Verliert der JPY seine Funktion als Safe-Haven-Währung?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 25. Februar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
während man in den USA aktuell versucht abzuwiegeln und abzulenken, richtet sich der Fokus des Pessimismus wieder verstärkt auf andere Volkswirtschaften. Hatten gerade in den USA im Vorfeld Spekulationen in Bezug auf kommende Bank-Verstaatlichungen wieder einmal die Schockwellen in den Reihen der Anleger verstärkt, kam nun Ben Bernanke, seinen Zeichens FED-Vorsitzender, zur Beruhigung der Aufgewiegelten zu Hilfe geeilt und spielte schlichtweg das Risiko einer Bankverstaatlichung nach unten.
O-Ton-Bernanke:" Ich sehe keinen Sinn darin....formal zu versuchen eine Bank zu verstaatlichen, wenn es schlicht nicht notwendig ist." Übersetzungsversuch aus dem Zentralbankischen: Wenn es notwendig wird, dann tun wir es doch. (?)
Auch US-Präsident Obama strengte sich gestern in einer Rede vor dem Kongress an, seine Leute zu motivieren. Er gehe davon aus, so Obama, dass Amerika aus der Krise "stronger than before" hervorgehen werde. Nun, aktuell erscheint dies eher wie Wunschdenken, denn nach wie vor sind die Leading Indicators (z.B. US Consumer Confidence) negativ und lassen vermuten, dass auch hier noch kein Boden erreicht ist.
Zwar scheinen die Marktteilnehmer noch nicht ganz sicher zu sein, ob sie den US-Offiziellen tatsächlich alles glauben können, aber immerhin: die Aktienmärkte schlossen wieder bedeutend fester und Gold musste seine Gewinn wieder abgeben.
Im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften sind die Aussichten für die USA tatsächlich sogar etwas besser. Die USA haben beispielsweise den Vorteil, dass sie sich eben nicht mit den politischen Risiken, mit denen sich aktuell Europa auseinandersetzen muss, herumschlagen müssen. Und nun kommen ausgerechnet noch aus dem stärksten Zugpferd der Euro-Länder, Deutschland schon wieder schlechte Daten: die Exporte sind gegenüber dem Vorquartal um 7,7 % eingebrochen. Dies führte im 4. Quartal zu einem BIP-Rückgang um 2,1%.
Doch noch pessimistischer ist man gegenwärtig in Bezug auf die japanische Wirtschaft
Japans Exporte sind gegenüber dem Vorjahr um 40% eingebrochen. Die japanische Wirtschaft ist damit auch im 4. Quartal zum dritten Mal in Folge geschrumpft. Das reale Bruttoinlandsprodukt der zweitstärksten Volkswirtschaft der Welt verzeichnet gegenüber dem Vorquartal einen Rückgang um weitere 3,3%. Das ist der stärkste Rückgang seit 1974 (Ölkrise). Der japanische Handelsüberschuss hat sich mittlerweile zum höchsten Außenhandelsdefizit in den vergangenen 2 Jahrzehnten ausgeweitet. Im Januar wuchs das Defizit bis auf 952,6 Milliarden JPY.
Am Freitag schrieb ich Ihnen:" Eigentlich sollte der Yen in den kommenden Wochen weiterhin Stärke beweisen, zumindest bis zum Ende des japanischen Fiskaljahrs, wenn japanische Unternehmen ihre Foreign-Investment-Positionen (also im Ausland) schließen. Ist dies nicht der Fall könnte dies weitere starke Befürchtungen in Bezug auf den Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität in Japan auslösen."
Tatsächlich steht der JPY weiterhin massiv unter Druck - und zwar ganz unabhängig von der vorherrschenden Stimmung, was den Verdacht verstärkt, dass der JPY aktuell nicht mehr als Stimmungsindikator oder Safe-Haven-Währung wahr genommen wird, was schlussendlich nur noch den USD in solcher Funktion zurücklässt.
USD/JPY hat mittlerweile den Widerstand bei 94,54 nach oben durchbrochen und erreichte zwischenzeitlich die 97,24. Aktuell notiert USD/JPY bei 96,45, was Raum gibt für weitere Gewinn in Richtung der 98,89 und hernach 101,67. Technisch gesehen könnte nur ein Bruch der Unterstützungsmarke bei 94,43 und 93,75 nach unten, den Aufwärtstrend wieder in Frage stellen.
Quelle: CFX-Broker
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