Vom Glück in den Ruin getrieben
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 2. Juli 2009, 07:30 Uhr
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An den Märkten war am vergangenen Freitag nicht viel los. Der Dow hat 34 Punkte verloren. Öl ist auf 69 Dollar gerutscht. Die Anleihen sind ein wenig gestiegen. Gold und der Dollar sind so ziemlich genau da geblieben, wo sie waren.
Der Gedanke, der mich am Wochenende beschäftigt hat, war ein alter: dass nichts gefährlicher ist, als Glück.
Wie Bret Harte sagte: Das Einzige, war am Glück sicher ist, ist, dass es sich ändern wird". Und es hat seine ganz eigene Art, einem jeden in den Allerwertesten zu treten.
Lotteriegewinner aufgepasst
Wenn man das Glück hat, in der Lotterie zu gewinnen, dann sollte man sich umsehen. Fast alle Lotteriegewinner sind binnen ein oder zwei Jahren pleite. Viele stecken schon in der Pleite, ehe sie in der Lotterie gewonnen haben. Denn ihr Glück führt dazu, dass sie sich verrechnen.
Es gab eine Geschichte über einen Lotteriegewinner, die man in der vergangenen Woche hier in London in der Presse fand. Der Mann hatte eine Million Pfund gewonnen. Er meinte Glück zu haben und hat in eine Reihe von Unternehmen investiert, die ihm von seinen Freunden, Verwandten und von absolut Fremden empfohlen wurden - sie alle sind gescheitert.
Er hat eine viel jüngere Frau geheiratet - die ihn verlassen hat (nicht ohne vorher das Haus zu nehmen, dass er für sie gekauft hatte.) Er hat auf den Rat von Analysten und Beratern hin investiert - die sich natürlich später alle als Idioten herausgestellt haben. Und er hat Geld an Leute verliehen, die es natürlich nicht zurückzahlen konnten. Er war in den Nachrichten, weil er inhaftiert wurde, nachdem er bei dem Versuch, seine Schulden einzusammeln, einen seiner Freunde angegriffen hat (er brauchte das Geld, um seine Miete zu bezahlen.)
Evelyn Adams hat zweimal in der New Jersey Lotterie gewonnen - in den Jahren 1985 und 1986. Das ist doch ein Glück. Sie hat insgesamt 5,4 Millionen Dollar gewonnen. Aber deswegen sollten Sie sie jetzt nicht in einem schicken Haus in Beverly Hills oder Palm Beach suchen. Sie lebt in einem Wohnwagen.
Alle wollten mein Geld haben. Alle wollten, dass ich ihnen etwas gebe", sagt sie.
Oder nehmen Sie den Fall von William Bud" Post. Er hat in der Lotterie von Pennsylvania 16,2 Millionen Dollar gewonnen. Damit sollte er doch wohl ausgesorgt haben, oder?
Ich wünschte, es wäre nie dazu gekommen. Es ist ein absoluter Albtraum", sagt Post.
Innerhalb eines Jahres stand er mit einer Million Dollar in der Kreide und musste Konkurs anmelden. Heute, so heißt es, lebt er von Lebensmittelmarken.
Niall Ferguson erklärt in seinem Buch The Ascent of Money [der Aufstieg des Geldes] dass es das reine Glück war, welches die spanische Wirtschaft im 16. Jahrhundert ruiniert hat. Ich habe die grundlegenden Fakten bereits auf diesen Seiten verbreitet.
Ferdinand und Isabella haben die letzten Mauren in dem Jahr aus Spanien verjagt, in dem sie Kolumbus über das große Meer geschickt haben. Die Muslime los zu werden, war für Spanien letzten Endes ein Verlust. Die Mauren haben ihr Geld mitgenommen und - was noch wichtiger ist - wichtige wirtschaftliche Fähigkeiten. Aber als die Konquisitoren in der neuen Welt angekommen sind, da haben sie den Jackpot geknackt.
Valer un potosi
Ein einziger Berg, der Mt. Potosi, brachte in den Jahren 1556 bis 1783 45.000 Tonnen reines Silber. Valer un potosi' ist ein Sprichwort, das in Spanien immer noch verwendet wird, um zu sagen, dass etwas ein Vermögen wert ist. Selbst ehe der Bergbau begann, haben die Spanier sich selbst zu dem Gold der Azteken und der Inka im Wert von Milliarden verholfen.
Gold und Silber waren damals echtes Geld. Die Edelmetalle kamen in die spanische Wirtschaft und sie haben dort schon sehr bald die Geldmenge inflationiert... zuerst in Spanien und dann in ganz Europa. Die Lebenshaltungskosten in England, für die es einige Dokumente zu den Kosten gibt, sind während der Preisrevolution zwischen den 1540er Jahren und den 1640er Jahren um 700% gestiegen.
Das leicht verdiente Geld, das aus den Kolonien kam, finanzierte ungefähr 40% des spanischen Regierungshaushaltes. Aber selbst nachdem die Schiffe immer mehr Gold und Silber in die spanischen Häfen brachten, ging der Krone immer noch das Geld aus. Im Jahr 1557 konnte sie nicht mehr zahlen. Und dann wieder in den Jahren 1560, 1575, 1596, 1607, 1627, 1647, 1652 und 1662.
Die amerikanische Regierung finanziert heute die Hälfte ihrer Ausgaben mit geliehenem Geld. Das gleicht dem spanischen Finanzierungssystem insofern, als ein großer Teil des Geldes von außerhalb der eigentlichen Wirtschaft stammt. Aber der Unterschied ist, dass die Vereinigten Staaten immer noch ihre Finanzen in Ordnung bringen müssen. Das spanische Gold war richtiges Geld. Es musste nicht zurückgezahlt werden. Es war in dem Moment schon monetarisiert" in dem es angekommen ist.
Amerikas Glück
Die amerikanische Finanzierung ist subtiler und komplizierter. Aber sie wird durch ein ganz außerordentliches Glück ermöglicht. Die Vereinigten Staaten haben die Reservewährung der Welt... und die größte, liquideste Wirtschaft. Die Leute stecken ihr Geld in die amerikanischen Schatzanleihen, weil sie sich sicher sind, dass das Geld immer noch da sein wird, wenn sie es brauchen.
Und sie sind so sehr an eine Welt der Desinflation gewöhnt. Zinssätze und Inflationsraten sind in den vergangenen 25 Jahren gefallen. Und so sehr sich die Weltwirtschaft auch heute in einer deflationären Korrektur befinden mag, so sehr scheint auch das Risiko einer Inflation sehr weit entfernt. Also scheinen die Vereinigten Staaten noch lange in der Lage zu sein, eine fast unbegrenzte Geldmenge zu leihen, und das zu sehr geringen Zinssätzen.
Auch wenn die Angst vor einer Inflation momentan noch minimal ist, werden die Defizitausgaben der Regierung in diesem Ausmaße irgendwann notwendigerweise zu einem höheren Preisniveau bei den Verbraucherausgaben führen.
Wie lange wird es noch dauern, ehe das Glück uns Amerikaner verlässt und uns in den Hintern tritt? Wie? Ich weiß es nicht, aber ich habe mir eine Darstellung angesehen, die im Wall Street Journal abgebildet war. Die Vereinigten Staaten haben ihren Mount Potosi in dieser Grafik entdeckt.
Diese grafische Darstellung zeigt die jährliche, prozentuale Veränderung der Geldbasis in der Zeit von 1962 bis heute. Über 45 Jahre lang, hielt sich das Wachstum der Geldmenge relativ konstant. Doch unter dem Druck der Konjunktur- und Rettungsprogramme ist es explodiert. Art Laffer sagt, es habe keine Bedeutung, das mit irgendetwas in der Geschichte zu vergleichen, nicht dergleichen ist je zuvor passiert. Er behauptet, dass die Inflation diesmal noch viel schlimmer ausfallen könnte als in den Siebzigern, als die prime rate 21,5% erreichte. Das hier sei eine neue Ära!
Immer mehr Amerikaner sehen sonnige Zeiten vor uns", heißt es in einer Schlagzeile der USA Today. An anderer Stelle berichtet Bloomberg, dass die Verbraucherausgaben steigen.
Das Wall Street Journal berichtet jedoch, dass die Sparrate steigen würde.
Wie können die Verbraucher gleichzeitig die Ausgaben und die Sparrate steigern? Ich weiß es nicht. Aber die Statistiken sind so verzerrt, dass ich nur wenig Vertrauen in sie habe.
Viele widersprüchliche Trends
Rob Parnteau kratzt sich am Kopf aufgrund dieser widersprüchlichen Trends. Seltsamerweise", schreibt er an seine Abonnenten, sind die persönlichen Bruttoausgaben flach geblieben, während die Sparrate auf fast 7% nach oben geschossen ist. Doch die Arbeitslosenzahlen steigen weiter. Wie ist diese Kombintation möglich? Insbesondere frage ich mich, wo der Haushaltssektor sein Einkommen herbekommt, mit dem er einerseits die Sparrate erhöht und andererseits das Ausgabenniveau stabil hält, während die Verluste bei den Arbeitsplätzen so alarmierend hoch bleiben."
Wenn die Haushalte versuchen, ihre Bruttosparrate nach oben zu treiben und der Geschäftssektor seine Investitionen nicht erhöht, dann kann man mit einfachsten Rechnungen feststellen, dass die nominalen Einkommen, und insbesondere die Gewinne, einbrechen werden", fährt Rob fort.
Die einzige Möglichkeit, einen solchen Ausgang zu verhindern, wäre, dass das Handelsbilanzdefizit sich verbessert oder dass die fiskalischen Defizitausgaben steigen. Das Handelsbilanzdefizit ist schon einen weiten Weg gegangen, aber es kommt langsam wieder zum Stillstand, nachdem sich die Verbraucherausgaben stabilisierten und Reduktion der Bestände sich verlangsamt. Die bestehenden fiskalischen Stimuli werden viel ausrichten müssen, bis die Haushaltssparrate sich wieder stabilisiert haben wird und die Investitionen in Wohnimmobilien und andere wieder ein wenig an Zugkraft gewinnen wird."
Geschönte Zahlen
Wie dem auch sei, Sie sollten mit den Statistiken vorsichtig sein - sie werden von der Regierung geschönt. Und die Regierung hat ihre eigenen Hühnchen zu rupfen und ihren eigenen Kopf, der ihr abgerissen werden wird. So werden beispielsweise die Inflationszahlen gering gehalten - um kostenintensive Anpassungen der Zahlungen für Sozialhilfe zu verhindern. Auch die Arbeitslosenstatistiken werden meist untertrieben. Wenn die Arbeitslosigkeit in der gleichen Weise berechnet würde, wie in den Dreißigern, dann wären die Zahlen heute viel höher.
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