Vertrauenskrise und Nebenwerte
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 19. Juni 2008, 17:00 Uhr
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Liebe Leserinnen und Leser,
Eigentlich habe ich kein Interesse daran Sie hier mit Themen zu beschäftigen, die schon so lange in der Presse weich gekocht werden, dass sie uns schon längst auf die Nerven gehen! Ein solches Thema ist zweifelsfrei die Subprime"-Krise.
Die durch den US-Bankensektor verursachte internationale Finanzkrise hält seit etwa einem Jahr die weltweiten Kapitalmärkte in Atem und lähmt die Börsen.
Aber trotzdem liegt mir vor allem ein Aspekt der Kreditkrise sehr auf dem Herzen, da er die Nebenwerte viel stärker als die großen Werte (be) trifft!
Strukturwandel im Bankensektor
Es geht mir um den krassierenden Effekt des Vertrauensverlustes, der nämlich nur vordergründig alleine den Bankensektor betrifft, aber alle Bereiche des Wirtschaftslebens in Mitleidenschaft zieht. Und am aller stärksten die jungen und innovativen Unternehmen, die noch nicht über eine gefestigte Kapitaldecke verfügen und Kredite der Banken benötigen.
Ganz offensichtlich hat sich in den vergangenen Jahren ein Wandel in der Bankenlandschaft vollzogen, der nicht positiv war! Dieser Wandel wurde vor allem durch den immer stärkeren Ertragsdruck auf die Banken und deren Renditehunger ausgelöst, aber auch durch den erhöhten Wettbewerb in Folge der Globalisierung.
Deshalb wurden neue Ertragsquellen gesucht und auch gefunden, die mit dem klassischen Bankgeschäft kaum gemeinsames haben.
Im traditionellen Bankgeschäft werden nämlich die Spareinlagen der eigenen Kunden gebündelt und als Kredite an die eigenen Kunden weitergereicht. Diese müssen dafür einen Zinssatz bezahlen, der vom Kapitalmarktzins und der persönlichen Bonität bestimmt wird. Von diesem Vorgehen haben sich aber die meisten Banken zunehmend gelöst und vermeintlich pfiffige Investmentprodukte" kreiert, in dem sie Kreditrisiken gebündelt und handelbar gemacht haben. So wurden einerseits die Bilanzen von Risiken bereinigt, und andererseits durch den Ankauf von vermeintlich risikofreien Kreditforderungen der Ertrag erhöht.
Durch diese beschriebene Bündelung von angeblich risikofreien" Forderungen, die außerdem noch von ehemals ehrwürdigen Ratingfirmen mit besten Benotungen versehen wurden, nahm dann das Unheil seinen Lauf, welches ich heute als Vertrauenskrise bezeichne.
Denn obwohl sich einige Banken, vor allem die eigentümergeführten Privatbanken, traditionell verhalten haben, also keine Kreditforderungen verkauft, bzw. angekauft haben, befinden wir uns nun fast alle in der Patsche.
Schleichender Vertrauensverlust
Genauer gesagt befinden wir uns nicht in der Patsche, sondern in der Kreditklemme!
Denn wie ich oben beschrieben habe, ist es einigen gierigen Investmentbanken gelungen, die teils faulen Kredite an Banken auf der ganzen Welt weiter zu veräussern.
Doch prekär wurde die Angelegenheit erst zu dem Zeitpunkt, an dem die Zinsen allmählich stiegen, da nun die erhöhte Zinslast immer mehr Schuldner in die Knie zwingt und die Ausfallrate der Kredite in die Höhe schnellt. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Banken sich gegenseitig nicht mehr trauen und sich selbst nur noch Geld gegen hohe Zinsen leihen.
Den Umfang des Misstrauens können Sie an dem Zinssatz ablesen, zu dem sich bspw. die Frankfurter Geschäftsbanken gegenseitig Geld ausleihen (FIBOR). Dieser liegt zur Zeit weit oberhalb des Zinssatzes kurzfristiger Bundesschatzbriefe.
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