Verkaufsdruck
Martin Weiss in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 23. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Der deutsche Leitindex gab in der dritten Woche in Folge erneut heftig nach. Am Freitag ging der Dax bei 6578 Punkten aus dem Handel.
Auch jenseits des Atlantiks dominierten die Bären. Der marktbreite S&P 500 verlor auf Wochensicht gut drei Prozent, der Weltleitindex Dow Jones brach um fast vier Prozent auf nur noch 11842 Punkte ein.
Trendbruch?
Im Hinblick auf die langfristige charttechnische Betrachtung ist der freitägliche Absturz beim Dow Jones unter die runde Marke von 12000 Punkte äußerst brisant. Denn im Bereich um 12000 Punkte verläuft die vom Jahr 1982 ausgehende langfristige Aufwärtstrendlinie. Ein nachhaltiger Bruch derselben würde das endgültige Ende einer Finanzmarktepoche bedeuten. Insofern wäre das Top aus dem Jahr 2007 in seiner Tragweite mindestens ebenso bedeutend wie das Hoch vom März 2000.
Krisennachrichten
Angesichts der täglichen Hiobsbotschaften aus der Realwirtschaft wäre es wirklich überraschend, wenn der Aktienmarkt in den kommenden Wochen und Monaten haussieren würde. Neben der Immobilienkrise zeigen sich immer mehr Bremsspuren. Nur als kleines Beispiel sei auf die extrem schwierige Lage der US-Autobauer hingewiesen. Der Aktienkurs von General Motors ist auf ein 26-Jahres-Tief abgestürzt, nachdem die Ratingagentur S&P eine Abstufung von GM samt Finanztöchter erwogen hatte.
Finanzsektor weiter unter Druck
Alles andere als verwunderlich ist auch, dass die Finanzindustrie dies- und jenseits des Atlantiks weiter zur Schwäche neigt. In den USA kamen die Anleiheversicherer Ambac und MBIA unter Druck, nachdem nun auch von Moody`s eine Bonitätsabstufung erfolgte. Indes ist in Deutschland der Kurs des Branchenprimus Deutsche Bank deutlich unter das März-Tief gefallen. Damit hat sich die Notierung seit dem Hoch im Jahr 2007 fast halbiert. Aktuell sollen diverse Hedgefonds mit massiven Leerverkäufen aktiv sein, um von evtl. weiteren schlechten Nachrichten zu profitieren.
Leichte Entspannung am Rentenmarkt
Indes konnten sich parallel zur schwachen Entwicklung der Aktienmärkte die Rentenmärkte wieder etwas erholen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 4,63 Prozent, US-Treasuries mit 4,14 Prozent. Im Hinblick auf die deutsche Zinskurve ist es so, dass drei- bis neunjährige Staatsanleihen allesamt höher als die Zehnjährigen rentieren. Allerdings gibt es für Zweijährige nur 4,6 Prozent. In den USA ist dagegen die Zinsdifferenz zwischen Zwei- und Zehnjährigen wieder größer geworden (1,28 Prozent, Rendite Zweijähriger bei 2,86 Prozent).
Goldpreis wieder über 900 Dollar
Im krassen Gegensatz zu den breiten Aktienindizes präsentierte sich der Goldpreis in jüngster Vergangenheit äußerst robust. Am Freitag ging der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls wieder über 900 Dollar bzw. 577 Euro ins Wochenende.
Es ist nicht zu erwarten, dass die klare Outperformance gegenüber den anderen Anlageklassen (Aktien, Immobilien und Renten) sich rasch ins Gegenteil umkehrt!