Vietnam mit Haken
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 18. Oktober 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema Vietnam – da hatte ich ja hier im Trader´s Daily deutlich gemacht, wie attraktiv ich diesen Markt finde. Gleichzeitig hatte ich bedauert, dass es noch kein entsprechendes Vietnam Index-Zertifikat gibt. Trader´s Daily-Leser Dietmar S. schreibt mir dazu:
„Ich bin zwar ungern ein Naseweiß oder Besserwisser, aber gerade gestern
war eine Werbung bei CortalConsors über ein Vietnam Zertifikat, WKN LBB1XG.
Was halten Sie davon?“
Meine Antwort:
Tja, wie gesagt: Ich warte auf ein Vietnam Index-Zertifikat, und zwar ein „richtiges“. Es gibt wohl einige Vietnam-Zertifikate, aber die beziehen sich nicht auf den vietnamesischen Index, sondern auf irgendwelche Fonds und haben den einen oder anderen Haken.
Nehmen wir mal konkret das genannte Zertifikat LBB1XG: Das bezieht sich auf einen Londoner Vietnam-Fonds mit einigen Vietnam-Aktien. Natürlich zahlt dieser Fonds seinen Managern eine Managementgebühr. Punkt eins.
Auf diesen Fonds bezieht sich das genannte Zertifikat, und natürlich will auch die LBB (Landesbank Berlin) daran noch etwas verdienen. Sie kassiert eine Managementgebühr von 1% jährlich und einen Ausgabeaufschlag von 2%. Hinzu kommt auch noch: Das Zertifikat LBB1XG kann einen Großteil des Anlagevermögens als „unverzinste Anlagekomponente“ halten. Na, drei Mal dürfen Sie raten, wer sich darüber freuen würde? Klar, die LBB selbst, denn ihr wird dadurch Kapital zu Null Zinsen zur Verfügung gestellt. Glauben Sie, dass die LBB sich das entgehen lassen wird? Da ist doch ein klarer Zielkonflikt vorprogrammiert, eine volle Investitionsquote sehr unwahrscheinlich.
Für die LBB sicher eine gute Sache (sie erhält Managementgebühren, Ausgabeaufschlag, ihr wird zinslos Kapital zur Verfügung gestellt, mit dem sie arbeiten kann); derjenige, der dieses Zertifikat entworfen hat, ist sicher ein cleveres Kerlchen (vielleicht auch eine Frau, obwohl das ja eher selten in diesem Geschäft ist, keine Ahnung warum). Aber ich in meiner Funktion als Investor halte davon überhaupt nichts! Da müssen wir nicht dabei sein. Da kann die CortalConsors-Werbung noch so toll sein. Nein, danke.
*** Achja, das wollte ich Ihnen ja noch mitteilen, auch wenn es keine „breaking news“ mehr sind: Das amerikanische Leistungsbilanzdefizit ist auf ein neues Rekordhoch geklettert. Und „Rekordhoch“ ist in diesem Bereich nichts Positives, ganz im Gegenteil.
Im August haben die Amerikaner für 69,9 Mrd. Dollar mehr importiert als exportiert. Das sind über 2 Milliarden Dollar pro Tag, die außer Landes flossen. Kein Wunder, dass sich in den kalifornischen Häfen nach wie vor leere Frachter stauen. Sie kommen voll beladen aus China an, löschen ihre Fracht – haben dann aber nichts, was sie auf ihrer Rückfahrt mitnehmen können.
Ein gewisses Handelsbilanzdefizit ist kein Problem, es hängt auch davon ab, wie es sich zusammensetzt (werden z.B. Maschinen importiert, die zwar ein Minus in der Handelsbilanz verursachen, aber dafür später produktiv eingesetzt werden können?). Problem aber im Fall der USA: Es werden Konsumgüter und keine Maschinen importiert, zudem ist die relative und absolute Höhe des Defizits inzwischen einfach „krass“. Und es kommt ja noch das US-Haushaltsdefizit dazu, welches – anders als in Europa – nicht im eigenen Land finanziert werden kann: Die Amerikaner sparen nämlich praktisch nichts.
Keine Entlastung für den Dollar also von dieser Seite. Solange sich an den gerade skizzierten Belastungsfaktoren nichts ändert, bleibe ich gegenüber dem Dollar skeptisch.
Viele Grüße,
Michael Vaupel
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