Vogelgrippe – oder: Was wäre wenn?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 25. Oktober 2005 18:00 Uhr
ENL5462
Sie ist zuerst in Anatolien angekommen. Dann hat sie das Schwarze Meer in Richtung Rumänien überquert. Und dann hat sie Griechenland angegriffen!
Europa beobachtet die Bewegungen der Vogelgrippe, als handelte es sich um die mongolische Armee. Der gesamte Kontinent steht kurz vor der Hysterie, die Zeitungen sagen allein in Großbritannien mehr als 50.000 Tote voraus.
Das angelsächsische Imperium wird sich sicher rühren müssen – seinen dicken Hintern aus dem imperialen Sessel bequemen – und in Panik ausbrechen. Die Truppen werden zur Hilfe gerufen werden. Ganze Gegenden unter Quarantäne gestellt werden. Leute werden untersucht und für gut befunden, und man wird ihnen die Erlaubnis erteilen, durch die Straßen zu laufen. Man kann ins Internet gehen und den genetischen Code der spanischen Influenza herunterladen, eine Variante der Vogelgrippe, die zwischen 1919 und 1929 Millionen getötet hat. Das war vielleicht der schlimmste biologische Angriff auf die menschliche Rasse aller Zeiten. Was könnte einen Terroristen, einen Verrückten oder einen Postangestellten davon abhalten, das Virus zu vermehren und es in der ganzen, unvorbereiteten Welt zu verbreiten. Nichts, sagen die Experten.
Bislang sind erst sechzig Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Das entspricht ungefähr der Zahl der Demokraten, die von wilden Stieren aufgespießt wurden oder an Republikanern, die in der eigenen Badewanne ertranken. Aber wenn der Virus irgendwann schlauer wird, das soll heißen, wenn er mutiert, so dass er dann schneller übertragen werden kann, dann könnte das Ergebnis für beide Parteien und auch für integre und intelligente Leute sehr brisant werden. Tatsächlich könnte dann die gesamte Spezies und ihre Wirtschaft sehr leiden müssen.
Anders als die Millenniumsangst, ist dieser Bazillus real. Wenn er die notwendige Mutation vollzieht, dann könnten die Todeszahlen so hoch sein, wie bei der großen Pest. Bislang ist die Hälfte der Menschen, die sich mit dem Virus infiziert haben, gestorben. Ich stelle mir das Virus als eine Sache vor, die die Schwachen aussondert, wie eine Form der natürlichen Auslese. Aber das Virus von 1919 war ein sehr gerissenes Viech, das das Immunsystem seiner Opfer bestach und es gegen sie aufbrachte. Die meisten Toten waren junge Erwachsene, viele davon Soldaten, die aus den Schützengräben kamen, die stark und gesund waren.
Doch selbst wenn man das Glück hat, nicht zu sterben, dann wird man doch feststellen, dass das eigene Leben in wichtigen Punkten aus der Bahn geraten sein wird. Fluggesellschaften werden wohl Kunden verlieren oder von den "Grippezaren" in einigen Ländern gleich am Boden gehalten werden. Die Leute werden auf unnötige Reisen, Einkäufe und Unterhaltung verzichten. Sie werden zuhause bleiben und versuchen, sich von öffentlichen Orten fernzuhalten. Vielleicht werden Schulen geschlossen. Öffentliche Ereignisse werden abgesagt oder verschoben. Bürogebäude werden geleert. Unternehmen schließen ihre Pforten oder sie werden ihre wichtigsten Teams in "sichere" Gebiete bringen ... wo sie isoliert arbeiten können.
Die Verkaufszahlen werden in den Keller gehen, außer für bevorratete Produkte wie Wasser und Toilettenpapier. Unternehmen werden aufgeben müssen. Ökonomien werden zusammenbrechen. Aktien und Eigentumspreise werden stark einbrechen, weil die Käufer ausbleiben. Konkurse und Kreditaufkündigungen werden in den Himmel steigen.
Es wird sowohl eine Finanzpanik, als auch eine Gesundheitspanik geben. Der internationale Handel wird stark eingeschränkt. (Amerikas Handelsbilanzdefizit wird auf die schlimmstmögliche Weise gelöst werden ... ebenso wie die Eigentums- und Schuldenblasen). Die Leute werden sich in die Sicherheit der amerikanischen Schatzanleihen und in Gold flüchten ... und in die offene Weite.
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