Vitamin B und Kinotipps
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 22. Mai 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Gold ist im Moment ein sehr spekulativer Rohstoff.
Gold ist kein langfristiger Schutz vor Inflation.
Gold erlebt eine Spekulationsblase.
Höre ich mich nicht schon an wie eine Schallplatte mit Sprung? Als ich letzten Donnerstagmorgen ins Büro kam – zu spät, ich hatte mich bereit erklärt, beim Berufsberatungstag in der Schule meines Sohnes dabei zu sein – entglitten mir die Gesichtszüge, als ich die aktuellen Goldpreise sah. Wieder einmal war der Rückgang des Goldpreises um 6% deutlich extremer und prononcierter als der Rückgang aller Aktienindizes. Nachdem der Goldpreis bereits am vergangenen Wochenende 5% eingebüßt hatte, fiel er am vergangenen Donnerstag um weitere 42 Dollar, und pendelte sich bei 651 Dollar die Unze ein.
Sind diese wahnsinnigen Stimmungsschwankungen die Vorzeichen für einen weiteren Ausbruch auf 800 Dollar, 1.900 Dollar oder 4.000 Dollar die Unze, wie die Goldliebhaber uns Glauben machen wollen? (Gold-Bugs sind bei ihren Zielpreisen genauso produktiv wie die Aktienbullen damals, 1998.)
Oder zeigt diese Volatilität einfach nur, dass die Fonds sich darauf vorbereiten, mit ihren beispiellosen Goldansammlungen auszusteigen?
Was auch immer es ist, in einem solchen Umfeld ist extreme Vorsicht geboten. Man will schließlich nicht weitere 26 Jahre warten müssen, ehe man den Nominalwert seiner Investitionen zurück hat.
Der Aktienmarkt, der auch eine turbulente Woche hingelegt hatte, schien sein Gleichgewicht wieder gefunden zu haben, wenn auch mit einer deutlich schlankeren Taille.
Einer meiner liebsten Theoretiker, Harry S. Dent Jr. glaubt, dass die Bewegungen der letzten Woche dem Pfad folgen, den er vorhergesehen hatte. Am Freitag schrieb er:
„Die Märkte sind so langsam aber sicher deutlich überverkauft und sie nähern sich mit 11.040 Zählern beim Dow, 1.253 beim S & P 5000 und 2.150 – 2.160 an der Nasdaq sehr starken Kaufzielen.“
Wenn man ihm glaubt, dann steht noch ein weiterer Ausverkauf bevor, vielleicht sogar schon nächste Woche… aber er empfiehlt auch, das Niveau das dabei erreicht wird, als Kaufgelegenheit aufzufassen.
*** Meine Kinder haben klare Vorlieben, wenn es um das „Vitamin B“ ihrer Eltern geht. Im Moment hat ihre Mutter die Führung übernommen. Der gute alte Herr Papa hat vielleicht eine Menge persönlich signierter Bücher von einer ganzen Legion von Autoren, Herausgebern und Wirtschaftsikonen, aber es ist ihre Mutter, die an Tickets für Sneak Previews (vorgezogene Erstvorstellungen) im Kino kommt.
Wie z.B. gestern Abend, als der neue Animationsfilm „Over the Hedge“ (Ab durch die Hecke – Kinostart in Deutschland im Juli) vor dem offiziellen Kinostart gezeigt wurde.
Wenn Sie Kinder haben und am Wochenende die eine oder andere Stunde zur freien Verfügung, dann sollten Sie sich ihre Brut schnappen und sich auf den Weg in das nächste Multiplex-Kino machen. Dieser Streifen ist außergewöhnlich lustig und er hat auch nicht die nervigen kitschigen Süßstoffaromen, die alle Disneyproduktionen seit den Neunzigern unerträglich machen. Und nach einer solchen Woche am Markt, tut ein bisschen Humor wohl jedem ganz gut, oder?
Der einzige düstere Moment, den ich während der Vorstellung durchlebte war der, in dem ich feststellte, dass Hammie, das hyperaktive Eichhörnchen mir allzu bekannt vorkam. Ich blickte neben mich und sah sein Alter Ego, meinen fast zehnjährigen mittleren Sohn, die Finger tief in eine Box des Industriemülls vergraben, den man uns hier als Nacho-Käse-Dip verkauft, während er Limonade aus einem Becher von der Größe eines Milcheimers schlürfte.
Es gab doch einen Grund, warum er von mir keine koffeinhaltigen Getränke bekommt…