Viel neues Papiergeld
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. April 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserin, lieber Leser!
Nach den Gewinnen der letzten Tage scheinen sich die Bullen aktuell etwas schwerer zu tun, den Aktienmarkt weiter nach oben zu ziehen. Kurzfristig kämpft der Markt mit der Widerstandszone um 4500 Punkte, ehe die Reise weiter in Richtung 4700 bis 4800 Punkte gehen kann.
Ende der Krise?
Nach wie vor kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass die gegenwärtige Bärenmarktrallye nur eine völlig normale" Zwischenerholung innerhalb der Baisse ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Selbst wenn es bis zur 200-Tage-Durchschnittslinie gehen sollte, ändert sich daran relativ wenig. Und auch wenn in den Massenmedien dann beharrlich das Ende der Krise ausgerufen werden sollte, gilt es erst recht, besonders wachsam und vorsichtig zu sein.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, noch immer wird die Dramatik der Jahrhundertkrise unterschätzt und das Publikum sehnt bereits einen neuen Aufschwung herbei. Gegenwärtig wäre es aber schon ein wirklicher Erfolg, die realwirtschaftliche Talfahrt nachhaltig zu stabilisieren.
Comeback der Sonderziehungsrechte
Dies gilt erst recht nach dem sog. Weltfinanzgipfel von London, dessen wesentliches Resultat" die Geldschöpfung mittels IWF-Sonderziehungsrechten war. Ähnlich wie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden die Sonderziehungsrechte temporär" um 250 Milliarden Dollar aufgestockt. Fraglich bleibt am Ende des Tages aber, ob die Ausstiegsstrategie" tatsächlich auch dann wieder verfolgt werden wird. Fakt ist, dass die gegenwärtig extreme Geldmengenausweitung noch nicht inflationär wirkt, weil die Volkswirtschaften weit von ihrem Potenzialwachstum entfernt sind. Am Ende des Tages ist es sehr zweifelhaft, ob die Verantwortlichen wirklich bereit sind, die enorm gewachsene Liquidität wieder zurückzuführen.
Praktische Probleme
Fraglich ist allerdings, ob es tatsächlich politischer Wille sein wird, den unbequemen Weg zu gehen, und die Papiergeldflut dann auch wieder einzudämmen. Hinzu kommt die spannende Frage nach dem Timing, wann schlussendlich tatsächlich optimal die Geldmenge wieder begrenzt werden soll.
Gedrückter Goldpreis
Last but not least noch einige Ausführungen zum Goldmarkt. Auffällig ist, dass der Goldpreis exakt zum G20-Gipfel wieder gen Süden tendiert. Ein Schelm, wer da im Hinterkopf an eine konzertierte Golddrückungsaktion denkt.
Wie auch immer, gegenwärtig notiert das gelbe Edelmetall bei rund 870 Dollar bzw. 648 Euro. Kurzfristig ist es nicht ausgeschlossen, dass die Konsolidierung weiter anhält und es zunächst weiter abwärts (nächste Unterstützung bei 850 Dollar) geht.
Es ist wohl nicht unklug, mit nach unten gestaffelten Kauflimits die Chancen der Konsolidierung zu nutzen. Nur sehr leise sei abschließend wieder auf das Zeitalter der Sonderziehungsrechte in den 70er-Jahren verwiesen, in dem ja Gold gegenüber den Papierwährungen wahrlich keine schlechte Figur abgab....