Viele Faktoren stützen den Dax bis weit in das Jahr 2006
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 30. Juni 2005 18:00 Uhr
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Es wird viel und erhitzt darüber diskutiert, welche Auswirkungen die Vertrauensfrage und eine mögliche Intervention des Bundesverfassungsgerichts auf die Märkte haben wird. Tatsächlich würde die dann entstehende Unsicherheit eingepreist werden müssen. Kurzfristig könnte es demnach zu fallenden Kursen kommen. Aber dann wird trotzdem weiter darauf spekuliert werden, dass eine andere, neue Möglichkeit gefunden wird, es nur zu einer zeitlichen Verschiebungen kommt. Politische Börsen haben kurze Beine.
Etwas viel Entscheidenderes passiert derweil im "Hintergrund". Heute wird die Fed die Leitzinsen auf 3,25 % anheben. In Europa hingegen haben wir immer noch einen Zinssatz von 2 %.
Niedrige Zinsen stimulieren die Wirtschaft
Einige von Ihnen werden sich an die Theorien zu niedrigen Zinsen und der Stimulation der Wirtschaft erinnern, die ich hier vorgestellt hatte, als die US-Zinsen Rekordtiefs erreichten. Die USA sahen und sehen sich nun gezwungen, aufgrund der Inflationsgefahren, aber auch um einer noch stärkeren Ausweitung der Immobilienblase entgegen zu treten, die Zinsen immer weiter anzuheben. Sie wird ein Niveau anstreben, von dem sie denkt, dass es die Wirtschaft nicht allzu sehr belastet und gleichzeitig die Inflationsgefahren eindämmt. Um welches Niveau es sich hierbei handelt, dass weiß wohl zurzeit nicht einmal wirklich die Fed. Festhalten kann man jedoch, dass nicht mehr viel Spielraum nach oben übrig ist. Die Zinserhöhungen zeigen schon eindeutige belastenden Auswirkungen auf die US-Wirtschaft.
Doch nun zu Europa. Die Zinsen sind nun hier niedrig. Das wird einen ähnlichen Effekt haben, wie seinerzeit in den USA. Die Wirtschaft wird stimuliert. Billiges Geld sucht sich Anlagen, Aktien sind dabei nicht wirklich uninteressant. Wie gesagt, Deutschland liegt in der internationalen Anlegergunst weit vorne, nicht ohne Grund.
Die Dollarstärke ist vorrübergehend
Denken wir weiter: Spätestens wenn die USA ihr ausgeglichenes Zinsniveau erreicht haben, wird den Devisenhändlern auffallen, dass damit auch die unterstützende Wirkung, die Dollar stärkende Stimulierung ein Ende findet. Bleiben wird die Vielzahl schwächender Faktoren (Handelsbilanzdefizite, Haushaltsdefizite, etc.). Zumindest, solange der Zinssatz unter der tatsächlichen Inflation liegt, die deutlich über der offiziellen 3 % liegen dürfte. Wenn der Dollar jedoch fällt, werden die US-Märkte auch das wieder einpreisen und ihre durch den starken Dollar mit verursachte aktuelle Schwäche aufgeben.
Der Dax wird in diesem Moment doppelt stimuliert. Durch die niedrigen Zinsen in Europa und durch steigende Kurse in den USA. Der stärker werdende Euro wird hingegen, wie schon im Jahr 2003, keine schwächende Auswirkung auf den Dax haben.
Mit anderen Worten: Wenn die US-Märkte seitwärts laufen und wenn sie steigen, wird der Dax profitieren.
Wird ein fallender US-Markt den Dax belasten?
Die Frage ist also, was macht der Dax, wenn die Kurse in den USA fallen? Hier wird es knifflig. Es geht um die immer wieder auftauchende Frage, kann sich der Dax von den US-Indizes ablösen?
Schauen wir uns die weiteren Voraussetzungen an: Wenn die CDU im Herbst die Wahlen gewinnt, dazu die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer ein Erfolg wird, und davon gehe ich nach dem 3. Platz und dem herrlichen Spiel der deutschen Mannschaft immer mehr aus, dann wird der Dax neben den niedrigen Zinsen zusätzlich stimuliert werden.
Schaut man sich dann die Rentenmärkte und die niedrige Bewertung des Dax und das Interesse der ausländischen Investoren vor der WM an, dann bleibe ich für den Dax sehr bullish. Ich vermute, der Dax könnte auch leichte Kursverluste in den USA kompensieren. Einzig und allein größere Kursverluste in den USA können den Dax aus dem Tritt bringen.
In den USA bleibt die alte und alles entscheidende Frage bestehen: Schafft die Fed es auf dem Drahtseil, auf dem sie torkelt, das Gleichgewicht zu halten? Wird die Fed weiterhin keinen groben Schnitzer schlagen, der die Märkte erschreckt?
In den letzten zwei Jahren ist dies der Fed gelungen, aus diesem Grund würde ich solange davon ausgehen, dass es ihr auch weiterhin gelingt, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Zum Markt:
Unübersichtliche Situation im Dax. Der Dax kann durchaus immer noch das letzte Tief verletzten und damit einen tieferen Boden ausbilden. Gefährlich ist nämlich, dass nun alle Gaps im Dax nach oben zu sind und der Dax nach dem obersten Gap nach unten drehte.
Das Problem: Der Ölpreis ist in den letzten Tagen stark eingebrochen. Hier droht natürlich eine technische Gegenreaktion. Diese würde dann auch die internationalen Märkte wieder belasten.
Die Gefahr eines klaren Doppeltopps droht im Dax allerdings nicht mehr, die Aufwärtsdynamik ist deutlich schwächer als die Abwärtsdynamik gewesen ist. Trotzdem, tricky alles.
Sollte das letzte Hoch nun jedoch nachhaltig nach oben gebrochen werden, empfiehlt sich, wie bisher, einfach weiter vorsichtig die Longpositionen auszubauen.
Warten wir, was Greenspan heute sagt und wie die Märkte darauf reagieren.