Verrückte Börse: DAX springt trotz schwachem Konjunkturindex ins Plus
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 20. September 2011, 14:30 Uhr
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Europa kriselt weiter munter vor sich hin: Italien bekommt von der US-Ratingagentur Standard & Poors eine erneute Abstufung verbraten und in einer Telefonkonferenz zwischen dem von Pleite bedrohten Griechenland und seinen Geldgebern kommt nichts Ordentliches zustande. Und selbst das sind nur einige Gründe, warum die Erholung des deutschen Aktienmarktes auf wackligen Füßen stand. Hatte der DAX in der Vorwoche noch das größte Wochenplus seit langer Zeit verzeichnen können (vom Tief bei 4.995 Punkten am Montag ging es rauf bis auf 5.637 Punkte am Freitag), drehte der Markt gestern schon wieder deutlich ins Minus. Der deutsche Leitindex ging am Montag mit knapp 5.416 Punkten aus dem Handel.
Auch heute lag der deutsche Leitindex zunächst leicht im Minus, pendelte zwischen 5.480 und 5.500 Punkten munter auf und nieder. Um 11.30 Uhr kam dann die plötzliche Wende. Der DAX drehte ordentlich auf und sprang quasi in einem Satz auf 5.551 Punkte, ein plus von 2,5% innerhalb weniger Minuten. Was war passiert? War der von den Anlegern mit großem Interesse erwartete Konjunkturausblick des ZEW (Veröffentlichung um 11 Uhr) etwa doch besser ausgefallen als befürchtet? Nicht ganz. Der wichtige Frühindikator für die Stimmung und die Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft enttäuschte abermals und konnte den traurigen Rekord an Skepsis vom August sogar noch einmal toppen.
Wie eine Befragung des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung von 286 deutschen Finanzmarktexperten ergab, ist die Konjunkturzuversicht hierzulande weiter auf dem absteigenden Ast. Sie ist sogar erneut auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008 gesunken. Die Konjunkturerwartungen seien um 5,7 Punkte auf minus 43,3 Zähler gefallen, teilte das ZEW mit. Auch die Lagebeurteilung gab weiter nach. Sie sank um 9,9 Punkte auf 43,6 Zähler und lag damit deutlich über den Markterwartungen. Jetzt kommt das aber: Die Volkswirte und Börsenakteure waren nach dem August-Desaster wohl von einem noch deutlicheren Rückgang ausgegangen. Im August - dem Monat heftiger Börsenturbulenzen - war das Barometer nämlich um satte 22,5 Punkte auf minus 37,6 Punkte in den Keller gerauscht. Vielleicht reagieren die Aktienmärkte deshalb erleichtert.
Skepsis verstärkt sich weiter, aber nicht mehr so stark wie im August
Fakt aber ist: Mit dem abermaligen Rückgang sind die ZEW-Konjunkturerwartungen nun zum siebten Mal in Folge gesunken. Zudem haben sie sich noch weiter von ihrem historischen Mittelwert bei 25,6 Punkten entfernt. Das zeigt, dass die Skepsis der Finanzmarktexperten bezüglich der künftigen konjunkturellen Entwicklung sich weiter deutlich verstärkt. Allerdings habe sich die Abwärtsdynamik der Konjunkturperspektiven etwas abgeschwächt, schränkte ZEW-Präsident Wolfgang Franz ein.
In einem scheinen sich die Experten also einig: Eine längerfristige Rezession ist für die hiesige Wirtschaft aktuellen Einschätzungen zufolge also vorerst nicht zu erwarten, höchstens eine Abschwächung der Konjunktur. Natürlich sieht das für Länder wie Griechenland und Italien schon wieder etwas anders aus. Und wenn es hier zu deutlichen Verwerfungen kommt, wird das auch an unserer Wirtschaft nicht ohne sichtbare Kratzer vorbeigehen. "Doch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung zumindest dieser Staaten wird nicht zu einer Rezession in Europa führen! Hierfür ist deren Anteil am innereuropäischen Handel einfach zu gering", meinen auch die Experten von "Börsen-Signale".
Man sollte jedoch bedenken, dass die Aktienmärkte mittlerweile deutlich mehr in die Kurse eingepreist haben als eine Konjunkturdelle. Hier wird zum Teil schon jetzt eine Rezession gespielt. "Daher ist es nicht nur ratsam, bei den momentan zu niedrigen Kursen nicht das gesamte Depot aufzulösen, sondern vor allen Dingen auch mit dabei zu sein und nicht zu zögern, wenn die Hausse wieder beginnt! Und damit ist schon noch im Laufe des Jahres zu rechnen. Die Kursgewinne aus dieser Woche werden zwar wohl nur vorübergehend sein. Spätestens wenn die wahrscheinliche Pleite Griechenlands dann offiziell wird, wird es auch mit den Aktienkursen noch einmal bergab gehen. Dann allerdings ist der Moment für den Wiedereinstieg wohl recht günstig. Freilich können wir den Zeitpunkt einer positiven Trendwende wegen der hochgradigen Nervosität der Märkte und politischer Unwägbarkeiten nicht genau vorhersagen. Zumindest warten wir für Käufe noch auf ein positives Signal unseres Gesamtsystems", so die Einschätzung der "Börsen-Signale"-Redaktion.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.
Ihre
Cindy Bach