Verstaubte Bärenkappen und ein ausgebrochener Nasdaq100
Jochen Steffens in Traders Daily
vom 26. April 2007 12:00 Uhr
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So, der Nasdaq100 hat vorgestern mit 1858,87 Punkten einen Schlusskurs über der oberen Begrenzung seiner Seitwärtsbewegung (1850 Punkte) ausgebildet. Damit ist die Seitwärtsbewegung nach oben aufgelöst. Nach klassischer Charttechnik ergibt die Spanne dieser seit November existenten Seitwärtsbewegung an die obere Begrenzung gelegt das Kursziel! Das liegt demnach ungefähr bei 1960 bis 1970 Punkten. Da wir uns dann jedoch in der Nähe der 2000 Punkte-Marke befänden, die psychologisch enorm wichtig ist, gehe ich davon aus, dass auch dieser Marke dann noch getestet wird. Also natürlich nur dann, wenn der Nasdaq100 zuvor bis zur 1960 Punkte-Marke läuft. Interessanterweise befindet sich an der 2000 Punkte-Marke auch die obere Begrenzung eines Aufwärtstrendkanals, hier sollte dann also spätestens Schluss sein:
Die Indizien für einen nachhaltigen Ausbruch sind günstig, denn der falsche Ausbruch nach unten Anfang März ist ein Hinweis auf einen richtigen Ausbruch nach oben. Das sieht man so gerne in Seitwärtstrends, ein fast idealtypisches Prozedere. Steht uns also noch ein starker Anstieg bis zum Sommer bevor? Es würde alles passen: Der S&P500 am oder über dem Allzeithoch, der DAX am Allzeithoch, der Nasdaq100 bei der 2000er Marke und der Dow Jones bei der 14.000 Punkte-Marke. Eigentlich alles ideal. Vielleicht fast schon zu ideal?
Es ist immer gut, wenn alles zusammen passt
Meiner Erfahrung nach ist es ein gutes Zeichen, wenn mehrere Indizes gleichzeitig vor ähnlich markanten Widerstandszonen stehen oder ähnliche Kursziele haben. Da solche Widerstände und Kursziele (darunter besonders diese Allzeithochs) eine starke Anziehung auf Kurse ausüben, müsste es also mit dem Teufel zugehen, wenn wir diese Marken nicht erreichen.
Noch ist aber der Ausbruch des Nasdaq100 nicht wirklich nachhaltig. Noch kann es sich, wie es bei Seitwärtsbewegung häufig geschieht, um einen falschen Ausbruch (false Break) handeln. Auch das müssen wir im Hinterkopf behalten.
1704 % mit einem Optionsschein
Ich hoffe auch für meine Leser des Target-Traders, dass wir diese vielleicht letzte Rallye in diesem Jahr noch erleben. Das Target-Trader Gesamtdepot hat gerade mit kumulierten 4126% Gewinn die 4000% Marke überschritten. Einzelne Positionen stehen kurz davor zu explodieren. Der DAX Call, von dem ich hier schon berichtete habe, hatte gerade 1704% Gewinn erreicht. Eine Wahnsinns-Performance für einen einzigen Schein. Falls Sie beim nächsten Mal dabei sein möchten, klicken Sie hier!
Aktuell überlege ich, im Sommer, aufgrund der recht hohen Gefahr eines Herbstcrashs, einen oder zwei Zockerscheine auf fallende Kurse zu empfehlen. Scheine, mit denen man sein Depot gut absichern kann und die bei einem Einbruch von 20 bis 25% im DAX 700 bis 1000% Rendite erzielen.
Alles so schön rosig
Wir blicken ein wenig zurück. Erinnern Sie sich noch an 2004?
Damals wurden die Wirtschaftsprognosen heruntergeschraubt, die Sorgen und Ängste um eine Rezession waren groß, jeder rechnete mit dem Schlimmsten, zumindest damit, dass es noch schlimmer wird als damals bekannt war. In dieser Zeit schrieb ich, dass schlechte Wirtschaftsjahre oft gute Börsenjahre sind. Ich begründete das damit, dass die Börse, wenn alles wirklich schlecht aussieht, darauf traden, dass alles besser wird.
Worauf traden die Börsen?
Doch ebenso muss man vorsichtig werden, wenn alles mehr als rosig aussieht. Und im Moment sieht es rosig aus! So hat die Regierung gerade mal wieder die Konjunkturprognose für 2007 von 1,7 auf 2,3% erhöht. In 2008 rechnet sie sogar mit 2,4%! Der Ifo-Index steht mit 107,7 Punkten auch wieder fast auf einem 16-Jahres-Hoch.
Was macht nun die Börse? Unter normalen Umständen wird sie in nicht allzu ferner Zukunft darauf traden, dass die Prognosen für die Wirtschaft und die Gewinnerwartungen der Unternehmen nicht eingehalten werden können, also dass die Entwicklungen schlechter als erwartet ausfallen werden.
Ich habe geschrieben: "unter normalen Umständen ". Denn durch die Abgeltungssteuer kann es sein, dass dieser Effekt um ein Jahr nach hinten verzögert wird. Dazu müssen wir abwarten, wie der genaue Gesetzestext lautet. Doch generell machen mir die guten Konjunkturaussichten, die sich verbreitenden Hurra-Stimmung in der Wirtschaft, für die Börse Sorgen.
Immer hübsch antizyklisch
Ich bin und bleibe ein Antizykliker: Wenn die Welt unterzugehen scheint, schreibe ich: "Kaufen!" Und wenn alles in rosarote Watte gepackt ist, dann gehe ich zu den Warnern in der Bärenwüste. Im Moment bin ich lediglich vorsichtig. Sollten sich jedoch die Stimmungen in der Wirtschaft und an den Börsen weiter verbessern, vielleicht sogar euphorisch werden, dann werde ich zum ersten Mal seit vielen Jahren die Bärenkappe aus dem Schrank holen und sie mir aufsetzen. Sollte die Abgeltungssteuer wie erwartet kommen, dann allerdings erst Januar 2009.
Doch ersteinmal will ich jetzt die Allzeithochs im S&P500 und Dax sehen - also, feuern wir mal die Indizes an: Go, Go, Go!!!
Viele Grüße
Ihr
Jochen Steffens
