Viel Show um nichts
Adam Lass in Baltimore in Traders Daily
vom 07. Februar 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Stellen Sie sich das vor: Pressemeldungen, Reden, Gerüchte und Widerrufe über 51 Tage, aber was tut die Fed, wenn es zur Sache geht?
Nichts und wieder nichts. Nada.
Es ist ja nicht so, dass sie nicht hart arbeiten würden. Schließlich muss man zugeben, dass es sehr ermüdend sein kann, wenn man dauerhaft seine Brauen voller Sorgen in Falten legen muss.
Sie machen sich Sorgen wegen der Inflation (nicht dass es eine Inflation gäbe, ganz und gar nicht). Sie sind eher in Sorge wegen der Möglichkeit, dass eine nicht-existente Inflation aus dem Ruder geraten könnte.
Sie machen sich auch Sorgen wegen eines wirtschaftlichen Einbruchs (nicht dass es einen gäbe… oh, das kommt mir doch gleich bekannt vor). Stattdessen stehen wir einer bemerkenswert stabilen Wirtschaft gegenüber, die irgendwann, in einer unbestimmten Zukunft in einer sanften Talsohle schwächer werden könnte.
Und deswegen tut die Fed nichts. (Ach herrje, da ist es schon wieder, dieses Gefühl eines Déjà Vus.)
Um genau zu sein hat Mr. Bernanke, seit er den großen Stuhl am Tischende übernommen hat, über acht FOMC Treffen präsidiert, die alle endlose reams von Material hervorgebracht haben – und eine Bewegung um drei Viertel Punkte.
Nach dem atemberaubenden Aktivismus seines Vorgängers, feiern die Freigeister überall im Land den Pazifismus des Ben Bernanke. Vielleicht haben sie Recht, wenn sie wünschen, dass die Apparatschiks der Zentralbank von Anfang an nie Hand an die Gangschaltung des freien Marktes gelegt hätten.
Aber sie haben das – zum Besseren oder Schlechteren – über weite Teile des vergangenen Jahrhunderts genauso gemacht. Und jetzt ist das System so gründlich aus den Fugen, dass es zu spät sein könnte, es noch aufzuhalten.
Und um ganz offen zu sein, mehr als einige Beobachter fangen an, sich zu fragen, ob der gegenwärtige Vorsitzende vom Ausmaß des Problems ganz einfach zurückschreckt, oder ob er vielleicht, weil er in allererster Linie ein Akademiker ist, einfach von seiner Verfassung her nicht in der Lage ist, mit widersprüchlichen Meinungen zurechtzukommen.
Vielleicht würde er sich in solchen Momenten lieber wieder in Richtung seines Büros verdrücken, um dann dort ein Glas Milch zu trinken und ein ausgedehntes Nachmittagsschläfchen zu halten. Verdammt, die Ankündigungen wurden erst um 14:15 h veröffentlicht. Es bleibt also immer noch genug Zeit, vor den Abendnachrichten noch ein Nickerchen zu machen.
Nachdem dieses Nicht-Ereignis vom Kalender ist, wird der Markt jetzt vermutlich anfangen, auf die Anreize der ersten Generation zu reagieren, anstatt sich endlos Gedanken darüber zu machen, wie die Fed die Dinge wohl interpretieren wird. Denn die Antwort auf diese Frage kennen wir doch schon längst. Sie werden besorgt sein.