Vom Bauern zum Millionär
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 13. Januar 2012, 19:00 Uhr
ENL5454
Weiter geht's im Profit Radar über die Sonderwirtschaftszone Shenzhen in der Nähe von Hongkong, die ich bei meiner letzten Recherche-Reise besucht habe und die jetzt in die Blickpunkt rückt. Denn wenn Shenzhen schon immer „Vorzeigestadt mit Pilotfunktion" war, wirft das ein Schlaglicht auf eine Entwicklung in China, die mehr und mehr Wirklichkeit werden könnte - soziale Unruhen. Doch der Reihe nach.
Die Leiterin der Investmentabteilung erklärt mir bei meinem Besuch in der Stadtverwaltung der 13-Millionen-Metropole Shenzhen, dass in den letzten Jahren umweltbelastende Produktionsbetriebe konsequent aus dem Stadtbild verschwunden sind. Das hat zum einen sicherlich mit den schärferen Umweltstandards zu tun. Auf der anderen Seite sind in der „kreativen Pilotcity" (Formulierung von Wen Li) die Immobilienpreise so stark gestiegen, dass sich viele Produktionsbetriebe die hohen Mieten bzw. Abgaben nicht mehr leisten konnten.
Schon längst sind die Immobilienpreise wieder auf das Vor-Krisen-Niveau gestiegen. In den letzten fünf Jahren haben sich die Preise verdreifacht. Meine Dolmetscherin erzählt mir, dass man im Zentrum von Shenzhen für eine Eigentumswohnung schon vor Jahren rund 2.000 € pro qm bezahlen musste.
Wer hier rechtzeitig auf die richtigen Grundstücke gesetzt hat oder einfach sitzen geblieben ist, konnte hier reich werden. Die Nachfrage ist so groß, dass selbst kleinste Parzellen bebaut werden und die Bebauung deshalb teilweise sehr eng ist. Mit einer solchen kleinen Parzelle ist zum Beispiel ein einfacher Bauer zum Millionär geworden. Er besaß durch seine Familie seit über 30 Jahren ein winziges, noch unbebautes Grundstück mitten in der Innenstadt. Als die Stadtverwaltung aufgrund der Baupläne gezwungen war, ihm das Grundstück abzukaufen, konnte der Bauer über Nacht eine Millionensumme einstreichen.