Viele sinnlose Kriege
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 09. Mai 2005 18:00 Uhr
ENL5454
In den Nachrichten gab es zuletzt wenig, das meine Aufmerksamkeit erforderte. Die Fed hat die Zinssätze angehoben. Man verschenkt auch weiterhin Geld, die Verbraucherpreise steigen im gleichen Maß.
Das Meiste von dem, was man in den Nachrichten erfährt, verursacht nur Lärm. Das ist nicht nur sinnlos, es ist sogar von Nachteil ... denn es hält einen davon ab, über die Dinge nachzudenken, die einen wirklich interessieren. Sicher, gerade darum sind die Nachrichten ja so beliebt, sie bieten Ablenkung und Zerstreuung. Man könnte ebenso gut fernsehen oder Züge beobachten.
Jede Form der Ablenkung ist immer noch besser als wirkliches Nachdenken. Es gibt Beweise, dass die Leute sogar lieber sterben als nachzudenken. Kriege werden mit Scheinargumenten angefangen. Anfangs zögern die Leute oft noch, bevor sie sich in den Krieg verwickeln lassen. Aber wenn sei erst einmal drin stecken, dann werden sie bald von einem primitiven Instinkt beherrscht. Dann wird der Kriegslärm zum Wichtigsten. Die Leute werden davon völlig betäubt, sie hören vollständig auf zu denken. Und das Nächste, was man sieht ist, wie sie durchs Niemandsland wandern und der Feind versucht, so viele von ihnen wie möglich abzuknallen. Sie können sich nur noch auf den Krieg selbst konzentrieren ... und wie sie ihn gewinnen wollen ... oder zumindest, wie sie überleben wollen. Kaum jemand scheint mehr in der Lage zu sein, die Nachrichten auszustellen und die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Warum sollten wir überhaupt kämpfen? Was kann auf der Welt so bedeutend sein, dass man bereit ist, dafür zu sterben? Mitleid mit demjenigen, der die Frage stellt! Er wird sofort festgenommen und als Verräter an den nächsten Baum gehängt.
Rückblickend kann man sagen, dass aus amerikanischer Sicht nicht ein einziger der amerikanischen Kriege wert war, dafür zu sterben. Niemals haben fremde Angreifer das Land wirklich bedroht. Pancho Villa ist über die Grenze nach New Mexico gekommen und hat ein paar Menschen umgebracht. Aber sein Angriff hatte mehr von einem Banküberfall, als von einer Invasion. 1812 segelten die Briten den Patuxent und den Potomac herauf – sie zündeten auf ihrem Weg ein paar Häuser an und später das Kapitol. Aber sie haben den Rest der Nation nie wirklich bedroht. Selbst der Bombardierung von Pearl Harbour – zugegeben, ein kriegerischer Akt – hätte keine Invasion folgen können, weil den Japanern ganz einfach die Mittel dazu gefehlt hätten. Nur ein einziges Mal war die gesamte Nation wirklich bedroht: als Lincoln mit seinen Truppen in Virginia einfiel. Sicher, jeder Junge im Süden, der sein Herz am rechten Fleck hatte, wusste was zu tun sei: er holte sein Gewehr und forderte die Angreifer heraus. Aber selbst damals hätte man wohl besser daran getan, die gesamte Angelegenheit zu ignorieren. Sie ging für fast alle schlecht aus.
Aber was könnte wichtiger sein, als die Ehre des eigenen Landes zu verteidigen, die Heiligkeit der Heimat ... die Integrität der Börse ... den Stolz der Menschheit ... und die Tugend der Frauen?
Darum geht es doch, oder nicht liebe Leser? Wenn man den Lärm der Gewehre und der Registrierkassen einmal ausblendet ... was bleibt dann noch außer der Ruhe. Leere, Nichts, Null ... ein Loch an der Stelle an der einmal das Herz gesessen hat.
"Warum sollte man überhaupt noch Geld verdienen", fragte mich ein Kollege zuletzt beim Abendessen. "Die Dinge, die ich am liebsten tue, kosten kein Geld. Ich gehe gerne surfen. Als ich kein Geld hatte, bin ich fast jeden Tag surfen gegangen. Jetzt verdiene ich jede Menge Geld ... aber ich habe keine Zeit mehr zu surfen. Surfen kostet mich jedoch gar nichts. Das macht doch wirklich keinen Sinn."
Sinn machen? Warum sollte es Sinn machen. Worum geht es denn wirklich? Dass man sich auf ein Unternehmen einlässt, dass die gesamte Aufmerksamkeit fordert. Leute, die es durchlebt haben, berichten, dass sie sich nie lebendiger ... engagierter ... oder wacher gefühlt haben als zu Kriegszeiten. Sie waren erleichtert, als der Krieg vorbei war. Aber sie fühlten sich auch im Stich gelassen. Sie mussten wieder selber nachdenken. Sie mussten wieder die Nachrichten lesen, sich den Lärm anhören und andere Ablenkungen finden. Sie mussten heiraten, Familien gründen. Sie mussten private Kriege finden, in denen sie kämpfen konnten. Diese Kriege waren noch wesentlich bedrohlicher, denn es ging um so viel mehr.
Sie sahen sich dem gegenüber gestellt, was die Existentialisten den Abgrund nannten. Die Feststellung, dass es im Leben um nicht viel mehr geht, als darum, wie wir unsere Tage verbringen. Viele Leute haben ein Hobby ... andere eine Berufung ... Wohltätigkeitsvereine ... Religionen ... Liebesbeziehungen. Wieder andere greifen zur Zeitung und fangen dann an, sich für die Weltverbesserei zu engagieren ... oder für die Zerstörung.
Dschingis Khans Generale erzählten ihm, dass die Falknerei das Aufregendste der Welt sei. Man sagt, er habe geantwortet:
"Das ist falsch. Das größte Glück des Menschen ist, dass er seinen Feind wählen und ihn dann bekämpfen kann, sich seinen gesamten Besitz unter den Nagel reißen kann, die verheirateten Frauen weinend und klagend zurücklassen kann, seinen Wallach reiten kann.