Viele Daten werden heillos überschätzt
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 11. Januar 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
hoffentlich haben Sie das Wochenende gemütlich und hinter dem Kachelofen verbracht. Denn wenn der Winter für einen durchschnittlichen Rheinländer zu einer Herausforderung wird, dann liegt der Schnee in anderen Teilen der Republik sicherlich richtig hoch...
Die Aktienmärkte haben die erste Handelswoche gut überstanden und der DAX hat sich sogar oberhalb der vor allem psychologisch wichtigen Marke von 6.000 Punkten eingenistet.
US Arbeitsmarkt enttäuscht....
Dabei hätten die Indizes auch gute Gründe gehabt, ihr bis zum Freitag erwirtschaftetes Kursplus wieder abzugeben. Denn der weltweit viel beachtete US-Arbeitsmarktbericht war eine Enttäuschung für die Optimisten, die nach dem positiven November-Bericht auf einen stetigen Verbesserungsprozess gewettet hatten. Genährt wurde die Hoffnung auch durch die freundlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe vom Donnerstag. Die Monatsstatistik allerdings zeigte einen überraschenden beschleunigten Beschäftigungsabbau im Dezember. Die Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft sank auf Monatssicht um 85.000 Personen, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten hingegen nur mit einem Abbau von 8.000 Stellen gerechnet.
Wie Sie vielleicht wissen, denke ich über diese monatlichen Zahlenspielchen und die mit ihnen verknüpften Erwartungen etwas anders, bzw. halte sie für ein total aufgeblähtes Medienspektakel. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die Abweichung von einigen Tausenden Arbeitsplätzen mehr oder weniger innerhalb einer sowieso geschönten amtlichen Statistik, die Trader und Anleger weltweit für einige Tage in Aufregung versetzt.
.....Aber die Indizes bleiben unbeirrt
Der Arbeitsmarkt ist starken und auch saisonalen Faktoren unterworfen. Es ist für meinen Geschmack völlig ausreichend, dessen Trend sorgfältig zu verfolgen. Vor allem handelt es sich hier aber um einen der Konjunktur nachhinkenden" Indikator, der einem Blick in den Rückspiegel ähnelt. Lassen wir uns doch davon nicht verrückt machen, denn trotz des jüngsten Rückschlages durchläuft der Arbeitsmarkt eine Stabilisierungsphase. Viel entscheidender ist doch, wie die internationalen Indizes auf die Zahlen reagiert haben. Daran kann man ablesen, wie widerstandsfähig die Märkte derzeit gegen vermeintlich schlechte Nachrichten sind. Die Tatsache, dass nach wenigen Minuten der Irritation, die von den Tradern dazu genutzt wurde, abwechselnd ihr Kapital mit Short- und mit Longpositionen umzuverteilen, sich die Märkte stabilisierten, werte ich als positiv. Daran erkennen Sie die Grundverfassung eines Marktes. Innerhalb trendstarker Erholungsphasen werden kleine Dellen im Trend wieder rasch von den Investoren gekauft.