Versucht erst einmal, zu sparen!
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 13. Februar 2004 18:00 Uhr
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Am Mittwoch sind die Walt Disney Aktien um 14 % gestiegen, nachdem Comcast 66 Milliarden Dollar für dieses Unternehmen geboten hatte. Dieser Kursanstieg beim Schwergewicht Walt Disney beförderte den Dow Jones auf ein frisches 32-Monats-Hoch. Und Alan Greenspan hatte diese positive Stimmung mit seinen Kommentaren ja noch verstärkt: "Die Wahrscheinlichkeit für nachhaltiges robustes Wachstum ist hoch", so Greenspan. "Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Beschäftigung damit anfangen, schneller zu wachsen, während die Produktion weiter expandieren wird."
Ich will dieses Thema an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, da mein Kollege Jochen Steffens darauf gestern ja bereits eingegangen ist. Die Botschaft an die Märkte war jedenfalls: Die Fed wird die Zinsen nichts so bald erhöhen.
Allerdings waren die Dollar-Besitzer nicht so glücklich darüber, dass Greenspan die Wichtigkeit der amerikanischen Haushalts- und Handelsbilanzdefizite herunterredete. Der Dollar fiel gegenüber dem Euro deutlich, auf rund 1,28. Und auch der Goldpreis ist gestiegen, er steht wieder bei über 410 Dollar je Feinunze.
Aber die Besitzer von US-Aktien, US-Anleihen und Gold freuten sich. Aber Moment mal ... werden nicht die US-Aktien, die US-Anleihen und der Goldpreis in Dollar notiert? Also wenn der Dollar um über 1 % gefallen ist ... haben dann nicht auch alle diese Investoren Geld verloren? Aber was weiß ich schon; ich versuche nur, meinen finanziellen Kopf über Wasser zu halten, in dem ich die eine Anlage besitze – Gold –, die wahrscheinlich so stark steigen wird, wie der Dollar fallen wird.
Als ich mir die Greenspan Rede anhörte, da kam mir die Phrase "abgehoben von der Realität" in den Sinn. Die steigenden Aktien- und Anleihenmärkte feiern die "Realität", die Greenspan porträtiert: Eine Volkswirtschaft in Kauflaune, mit so gut wie keinen Mäkeln.
Vielleicht ist dieses Porträt korrekt. Aber es scheint zumindest einen sehr wichtigen Punkt herunterzuspielen: Die amerikanische Nation hängt sehr stark von der Freundlichkeit des Auslands ab. Die USA genießen eine Art von Reichtum, der nur floriert, solange die ausländischen Kreditgeber nicht vergessen, den Amerikanern zur Essenszeit die Flasche zu geben.
Die Ausländer produzieren, damit die Amerikaner konsumieren können. Die Ausländer sparen, damit die Amerikaner sich Geld leihen können, um es auszugeben. Wie schön es im Februar 2004 doch ist, ein Amerikaner zu sein!
Sich verschulden und Geldausgeben, das hat die US-Wirtschaft so lange ausgehalten, dass dieses Phänomen von den meisten Investoren kaum bemerkt wurde. Und der Fed-Vorsitzende hat dies noch nicht einmal für erwähnenswert gehalten. Aber die äußerst magere nationale amerikanische Sparrate ist ein wirklich bemerkenswertes Phänomen.
"2002 ist die amerikanische nationale Sparrate (Brutto-Ersparnisse minus Abschreibungen) auf das Nachkriegstief von 2,4 % gefallen", so Paul Kasriel von Northern Trust. "Das war der niedrigste Wert seit der Weltwirtschaftskrise! Obwohl die Zahlen für das vierte Quartal 2003 noch nicht verfügbar sind, sieht es so aus, als ob wir 2003 ein neues Rekordtief erreicht haben, denn der Durchschnittswert für die ersten drei Quartale des Jahres lag bei nur 1,2 %." Keine Sorge, die Ausländer sparen für die USA ..."Die Daten der Fed zeigen, dass ( ...) das ausländische Anlagevermögen in den USA bereits bei 2,3 Billionen Dollar liegt, oder 21 % des nominellen BIP. Und dieser Wert erhöht sich derzeit um 550 Milliarden pro Jahr", so Kasriel weiter. "Ich schätze, dass der Dollar in den nächsten 20 Jahren oder so deutlich tiefer fallen wird, während die amerikanischen Zinsen eine Menge steigen werden ..."
Die Amerikaner schaffen es nicht, einen Cent zu sparen ... und dennoch wollen sie die Welt retten.
Mein Rat: Versucht erst einmal, Cents zu sparen.