Vermögen der Amerikaner sinkt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. Februar 2005 18:00 Uhr
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Ich komme auf Alan Greenspan zurück. Nach dem Crash von 1929 waren in Washington in den Räumen des Kongresses Anhörungen abgehalten worden. Das war noch vor der Zeit der Klimaanlagen. Es gab kaum etwas, für das es sich gelohnt hätte, den Sommer schwitzend in der Hauptstadt der Nation zu verbringen. Im Herbst jedoch kam heraus, dass Albert Wiggins, Vorsitzender der Chase National Bank, eigene Aktien geshorted (leer verkauft) und damit Millionen verdient hatte. Sam Insull war Vorsitzender von Commonwealth Edison (der WorldCom der 1920er), einer 3 Milliarden Dollar schweren Energiegesellschaft, deren Bücher von Arthur Andersen geprüft wurden. Als die Polizei ihn besuchen wollte, verschwand er ganz schnell außer Landes. Und der arme Richard Whitney, der Vorsitzender der New Yorker Börse gewesen war, wurde ins Gefängnis geschickt, weil er 30 Millionen aus dem Pensionsfonds der NYSE für sich abgezweigt hatte.
Aber 70 Jahre später wurde Greenspan in den Räumen des Kongresses immer noch wie ein Held begrüßt. Die Politiker zählten – genau wie das "Lumpeninvestoriat" – weiter auf ihn als Retter. Von Greenspan wurde viel, vielleicht zu viel erwartet: nämlich Perfektion. Seine ersten elf Versuche, die Zinsen auf ein Niveau senken, das für eine Wiederbelebung des Aktienmarkts ausreichte, schlugen jedoch fehl. Sie waren ein Fehlschlag – auf der ganzen Linie. Vernünftige Schuldner warteten ab ... während die Unvernünftigen sich noch mehr verschuldeten. Und die Zinssenkungen verursachten unbeabsichtigt in einem anderen Bereich einen Inflationsschub: im Immobiliensektor.
Während einer Rezession sollten die Konsumausgaben normalerweise zurückgehen, und die Sparquote sollte steigen. Das Gegenteil war der Fall. Die Konsumenten verschuldeten sich noch höher und kauften im Vertrauen auf bald wieder bestes Konjunktur-Wetter noch mehr als je zuvor. Alan Greenspan, der spätestens an dieser Stelle eigentlich die Alarmglocken hätte läuten hören sollen, erzählte dem Kongress, dass dieses unbekümmerte Konsumentenverhalten "ein wichtiger Stabilisator für die gesamte Wirtschaft" sei.
Niemand lachte darüber.
Mitte des Jahres 2002 waren dann die Konsumenten schließlich fast so hilflos wie die Zentralbank. Paul Kasriel, Volkswirt bei Northern Trust, zeigte auf, dass das Durchschnittsvermögens der Amerikaner das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg gesunken war. In den späten 1990ern war es pro Jahr im Durchschnitt um 3.700 Dollar gestiegen. Aber in den ersten beiden Jahren des neuen Jahrhunderts war es um 1.000 Dollar gefallen. Am Aktienmarkt waren zwischen 5 und 7 Milliarden Dollar ausgelöscht worden. Nur die Immobilienpreise schienen sich dem deflationären Trend entziehen zu können – bis heute.