Vetrauen, Vertrauen und Vertrauen
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 2. Oktober 2008, 17:00 Uhr
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Liebes Nebenwerte-Freunde,
die ganze Woche über ist das beherrschende Thema das gleiche geblieben: Ist das US-Rettungspaket ein probates Mittel um die drohende Rezession zu verhindern?
Oder handelt es sich nur um Stückwerk, bzw. Sozialismus für die Reichen, der von der breiten Masse gezahlt werden muß?
Sind wir dem Untergang geweiht?
Nach dem historischen Absturz der Indizes am Montag Abend kann man ja nur befürchten, dass die Welt ohne diese Maßnahmen dem Untergang geweiht ist. Auf der anderen Seite macht es mich natürlich stutzig, wenn anerkannte Persönlichkeiten wie Jimbo" Rogers sich vehement und mit guten Argumenten gegen die staatliche Alimentation aussprechen. Seiner Meinung nach machen die US-Politiker jetzt die gleichen Fehler wie die Japaner zu Beginn der 90-er Jahre. Diese haben viel zu lange todgeweihte Banken und Institutionen am Leben erhalten und damit die Deflation beschleunigt und die Gesundung des Sektors verzögert.
Ebenfalls macht es mich doch sehr nachdenklich, wenn (in guten Zeiten) eingefleischte Verfechter des freien Marktes nun plötzlich nach dem Staat als weißen Ritter" und Retter in der Not rufen! Genau dies macht nämlich zur Zeit der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, was ihn nicht so sympathisch erscheinen läßt. Ich für meinen Teil würde meine Steuerzahlungen (vor allem meine gestern getätigte Steuervorauszahlung) nicht sehr gerne in einem europäischen Rettungspaket verdunsten sehen.
Wenn ich ehrlich bin ist es mir ganz Recht, dass ich über dieses heikle Thema nicht zu entscheiden habe. Aus persönlich egoistischen und opportunistischen Gründen hätte ich nichts dagegen, wenn der US-Kongress nun auch bald sein Plazet geben würde. Wer hätte sonst nämlich nach einem etwaigen erneuten Absturz der Indizes noch Lust Börsenbriefe wie diesen hier zu lesen, oder Aktienfonds zu kaufen?
Und trotzdem mahnt mich die Vernunft, dass wir nach der Verabschiedung des Rettungspakets" womöglich ein kräftiges Strohfeuer an den Börsen sehen, welches aber die cleveren Investoren und Tader bald wieder als Verkaufsgelegenheit betrachten.
Das Vertrauen muss wieder hergestellt werden
Egal was diese Woche im US-Kongress geschieht. Das verlorene Vertrauen muss wieder hergestellt werden. Die Banken müssen schleunigst damit beginnen, sich wieder Geld zu normalen Konditionen zu leihen und mit einander Kreditgeschäfte zu machen. Sonst fange ich bald an zu grübeln, ob die Banken sich vielleicht deshalb kein Geld leihen, weil sie am besten Wissen wie schlecht es um sie steht. Vor allem muss das Vertrauen aber wieder hergestellt werden, um ein weiteres Übergreifen der Krise vom Finanzsektor in den Unternehmenssektor zu verhindern.
Kürzlich habe ich ja schon darüber berichtet, dass vor allem unsere Nebenwerte ein Indikator für den Vertrauensverlust sind. Leider haben auch diesmal die Charts nicht gelogen. Denn nur wenige Tage nachdem der SDAX unter seine wichtige charttechnische Unterstützung bei etwa 4.000 Punkte sackte, kamen die ersten Meldungen über den Ticker, dass einige kleinere Werte in Schwierigkeiten geraten, da Ihnen die Banken die notwendige Liquidität vorenthalten würden. Dies ist leider für mich ein sicheres Zeichen dafür, dass wir mit recht großer Sicherheit vor einem zähen konjunkturellen Abschwung stehen. Bisher ähnelt der Verlauf des Abschwungs exakt dem des Jahres 2000. Nach dem ersten Abverkauf an der Börse sind die Analysten und Konjunkturforscher davon überzeugt, dass die Börse übertreibt und wir in Wahrheit tolle Kaufgelegenheiten sehen. Obwohl die Charts natürlich nie lügen. Dann setzt sich die Baisse durch, die Analysten werden langsam pessimistischer und beginnen viel zu langsam, die Gewinnprognosen der eben noch billigen" Aktien herunter zu setzen. Plötzlich" sind Aktien nicht mehr billig sondern teuer. Die Lobby der Bankanalysten kann sich dem Zyklus nicht mehr widersetzen und stellt die meisten Aktien auf sell".
Dies ist der Zeitpunkt, in dem die ersten zyklischen Aktien wieder ihre Nasen nach oben wenden - Zumindest wenn es sich um einen harmlosen Abschwung handelt. Welche Nebenwerte Sie in diesem Fall auf jeden Fall haben müssen, erfahren Sie natürlich wie gewohnt zu erst im Nebenwerte-Insider http://www.investor-verlag.de/
In Fällen einer schweren Rezession aber, in die wir nun alle Chancen haben herein zu schlittern, kann es noch einige weitere Quartale andauern, bis sich die Indizes wieder erholen.
Hoffentlich habe ich Sie nicht zu sehr erschreckt, ich will Ihnen nur zeigen, dass man als Investor stets auf ALLES vorbereitet sein muß.
Ich für meinen Teil habe vor einem Jahr nicht daran gedacht das bald die größten Investmentbanken der Welt umfallen würden.
Um Sie nicht deprimiert ins lange Wochenende entlassen zu müssen: In sehr vielen bisherigen Börsenzyklen waren Panik-Kurse Kaufgelegenheiten.
Ich wünsche Ihnen trotz der großen Unsicherheit ein tolles langes Wochenende!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Klaus Buhl