Vielen Dank, Zentralbanken!
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 18. September 2008, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nein, die Überschrift ist keinesfalls ironisch gemeint. Tatsächlich bin ich heilfroh, dass sich die Zentralbanken der gegenwärtigen Problematik, der Finanzkrise bewusst und so aktiv geworden sind wie möglich.
Spürbar ging heute ein erstes Aufatmen durch die Welt der Finanzmärkte nachdem die Zentralbanken rund um den Finanzplaneten nun weitere 247 Milliarden US-Dollar ins System pumpen.
247 Milliarden US-Dollar - das klingt nach einem großen Batzen Geld...aber ich schätze dieser Betrag wird noch nicht das Ende vom Lied gewesen sein. Vielmehr markieren die heutigen Geschehnisse wohl erst einmal einen Anfang - allerdings einen bedeutsamen Anfang, der zu einem ersten Aufseufzer der Erleichterung geführt hat.
Diese Erleichterung ist sprichwörtlich Gold" wert, denn hätten die Zentralbanken nicht gehandelt dann stünde uns wohl der Zusammenbruch des Finanzsystems bevor.
Klingt das dramatisch? Das soll es auch. Schön zu reden gibt es da nichts. Das Finanzsystem kann nur funktionieren, wenn die Finanzmarktteilnehmer auch daran glauben. Doch gerade diesen Glauben drohten sie in den vergangenen drei Tagen zu verlieren.
Spätestens gestern wurde dann deutlich, dass weder AIG-Verstaatlichung, noch die bisherigen Summen die schnell ins System gepumpt wurden ausreichen würden um das Vertrauen der Banken untereinander wieder herzustellen und den daraus resultierenden Zusammenbruch zu verhindern.
Einzig eine Überlebensstrategie blieb dann noch (wie ich schon gestern geschrieben hatte): noch mehr Liquidität musste bereitgestellt werden.
So kann ich nur noch einmal wiederholen, wie heilfroh ich bin, dass sich die Zentralbanken rund um die Welt heute dieser besonderen Aufgabe bewusst geworden sind.
Tatsächlich sind erste Auswirkungen nun auch spürbar:
Die Kosten zu denen sich die Banken untereinander im Interbankenmarkt Geld leihen sind mittlerweile gesunken. Libor (London interbank offered rate) fiel heute auf 3,84 % von 5,03 % gestern. Zum Vergleich der Dimensionen, von welchen wir hier sprechen: noch in der letzten Woche (als alle noch die rosarote Brille trugen) stand Libor bei 2,15 %.
Langsam fangen die Banken an sich zu entspannen, und langsam, sehr langsam wird so etwas wie der Beginn eines neuen Vertrauens in das Finanzsystem deutlich.
Weiteres Vorgehen
EZB, SNB, BoE, BoJ und die BoC haben ihre Liquiditätslinien aufgestockt. Diese stehen seit heute morgen nun wie folgt:
Bank of Canada 10 Mrd
Bank of England 40 Mrd
EZB 110 Mrd
Bank of Japan 60 Mrd
Schweizer Nationalbank 27 Mrd
Die FED hat 105 Milliarden an temporären Reserven hinzuaddiert. Das US-Finanzministerium will weitere 100 Milliarden USD aufbringen.
Die russische Regierung gab bekannt ab morgen in den russischen Aktienmarkt investieren zu wollen. Gestern wurde der Handel aufgrund des massiven Kapitalabflusses eingestellt. Schätzungsweise 36 Milliarden USD an ausländischem Kapital sind seit Anfang August aus dem russischen Aktienmarkt abgeflossen. Zudem wird Russland 44 Milliarden USD für die russischen Banken bereitstellen.
Chinas Regierung gab bekannt, die Anteile an den Staatsbanken aufstocken zu wollen um den Markt zu stabilisieren.