann rutschte Europa durch ...
Die Volatilität bleibt hoch
Trotz der Belastung aus Korea und Spanien am frühen Dienstag setzte sich dieser Trend gegen Abend nach Erstellung Ihres Nebenwerte Daily fort. Bestätigt wurde das wie so häufig durch einen frühen Dreh der Rohstoffe ebenso wie durch eine Stabilisierung der Währungsmärkte. Die Frage ist, wie weit diese Entspannung tragen wird. Angesichts der immer wieder neuen Schreckensmeldungen und der durch diese verunsicherten Anleger rechne ich weiter mit einer überdurchschnittlich hohen Volatilität vor der Sommerpause.
Das Wort erhalten jetzt Sie:
Nutzen wir also heute die leichte Entspannung, um Sie, meine Leserinnen und Leser, zu Wort kommen zu lassen. Vielen Dank für Ihre zahlreichen Zuschriften. Einige Ihrer Bemerkungen zum Thema Spekulanten und Politik fand ich besonders treffend. Exemplarisch zitiere ich hier "Fritz" mit einem sehr interessanten Beitrag zum 'Ökosystem der Märkte und den Spekulationen der Politiker':
"... Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, ob es "Darwinismus" in den Finanzmärkten überhaupt gibt. Denn oft genug gewinnt nicht der Stärkere oder Schlauere, sondern nur der Glücklichere, insbesondere bei den Kurzfrist-Tradern. Man darf da nicht das Moment des Zufalls übersehen - die meisten Hedgefonds, wie man weiß, starten zwar als Tiger, landen dann aber als Bettvorleger in der Rumpelkammer. Auf der anderen Seite - und da hat Frau Knauer völlig recht - gleichen die Märkte einem Ökosystem, insbesondere was die Komplexität des Zusammenwirkens aller Faktoren und Spielteilnehmer angeht. Die Wechselbezüge sind extrem zahlreich und sensibel. Die Maßnahmen der Bundesregierung, gerade heute wieder, sind Eingriffe in dieses System, von denen niemand sagen kann, ob sie das System letztendlich in die gewünschte Richtung verändern oder sogar Folgen auslösen, mit denen keiner gerechnet hat. Was "Spekulanten" angeht - ich vermute, vom Klang des Wortes her stellen sich da die Menschen sowieso "speckige" Leute vor. Spekulieren heißt aber nur: sich Gedanken machen. Spekulieren muss jeder, der mit Geld zu tun hat. Man spekuliert sogar, wenn man glaubt, man würde es nicht tun. Selbst jedes Sparbuch enthält eine Spekulation, nämlich dass es keine gravierende Inflation geben wird. Wenn man sich nun umblickt, sieht man die gefährlichsten Spekulanten nicht bei Goldman Sachs oder in der Londoner City, sie sitzen seit Jahrzehnten (!) in den Regierungen. Dort spekuliert man so gewohnheitsmäßig wie ein Alkoholiker zur Flasche greift darauf, dass man Wahlgeschenke immer wieder neu machen und immer wieder per Kredit bezahlen könnte - das Wirtschaftswachstum wird schon für steigende Steuereinnahmen sorgen. Diese Spekulation war wahnsinnig und ist daher auch nicht aufgegangen - was eigentlich seit einigen Jahren schon jedem klar ist. Die Regierung hat derweil noch viele weitere Spekulationen laufen, insbesondere was die Renten- und Pensionslasten angeht, aber z.B. auch im Rohstoffbereich. Wie sollen sich nun die "Spekulanten" in den Pensionsfonds, in den Versicherungen, in den Fondsgesellschaften verhalten? Anders als die Regierungen denken sie tatsächlich über die Zusammenhänge zwischen realer Wirtschaft, Fiskalsystemen und Börsenkursen nach. Und dann legen sie ihr Geld gemäß ihren Gedanken an. Das hat eine gewisse Aufrichtigkeit. Politiker tun dagegen selten das, was sie im Hinblick auf ihren Amtseid für richtig halten, sondern was für sie als Politiker opportun ist. Wenn man nach "unethischem" Verhalten sucht, findet man es daher kurioserweise am deftigsten bei denen, die sich nun aufmachen, den Märkten Ethik beizubringen. Und dabei geht es nur um eins: "Wie schaffe ich es, im Amt zu bleiben?" Gar nicht leicht. Kollege Roland Koch "spekuliert", denke ich, sehr weitsichtig, wenn er sich jetzt vom Acker macht."
Das Prinzip der Haftung fehlt auf vielen Ebenen
Äußerst passend dazu erscheint mir folgender Vorschlag von "Jan M.": "Spekulanten sind nicht das Hauptproblem, auch nicht (zu hohe) Boni. Das Problem ist fehlende Haftung auf allen Ebenen. Z.B. sollte das Risiko zusammen mit den Boni steigen. Wenn Ackermann 10 Mio. im Jahr verdienen kann, soll er auch das Risiko haben "alles" zu verlieren, wenn er seine Ziele nicht erreicht. Boni sollten erst nach 7 Jahren ausbezahlt werden, wenn diese dann noch berechtigt sind."
Schon öfters habe ich darüber nachgedacht, ob es nicht möglich wäre, Haftung für die Folgen der Handlungen auch im Bereich der Politik einzuführen. Angesichts der im Vergleich zur Wirtschaft mickrigen Gehälter unserer Politiker (die diese Armen öfters dazu treiben, sich lukrative "Nebenpöstchen" zu suchen) ist aber natürlich die Frage, womit wir sie haftbar machen könnten. Und bei den Folgen, die deren Handlungen bzw. Entscheidungen selbst noch für spätere Generationen haben können, wären 7 Jahre natürlich auch nicht wirklich ausreichend. Nach dieser Zeit fangen die Probleme oft genug gerade erst an, sich zu zeigen: Sei es bei Umweltsünden ebenso wie bei den Finanzen, wo wir mit kurzsichtigen Entscheidungen möglicherweise noch mehrere Generationen belasten.
Gold zeigt die Probleme
Schließen wir unsere kleine Zitate-Reihe mit einem Ausruf von "Wachauge" gegen die korrupten Politiker, passend für alle Gold-Liebhaber: "... Wann wacht ihr endlich auf, ihr einsamen Bürger und Wähler??? Wie lange lasst ihr Euch noch an der Nase herumführen? Der stets steigende Goldpreis jedenfalls lässt nichts Gutes ahnen...."
Es ist wahr: Derzeit fließt einiges Geld in die Staatsanleihen von (noch) sicheren Ländern, aber wie lange ist das aufgrund der weltweit steigenden Schuldenlast eine Lösung? Irgendwann wird Gold endgültig durch die Decke gehen. Aber an welchem Punkt ist der Druck so groß, dass es kein Halten mehr gibt?
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wachauge (29.05. 2010 12:36 Uhr):
Der Goldpreis wird dann durch die Decke gehen, wenn auch die vermeintlich noch "solideren" Staaten an die Grenze ihrer Möglichkeiten gekommen sind. Aber ewig lässt sich dies nicht aufschieben, auch mit der immer heisser laufenden Druckerpresse. Entweder steil anziehende Inflation, Austritt aus dem Euro vieler Länder oder Staatsbankrotte. So oder so, die Politiker werden nicht mehr aus dem Schlammassel rausfinden, das sie selbst angerichtet haben. Es wird zu riesigen Währungs- und Finanzmarktturbulenzen führen, die in Revolten ausarten werden und Bürgerkriege verursachen. Also, besorgt Euch noch etwas Gold, bevor es losgeht, das Unheilvolle und wacht endlich auf.
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