Verschuldung der privaten Haushalte auf Rekordniveau
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 29. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Die Aktien stiegen gestern und vorgestern wieder sehr deutlich.
Und warum auch nicht? Die US-Wirtschaft ist im letzten Quartal um 4 % gewachsen. Die Konsumenten geben weiterhin fleißig Geld aus. Häuser werden immer noch verkauft. Weniger Leute verlieren ihre Jobs. Die Preise steigen immer noch, und der Dollar ist immer noch mehr wert, als er eigentlich sein dürfte.
Nun ... was kann ich sagen? Das "Ende der Welt, so wie wir sie kennen" (oder kurz: EDWSWWSK) ist verschoben worden.
Investoren kaufen wieder langfristig Aktien. Bob Prechter wundert sich, warum "sie vor 20 Jahren Anleihen gebunkert haben." Warum haben sie damals nicht langfristig Aktien gekauft – das hätte sich richtig ausgezahlt?
Prechter fand die Antwort auf diese Frage in einem Buch aus dem Jahr 1917, mit dem Titel "One Way Pockets". Der Autor, ein Broker, bemerkte, dass seine Kunden immer kurzfristig tradeten, wenn die Kurse im Keller waren. Wenn die Kurse Tops erreicht hatten, dann kauften sie "langfristig".
Aber woher wissen wir, wann der wirkliche Boden erreicht ist? Die Leute sollten dann nicht mehr langfristig investieren, sondern nur noch traden; Aktien würden dann nicht mehr langfristig gehalten, aus Angst, große Verluste zu erleiden.
Meiner Einschätzung nach sind wir noch weit von einem wirklichen Boden entfernt – und die Kurse laufen derzeit in die falsche Richtung. Die Aktien, die jetzt schon zu teuer sind, werden noch teurer. Und die, die am schnellsten am teuersten werden, sind die, die den Käufern die Verluste bescheren werden, die diese haben wollen: Die Wracks der New Economy. Titel aus den Sektoren Technologie, Telekoms, Halbleiter. Diese und auch Biotechs und sogar Banken stiegen zuletzt signifikant. Diese Wracks sind auf einmal wieder zum Leben erweckt worden ... und ohne sichtbaren Grund.
Warum sollte zum Beispiel jemand Banken kaufen wollen? Am Mittwoch konnte man lesen, dass die US-Banken dieses Jahr 35,6 % mehr faule Kreditkarten-Kredite abschreiben müssen als letztes Jahr. Angesichts des gewaltigen Anstiegs der Konsumentenschulden in den letzten zwei Dekaden scheinen Bankaktien eher ein Verkauf als ein Kauf zu sein. Bei den privaten Haushalten ist der Anteil der Schulden am persönlichen Einkommen von weniger als 60 % im Jahr 1982 auf fast 90 % letztes Jahr gestiegen (laut Fed). Die gesamten Schulden des privaten Sektors sind im gleichen Zeitraum von 140 % des US-Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf fast 200 % des BIPs gestiegen.
Aber was wissen wir schon? Wenn das "EDWSWWSK" (siehe oben) irgendwann eintritt, dann werden Bankaktien zum letzten gehören, was man dann besitzen möchte. Aber wer weiß schon, wann das eintreten wird? In der Zwischenzeit geht das Leben weiter. Ich will Sie nicht verunsichern, wegen Entwicklungen, die nicht vor Montag eintreten werden, oder erst in einigen Wochen, oder vielleicht auch erst in Monaten. Genießen Sie das Wochenende.