Volatilität: 2008 lässt grüßen
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 21. Mai 2010, 17:00 Uhr
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was für eine Woche liegt hinter uns. Am heute stattfindenden kleinen Verfallstag kann die Achterbahnfahrt der Börsen ebenso wenig liegen wie an mir. Denn ich sitze ja seit einer Woche wieder brav am Schreibtisch, kann also leider nicht mit einem Urlaub auf die Entwicklungen Einfluss nehmen. Ginge es nach dem Urlaubsindikator, müsste die Börse steigen. Soviel zu statistischen Vorhersagen der Börsenkurse ...
Die Angst ist zurück
Wodurch auch immer der Mini-Crash am 06.05. ausgelöst worden ist - an der Qualität der neuerlichen Abwärtsbewegung zeigt sich, dass dahinter auf jeden Fall mehr steckte als nur ein Eingabefehler oder irgendwelche Verschwörungen bekannter Finanzinstitute. Denn die gestern gesehene starke Panik in den harten Sentimentdaten des Marktes wie der Volatilität, der Put-Call-Ratio und anderen haben wir seit dem Ende der Abwärtsbewegung im März 2009 nicht mehr erlebt. Sehen Sie selbst am Beispiel der Volatilität des marktbreiten S&P 500:
Die Volatilität des S&P 500, gemessen am VIX im oberen Bildabschnitt, erreicht bereits wieder Niveaus wie während der Finanzkrise. Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass der Markt bzw. seine Akteure unter enormem Stress leidet. In "normalen" Konsolidierungen erreicht der VIX selten ein Niveau über 30, was im vergangenen Jahr immer wieder eine gute Kaufgelegenheit war. Der Moneyflow ganz unten im Bild nähert sich aber schon wieder überverkauften Niveaus. Ein Zeichen, dass ein Einstieg interessant wird, sobald sich der Stress im Markt beruhigt.
Aber wen wundert dieser Befund wirklich? Angesichts des Aktionismus der Politik rund um den Globus muss sich das Kapital (zumindest dessen spekulativer Teil) doch um zukünftige lukrative Anlagemöglichkeiten sorgen. Derzeit ist wieder einmal die Flucht in (vermeintlich) sichere Staatsanleihen weniger Länder wie Deutschland oder die USA angesagt. Aber wie lange kann das angesichts der Verschuldungen eine Lösung sein?
Sind die Spekulanten an allem Schuld?
Gestern konnten wir beobachten, wie rasant die einzudeckenden Shortpositionen in den Währungen eine Kaufpanik auslösen können. Unser ganzes Wirtschaftssystem lebt davon, dass dieser Mechanismus reibungslos funktioniert. Gerade durch die spekulativen Positionen werden Ungleichgewichte aufgedeckt und beseitigt.
So wie manche Menschen in der Natur die Raubtiere ausrottten wollen, weil diese angeblich so bösen Bestien die armen Rehlein töten, soll es jetzt den Spekulanten an den Kragen gehen?!
Doch die Raubtiere gehen immer den bequemen Weg, jagen bevorzugt kranke Tiere, die leicht zu erledigen sind. (Die Folgen der Ausrottung in unseren heimischen Wäldern können wir alle beobachten, wo es keine natürlichen Fressfeinde mehr gibt und stattdessen die Wälder (oder inzwischen auch die Vorgärten) kahlgefressen werden)
Auch die Börse ist nur ein Haifischbecken und folgt ähnlichen Regeln. Spekulatives Geld nutzt Schwachstellen aus - und deckt damit potenziell die langjährigen Versäumnisse der Politik auf. Die Jagd auf die Spekulanten wird keineswegs die internationale Schuldenkrise lösen, sondern sie lenkt lediglich den Zorn der Massen von den Politikern ab und erhält damit kurzfristig (noch?) einige Wählerstimmen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von HJKLeinlein (21.05. 2010 20:48 Uhr):
Diesem Artikel liegt eine darwinistische Haltung zu grunde,die jeder humanistischen Ethik widerspricht. Haben Sie sich einmal die letzte Konsequenz Ihrer Philosophie überlegt? Der Löwe hört auf zu fressen, wenn er satt ist. Bei den Spekulanten vermute ich, gibt es dieses Sattheitsgefühl nicht. Frohe Pfingsten! MfG HJK
Antworten- Antwort von Fritz (25.05. 2010 18:58 Uhr):
Ich glaube nicht, dass die Autorin des Artikels dafür eintritt, sich an schwachen Menschen zu bereichern. Es ging nur um eine Veranschaulichung von Marktlogik. Ich bin mir allerdings auch nicht sicher, ob es "Darwinismus" in den Finanzmärkten überhaupt gibt. Denn oft genug gewinnt nicht der Stärkere oder Schlauere, sondern nur der Glücklichere, insbesondere bei den Kurzfrist-Tradern. Man darf da nicht das Moment des Zufalls übersehen - die meisten Hedgefonds, wie man weiß, starten zwar als Tiger, landen dann aber als Bettvorleger in der Rumpelkammer. Auf der anderen Seite - und da hat Frau Knauer völlig recht - gleichen die Märkte einem Ökosystem, insbesondere was die Komplexität des Zusammenwirkens aller Faktoren und Spielteilnehmer angeht. Die Wechselbezüge sind extrem zahlreich und sensibel. Die Maßnahmen der Bundesregierung, gerade heute wieder, sind Eingriffe in dieses System, von denen niemand sagen kann, ob sie das System letztendlich in die gewünschte Richtung verändern oder sogar Folgen auslösen, mit denen keiner gerechnet hat. Was "Spekulanten" angeht - ich vermute, vom Klang des Wortes her stellen sich da die Menschen sowieso "speckige" Leute vor. Spekulieren heißt aber nur: sich Gedanken machen. Spekulieren muss jeder, der mit Geld zu tun hat. Man spekuliert sogar, wenn man glaubt, man würde es nicht tun. Selbst jedes Sparbuch enthält eine Spekulation, nämlich dass es keine gravierende Inflation geben wird. Wenn man sich nun umblickt, sieht man die gefährlichsten Spekulanten nicht bei Goldman Sachs oder in der Londoner City, sie sitzen seit Jahrzehnten (!) in den Regierungen. Dort spekuliert man so gewohnheitsmäßig wie ein Alkoholiker zur Flasche greift darauf, dass man Wahlgeschenke immer wieder neu machen und immer wieder per Kredit bezahlen könnte - das Wirtschaftswachstum wuird schon für steigende Steuereinnahmen sorgen. Diese Spekulation war wahnsinnig und ist daher auch nicht aufgegangen - was eigentlich seit einigen Jahren schon jedem klar ist. Die Regierung hat derweil noch viele weitere Spekulationen laufen, insbesondere was die Renten- und Pensionslasten angeht, aber z.B. auch im Rohstoffbereich. Wie sollen sich nun die "Spekulanten" in den Pensionsfonds, in den Versicherungen, in den Fondsgesellschaften verhalten? Anders als die Regierungen denken sie tatsächlich über die Zusammenhänge zwischen realer Wirtschaft, Fiskalsystemen und Börsenkursen nach. Und dann legen sie ihr Geld gemäß ihren Gedanken an. Das hat eine gewisse Aufrichtigkeit. Politiker tun dagegen selten das, was sie im Hinblick auf ihren Amtseid für richtig halten, sondern was für sie als Politiker opportun ist. Wenn man nach "unethischem" Verhalten sucht, findet man es daher kurioserweise am deftigsten bei denen, die sich nun aufmachen, den Märkten Ethik beizubringen. Und dabei geht es nur um eins: "Wie schaffe ich es, im Amt zu bleiben?" Gar nicht leicht. Kollege Roland Koch "spekuliert", denke ich, sehr weitsichtig, wenn er sich jetzt vom Acker macht.
- Antwort von Fritz (25.05. 2010 18:58 Uhr):